Störung der Zellkraftwerke als Ursache für Übergewicht

Manche Menschen können essen, was immer sie möchten, ohne jemals dick zu werden. Andere hingegen werden trotz dauerhafter Diät übergewichtig. Warum das so ist, gehört bis heute zu den ungelösten Rätseln. Eine Antwort darauf könnte ein heute veröffentlichtes Forschungsergebnis von Jenaer und Potsdamer Wissenschaftlern geben. Die Kraftwerke einer jeden Körperzelle des Menschen, die so genannten Mitochondrien, können laut der neuen Studie für dieses Problem verantwortlich sein. Mitochondrien sind für die Bereitstellung von kurzfristig verfügbarer Energie verantwortlich. Sie wandeln hierzu die mit der Nahrung aufgenommenen Zucker und Fette so um, dass diese von der Zelle verbrannt werden können.

Ein Forscherteam des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam und der Universität Jena um Professor Michael Ristow hat untersucht, welche Auswirkungen eine leichte Unterfunktion dieser Kraftwerke auf Mäuse hat. Die Forscher konnten nun zeigen, dass diese Unterversorgung dazu führt, dass die Mäuse deutlich übergewichtig werden, ohne mehr zu fressen oder sich weniger zu bewegen. „Das überraschende an den Daten war“, so Ristow, „dass diese Mäuse mit Unterfunktion nur dann übergewichtig wurden, wenn sie eine ungesunde, kalorienreiche Diät fraßen. Die gleichen Mäuse blieben dagegen bei einer gesunden, ballaststoffreichen Ernährung genauso schlank wie ihre gesunden Geschwister.“

„Es ist bekannt,“ so der Jenaer Lehrstuhlinhaber für Humanernährung weiter, „dass unsere Mitochondrien mit zunehmendem Alter immer inaktiver werden. Das könnte erklären, warum wir mit den Jahren immer dicker werden, obwohl wir sogar weniger essen, als wir es als Jugendliche getan haben.“ Diese Abnahme der Mitochondrien-Aktivität sei vor allem durch Ausdauersport aufzuhalten; entsprechend wirksame Medikamente seien erst in der Entwicklungsphase.

Die Studie wird am 2. April in der Online-Ausgabe der Zeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (USA) veröffentlicht. Sie beweist erstmals, dass eine gezielte Beeinträchtigung der Mitochondrienfunktion in Mäusen dazu führt, dass überschüssige Nahrungs-Kalorien unvollständig verbrannt und statt dessen als Fettgewebe abgelagert werden. Zusätzlich entwickeln diese Mäuse eine Zuckerkrankheit (Diabetes), eine chronische Erkrankung, die bei Übergewichtigen gehäuft auftritt und zu Folgeproblemen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall führt.

Originalartikel:
Proceedings of the National Academy of Sciences (USA)
Online-Ausgabe vom 02.04.07: http://www.pnas.org/papbyrecent.shtml
Die Print-Version erscheint am 10.04.07, Band 104, Ausgabe 15, Seiten 6377-6381.
Kontakt:
Prof. Dr. med. Michael Ristow
Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Str. 29, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949630
E-Mail: presse[at]mristow.org

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Axel Burchardt idw

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