Chance auf Mittel gegen Malaria

Seit Jahrzehnten versuchen Wissenschaftler Mittel gegen die tödliche Malaria zu finden. Nun haben schwedische Forscher erstmals einen Wirkstoff entwickelt, der im Tierversuch dazu geführt hat, die Blutverklumpungen, die zum gefährlichen komatösen Zustand führen, aufzulösen. Das Team um Mats Wahlgren vom Department of Microbiology am Karolinska Institut in Uppsala hat den Wirkstoff, der ähnlich wirkt wie Heparin, bereits im Tierversuch getestet, berichtet das Wissenschaftsmagazin PLOS-Pathogens in seiner jüngsten Ausgabe.

Die Anopheles-Mücke überträgt das Plasmodium beim Stich auf den Menschen. Die Gefahr, sich in einem Malariagebiet zu infizieren ist umso größer, je mehr Mücken dort die Plasmodien in sich tragen und je häufiger man von diesen Mücken gestochen wird. Die Plasmodien befallen die roten Blutkörperchen und produzieren ein bestimmtes Protein, das an Rezeptoren anderer Blutzellen und an die Innenwand der Blutgefäße anbindet. Das Protein verklebt die Blutzellen und dadurch verschlechtert sich die Blutzirkulation im Körper. Hier setzten die Forscher an: Sie suchten nach Möglichkeiten, dieses Verkleben der roten Blutkörperchen mit chemischen Substanzen zu verhindern. Wenn nämlich der Krankheitsverlauf unbehandelt weitergeht, entwickeln sich die Erreger in den Blutkörperchen fertig. Dann platzt das Blutkörperchen und setzt neue Plasmodien frei. Die Zerstörung der roten Blutkörperchen ruft einen Fieberschub hervor. Die neuen Plasmodien befallen wiederum rote Blutkörperchen und vermehren sich dort weiter. So folgt ein Fieberschub auf den nächsten.

Wahlgren und sein Team hatte eine Substanz wie Heparin im Auge. Heparine sind therapeutisch eingesetzte Substanzen zur (Blut-)Gerinnungshemmung, die die Blutzellen aus den Klumpen lösen können. Allerdings wird Heparin bei Malaria deswegen nicht eingesetzt, weil es als unerwünschte Nebenwirkung innere Blutungen verursacht. Chemisch gesehen handelt es sich bei Heparinen um Polysaccharide, bestehend aus einer variablen Anzahl von Aminozuckern. Aus Heparin konnten die Wissenschaftler allerdings den neuen Wirkstoff gewinnen, nämlich verkürzte Verbindungen aus Aminozuckern, so genannte depolymerisierte Glykosaminglykane. Im Versuch war das Ergebnis beeindruckend: Bei Ratten blockierte die intravenöse Verabreichung des Wirkstoffes 80 Prozent der infizierten roten Blutkörperchen sich zu verbinden. Auch die Bindungen bereits verklumpter Blutzellen konnten wieder aufgelöst werden. Ähnlich erfolgreich verlief auch der Versuch mit Langschwanz-Makaken.

Jährlich erkranken weltweit über 100 Mio. Menschen an Malaria. Mehr als eine Mio. stirbt daran. „Der Wirkstoff kann allerdings nur die Komplikationen der Malaria verhindern, nicht den Erreger selbst“, so Andreas Bayer, Rektor der TCM-Privatuniversität, im pressetext-Interview. „Der einzige echte Wirkstoff gegen Malaria ist Artemisin. Artemisin wirkt gegen alle bekannten Malariaerreger und kennt keine Resistenzen. Die Wirksamkeit beträgt 90 Prozent“, so Bayer. Der Wirknachweis wurde in Großfeldstudien mit bis zu 10.000 Patienten in China, Vietnam und Thailand erbracht. Bereits 1972 isolierte eine chinesische Pharmakologin Tu Youyou an der China Academy of Traditional Medicine die Wirksubstanz Artemisin aus der chinesischen Heilpflanze Artemisia Annua (Wermut). Diese Heilpflanze ist seit dem Jahr 168 v. Chr. in der Traditionellen Chinesischen Medizin TCM als Malariamittel in Verwendung.

„Die WHO verweigerte jedoch über 30 Jahre auf Druck der europäischen/amerikanischen pharmazeutischen Industrie die Anerkennung der Wirksamkeit von Artemisin“, erklärt Bayer. „Erst nachdem China mit dem westlichen Konzern Novartis in Kooperation ging und über diese Firma bereit war, das Produkt auf den Markt zu bringen, wurde die Wirksamkeit plötzlich bestätigt und Artemisin in die WHO Gesundheitsprogramme aufgenommen.“

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Wolfgang Weitlaner pressetext.austria

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