Mobilmachung gegen AIDS

Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (rechts) eröffnet zusammen mit Industriepartnern, hier Dr. Klaus Enßlin, Vorstand des Raumfahrtunternehmens Astrium, den internationalen Kongress für Satellitennavigation "Mercatorpark" in München.


Auf dem Aids-Gipfeltreffen in der nigerianischen Hauptstadt Abuja forderte der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, zur weltweiten Mobilmachung gegen die Immunschwächekrankheit auf. "Diese muss auch darin bestehen, dass in Ländern wie Deutschland Aids-Forschung wieder ermöglicht wird", fordert der Vorsitzende der Deutschen Aids-Gesellschaft e.V. (DAIG), Professor Dr. Norbert Brockmeyer. Die Förderung von Forschungsprojekten hingegen ist weiterhin rückläufig.

3,8 Mio. neu Infizierte in Afrika

"Gerade auf dem afrikanischen Kontinent werden die Folgen deutlich, die dadurch entstehen, dass für Aids-Prävention, -Therapie und -Forschung nur unzureichende Budgets zur Verfügung stehen", so Brockmeyer. Auf der südlichen Hälfte des Kontinents leben nach Angaben von UNAIDS beinahe 70 % der weltweit 36,1 Millionen HIV-Infizierten. 3,8 Millionen Menschen haben sich dort im letzten Jahr mit dem HI-Virus neu infiziert. "Die jetzt von Kofi Annan geforderte globale Mobilmachung ist sinnvoll, richtig und dringend notwendig. Denn gerade in Deutschland geht man beim Thema Aids gern zur Tagesordnung über, als gebe es bereits eine Lösung. Das Gegenteil ist der Fall", sagt der Aids-Forscher. "Eine simple, wirksame Schutzimpfung ist derzeit nach wie vor nicht in Sicht, so dass Prävention und Therapie die Hauptsäulen der Bekämpfung von AIDS bleiben."

Lebenserhaltende Therapie

Die moderne, antiretrovirale Therapie ist trotz ihrer großen Erfolge nicht lebensrettend, sondern lebenserhaltend. "Das heißt, dass es ohne eine dauerhafte Einnahme der Medikation mit den damit verbundenen Nebenwirkungen und Kosten keine Erhaltung von Leben und Gesundheit der Patienten geben kann", so Brockmeyer weiter. Daraus folgt eine ständig zunehmende Zahl zu behandelnder Patienten und damit eben auch stetig steigende Medikamentenkosten. Notwendig sei, einfache, kostengünstige und nicht lebenslange Therapien zu entwickeln, und zwar insbesondere für die Entwicklungsländer. "Obwohl die aktuelle Therapie diesen Anforderungen noch nicht genügt, ist klar, dass nur eine Intensivierung der Forschungsbemühungen in den Industrieländern zur ihrer Entwicklung führen kann. Dabei sind alle Staaten mit hoher wissenschaftlicher und ökonomischer Potenz gefordert, dieses globale Problem anzugehen. Auch aus einem vitalen Eigeninteresse heraus. Denn Aids macht nicht vor Grenzen halt", sagt der Vorsitzende der Deutschen Aids-Gesellschaft.

Kürzungen durch das BMBF

"Vor diesem Szenario erscheinen der Deutschen Aids-Gesellschaft die erheblichen Kürzungen bei der Förderung der HIV-/AIDS-Forschung in Deutschland unverständlich", so Brockmeyer. Zwei erfolgreiche AIDS-Verbundprojekte seien ersatzlos im Februar 2001 ausgelaufen. Auch das BMBF-geförderte infektiologische Stipendienprogramm werde Ende 2001 ersatzlos beendet. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstütze mit ca. 6 Mio DM pro Jahr einen beträchtlichen Teil der Grundlagenforschung zum Thema HIV-Infektion und AIDS, erklärte Brockmeyer. Klinische Forschung im engeren Sinne wird von der DFG allerdings nicht gefördert. Unter den Bundesländern stellt allein der Freistaat Bayern jährlich 1,8 Mio DM aus Landesmitteln für die AIDS-Forschung zur Verfügung. Brockmeyer: "Die HIV-Infektion stellt eine Gefährdung für die gesamte Bevölkerung dar. Sie darf nicht in Vergessenheit geraten oder verdrängt werden sondern muss neu diskutiert werden. Dazu gehört auch eine Diskussion der Forschungs- und Prävenstionsförderung."

Weitere Informationen

Professor Dr. Norbert Brockmeyer
Dermatologische Klinik der Ruhr Universität Bochum im St. Josef Hospital, Gudrunstraße 56, 44791 Bochum, Tel.: 0234/509-3471

Media Contact

Dr. Josef König idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit

Dieser Fachbereich fasst die Vielzahl der medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin zusammen.

Unter anderem finden Sie hier Berichte aus den Teilbereichen: Anästhesiologie, Anatomie, Chirurgie, Humangenetik, Hygiene und Umweltmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Pharmakologie, Physiologie, Urologie oder Zahnmedizin.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

CO2 aus der Müllverbrennung als Wertstoff nutzen

Aus industriellen Prozessen wird tonnenweise Kohlenstoffdioxid freigesetzt und gelangt als klimaschädliches Treibhausgas in die Atmosphäre. Es stattdessen aufzufangen und sinnvoll zu nutzen, ist Ziel des Projekts ReCO2NWert. Im Rahmen dieses…

Neue Modellierungen zur Optimierung elektrostatischer Spritzlackierungen

Weniger Sprühnebel, höhere Effizienz… Hochspannung hilft, Sprühverluste zu vermeiden. Welche physikalischen Prozesse bei der elektrostatisch unterstützten Spritzlackierung ineinandergreifen, zeigt jetzt erstmals ein Computermodell. Mit dessen Hilfe lassen sich Lacke, Lackieranlagen…

TUM-Absolventen schaffen Roboter für flexible Textilien

Start-up sewts mit KI-basierten Industrierobotern erfolgreich. Die Industrieroboter des Münchner Start-up setws lernen mithilfe von KI-Algorithmen, wie sie mit forminstabilen Materialien umgehen müssen. Wäschereien nutzen die Technologie bereits, um etwa…

Partner & Förderer