Neue Therapien bei fortgeschrittenem Darmkrebs – Laserlicht und Ultraschall

Neue Therapien bei fortgeschrittenem Darmkrebs!
Göttinger Mediziner veröden Krebsmetastasen in der Leber zum Beispiel mit Laserlicht

(ukg) Darmkrebs, auch kolorektales Karzinom genannt, ist in der westlichen Welt die zweithäufigste tumorbedingte Todesursache. In der Bundesrepublik sterben jährlich über 30.000 Menschen an den Folgen von Darmkrebs. Ein Grund hierfür ist: der Krebs macht sich häufig erst spät bemerkbar und ist zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits weit fortgeschritten. Oft kann er nicht mehr durch eine Operation komplett (kurativ) entfernt werden. Dennoch wird bei etwa zwei Dritteln aller Patienten mit Darmkrebs noch eine Heilung durch eine operative Tumorentfernung angestrebt. 50 Prozent der Operierten versterben allerdings in den folgenden fünf Jahren an den Folgen der Tumorerkrankung. Häufigste Ursache hierfür ist, dass der ursprünglich im Darm wachsende Tumor zum Zeitpunkt der Operation bereits gestreut (metastasiert) und in entfernten Organen kleine Tochtergeschwülste, so genannte Mikrometastasen, gesetzt hat. Am häufigsten finden sich diese Absiedlungen in der Leber. Göttinger Mediziner vom Zentrum Innere Medizin der Universität setzen bei solchen Lebermetastasen eine spezielle Lasertherapie ein.

„Je kleiner der Tumor bei der Erstdiagnose ist, je früher er also entdeckt wird, desto besser stehen die Chancen, durch eine Operation geheilt zu werden. Deshalb sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wichtig,“ sagt Professor Dr. Giuliano Ramadori, Leiter der Abteilung Gastroenterologie und Endokrinologie. Oft habe der Darmkrebs bei einigen Patienten zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits Metastasen gesetzt. Die hohe Sterblichkeit des fortgeschrittenen Darmkrebses konnte in der Vergangenheit nicht wesentlich durch Chemotherapien oder die operative Entfernung neu aufgetretener Metastasen verbessert werden.

Mit lokalen Verfahren wird versucht, Metastasen gezielt zu zerstören, zum Beispiel durch die Radiofrequenztherapie oder die Äthanolinjektion. Nahezu reiner Alkohol (Äthanol) wird mit einer feinen Kanüle durch die Haut hindurch unter Ultraschallsicht in solche Leberherde gebracht und zerstört die Tumorzellen. Diese Behandlung wirkt besonders effektiv bei bestimmten Leberzelltumoren (hepatozelluläre Karzinomen), die von einer feinen Kapsel umgeben sind. Auf diese Weise verteilt sich der zerstörende Alkohol zwar, gelangt aber nicht ins gesunde Lebergewebe. Lebermetastasen, die von Darmkrebs ausgehen, haben eine solche Kapsel in der Regel nicht. Daher haben die Mediziner eine neue Therapie entwickelt, die die Effektivität einer Chemotherapie steigert oder eine Chemotherapie erst ermöglicht.

Feine Lasersonden werden ebenfalls unter Ultraschallsicht durch die Haut hindurch in das Zentrum der Lebermetastasen dirigiert und „veröden“ den Tumor durch das Laserlicht. Das Tumorgewebe in der Umgebung der Lasersonde wird durch den sehr energiereichen Laserstrahl erhitzt und geht dadurch zugrunde. Der ganze Eingriff geschieht wie bei einer diagnostischen Gewebeentnahme durch eine Punktion durch die Haut. Es ist also keine offene Operation und daher relativ risikoarm. Die Patienten erhalten während des Eingriffes lediglich ein Beruhigungs- und ein Schmerzmittel über eine Vene, um den ganzen Vorgang so schonend wie möglich durchzuführen. Im Rahmen einer Studie wird der langfristige Erfolg dieser Behandlung an der Göttinger Universitätsklinik untersucht. „Prinzipiell scheint diese Methode nicht nur geeignet zu sein, um Lebermetastasen zu „veröden“, die von Darmkrebs ausgehen. Auch andere solide Tumore des Bauchraumes können durch die Laserlichterhitzung zerstört werden,“ sagt Professor Ramadori. Tumore der Bauchspeicheldrüse in fortgeschrittenen Stadien (Pankreaskarzinome), neuroendokrine Tumore (Karzinoide) sowie primäre Lebertumore könnten nach Weiterentwicklung der Methode behandelt werden.

Weitere Informationen :
Georg-August-Universität -Bereich Humanmedizin
Zentrum Innere Medizin – Abt. Gastroenterologie und Endokrinologie
Prof. Dr. Giuliano Ramadori, Dr. Uwe Ritzel, Prof. Dr. Urs Leonhardt, Dr. Perdita Wietzke-Braun, Dr. Thomas Armbrust
Tel.: 0551/39 – 63 01, – 6326, – 8914, – 6321

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Rita Wilp

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