Chronischer Spannungskopfschmerz verursacht Stress, Angst und Depressionen


 Patienten, die unter chronischen Spannungskopfschmerzen leiden, haben aufgrund ihrer ständigen Schmerzen eine deutlich eingeschränkte Lebensqualität. Vor allem droht das Risiko eines Medikamenten-bedingten Kopfschmerzes sowie von Angststörungen und Depressionen, wenn das Leiden nicht behandelt wird. Experten der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft empfehlen Patienten mit chronischen Spannungskopfschmerzen darum eine umfassende Therapie mit verschiedenen Strategien, wie sie in interdisziplinären Behandlungszentren angeboten wird.

In Deutschland haben rund drei Prozent der erwachsenen Bevölkerung, also mehr als zwei Millionen Menschen chronische Spannungskopfschmerzen, d.h. sie leiden täglich oder fast täglich unter den dumpf-drückenden oder ziehenden Kopfschmerzen.

Wenn Betroffene ihre Schmerzen dann mit Schmerzmitteln bekämpfen, besteht das Risiko eines Medikamenten-induzierten Kopfschmerzes. Denn Analgetika können Kopfschmerzen verursachen, wenn sie zu häufig genommen werden. Darüber hinaus ist die Lebensqualität der Patienten stark eingeschränkt, wie aktuelle Untersuchungen amerikanischer Forscher belegen. Depressionen und Angstzustände können die Folge sein. Dies berichtet die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft in den Kopfschmerz-News, den Informationen für ihre Mitglieder.

Patienten mit chronischen Spannungskopfschmerzen bemühen sich zwar, ihre sozialen und beruflichen Funktionen unter großen Mühen aufrecht zu erhalten, doch sie sind müde, schlafen schlecht und fühlen sich niedergeschlagen. Bei der Hälfte der insgesamt 245 Patienten diagnostizierten die US-Forscher darum eine behandlungsbedürftige Depression.

Ähnliche Beobachtungen machen auch deutsche Experten: »Mehr als 80 Prozent aller Patienten mit Spannungskopfschmerzen gehen nicht zum Arzt«, stellt Günther Fritsche, Psychologe an der Kopfschmerzambulanz der neurologischen Universitätsklinik Essen fest. »Wenn zunächst nur gelegentlich auftretende Spannungskopfschmerzen chronisch werden, weil sie unbehandelt bleiben, laufen die Betroffenen darum Gefahr, neben ihren Kopfschmerzen noch eine Angst- oder Depressionserkrankung psychiatrischen Ausmaßes zu entwickeln.«

Bei der Behandlung von Spannungskopfschmerzen stehen nicht-medikamentöse Behandlungsverfahren im Vordergrund: Die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Stressbewältigungstraining, leichte sportliche Betätigung, Biofeedback und psychologisch-verhaltensmedizinische Strategien helfen den Patienten dabei, sich gegen die inneren und äußeren Belastungsfaktoren zu „immunisieren“. Die psychologisch-verhaltensmedizinischen Methoden lindern auch Depression und Angst.

Darüber hinaus kann eine vorbeugende medikamentöse Therapie hilfreich sein. Dazu dienen Medikamente, die normalerweise zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden. Denn sie beeinflussen auch die Verarbeitung von Schmerzreizen im Gehirn.

Solche umfassenden Therapieverfahren werden in interdisziplinären Kopfschmerz-Zentren und Spezial-Praxen angeboten. »Die Betroffenen erfahren, dass sie Möglichkeiten und Strategien entwickeln können, um ihre Schmerzen zu bewältigen. Sie finden einen Weg aus ihrer sozialen Isolation, treffen ihre Freunde wieder und besuchen Kino oder Konzerte«, resümmiert Fritsche die Behandlungsergebnisse. Das Maßnahmenbündel aus Entspannung, Bewegung und Verhaltenstherapie führt nämlich dazu, dass die erniedrigte Schmerzschwelle der Patienten angehoben wird. So gelingt es, den Teufelskreis des Schmerzes zu durchbrechen.

Informationen zum Chronischen Spannungskopfschmerz
Der Schmerz tritt in beiden Kopfhälften auf und ist dumpf-drückend oder ziehend. Er ist von leichter bis mäßiger Intensität und verstärkt sich nicht bei normaler körperlicher Aktivität. Gelegentlich reagieren Patienten empfindlich auf Licht und Lärm und manchen kann mitunter sogar übel werden.

Über die möglichen Ursachen dieser Kopfschmerzart können Experten bislang nur Vermutungen anstellen: Stress, Angstgefühle oder Muskelverspannungen werden verdächtigt. Bei mehr als der Hälfte der Patienten ist die Muskulatur darüber hinaus besonders schmerzempfindlich – ein Zeichen dafür, dass die Schmerzverarbeitung im Gehirn und der Einfluss körpereigener schmerzhemmender Nervensignale beeinträchtigt ist.

Weitere Informationen auch auf der Homepage der DMKG unter www.dmkg.org in der Rubrik »Patienten«.

Quelle:
„Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft" 

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Barbara Ritzert, ProScientia GmbH
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