Wenn Nahrungsmittel heilen helfen

Ernährungswissenschaftler der Universität Jena starten ein neues BMBF-gefördertes InnoRegio-Projekt

Dass man sich gesund ernähren soll, um Krankheiten vorzubeugen, ist eine Binsenweisheit. Aber es geht auch andersherum. Wenn man bereits krank ist, kann man durch den Verzehr bestimmter Nahrungsmittel den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen, die Heilung fördern oder zumindest Schadensbegrenzung betreiben. Diesen Ansatz verfolgen Ernährungswissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Kürzlich sind ihnen für ein InnoRegio-Projekt des Bundesforschungsministeriums (BMBF), das drei klinische Studien enthält, Gelder in Höhe von 308.000 Euro für die nächsten zwei Jahre bewilligt worden.

Die Ernährungswissenschaftler der Universität sind u. a. dabei, einen speziellen Brotaufstrich für Patienten mit koronaren Herzkrankheiten zu entwickeln. Milchprodukte, die mit entzündungshemmenden Fettsäuren angereichert sind, sollen künftig die Speisekarte von Patienten mit rheumatischen Erkrankungen bereichern. Während diese beiden Produkte noch in der Entwicklung stecken, wird die Wirkung eines dritten Naturprodukts bereits an Patienten getestet. In Kooperation mit den Hautärzten des Jenaer Universitätsklinikums ist kürzlich eine vielbeachtete klinische Studie angelaufen, in der die Wirkung von Stutenmilch bei Neurodermitis getestet wird. „Stutenmilch ist reich an immunologisch wirksamen Komponenten, wie Lysozym, Lactoferrin oder sekretorischem Immunglobulin A“, erläutert PD Dr. Rainer Schubert. „Aufgrund dieser drei Inhaltsstoffe wirkt Stutenmilch antibakteriell und beeinflusst das Immunsystem positiv“, so der Ernährungswissenschaftler von der Universität Jena.

In Vorgängerprojekten hatte er nachgewiesen, dass das Naturprodukt als Therapieunterstützung bei Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen hilft. Ob sich diese positive Wirkung auch bei den Neurodermitispatienten nachweisen lässt, sollen die neuen Forschungen an den Tag bringen. Für die Stutenmilchstudie werden immer noch dringend Teilnehmer aus Jena und Umgebung gesucht. „Damit wir wirklich gesicherte Ergebnisse erzielen können, benötigen wir unbedingt noch weitere Neurodermitispatienten aus der Region“, sagt Schubert. Er hat die genannten Projekte beantragt, Kooperationspartner gewonnen und koordiniert nun die Jenaer Aktivitäten.

Eingebettet sind all diese Forschungsarbeiten in ein großes regionales Modellprogramm zum barrierefreien Tourismus im Thüringer Wald für Menschen mit Handicaps. „Auch Menschen, die an einer Stoffwechselerkrankung leiden, sind gewissermaßen gehandicapt“, erläutert Schubert. Denn sie benötigen eine spezielle Ernährung und Betreuung am Urlaubsort. „Jemand, der schon einen Herzinfarkt hatte, fährt nicht mehr spontan in den Urlaub, ohne sich abzusichern, ob er dort auch im Ernstfall gut versorgt wird“, erläutert Schubert die Idee, die hinter dem barrierefreien Tourismus steckt.

Während sich die Jenaer Wissenschaftler damit beschäftigen, spezielle Lebensmittel und Ernährungskonzepte für Urlauber mit Stoffwechselerkrankungen zu entwickeln, erarbeiten andere Projektpartner die wissenschaftlichen Grundlagen für eine optimale Gestaltung der Infrastruktur für Menschen mit Handicap und entwerfen spezielle Bewegungsprogramme zur Rehabilitation. Das alles soll dazu beitragen, den Thüringer Wald touristisch für eine neue Zielgruppe zu erschließen.

Wichtiger Hinweis:

Freiwillige, die an der Stutenmilchstudie teilnehmen möchten, melden sich bitte in der Hautklinik der Universität Jena bei Dr. Ivonne Schmidt unter Tel. 03641 / 937591 bzw. 937424. Weitere Informationen erteilen auch die Mitarbeiter des Instituts für Ernährungswissenschaften der Universität Jena.

Kontakt:

PD Dr. Rainer Schubert oder Dipl.-Trophologin Corina Fökel
Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Jena
Dornburger Str. 24, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949617 oder 949628
E-Mail: rainer.schubert@uni-jena.de oder b8foco@uni-jena.de

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Stefanie Hahn idw

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