Mobile Mini-Herz-Lungen-Maschine erstmals erfolgreich bei akuter Lungenembolie eingesetzt

Es übernahm sofort die Funktion von Lunge und Herz und sorgte so unmittelbar für die lebenswichtige Versorgung der Organe mit Sauerstoff. Dies kann bisher nur eine Herz-Lungen-Maschine leisten, die aufgrund ihrer Größe allerdings nur in einem Operationssaal zur Verfügung steht – bis der Patient dort angeschlossen ist, verstreicht wertvolle Zeit.

„Stellen Sie sich vor“, erläutert Prof. Christian Friedrich Vahl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie an der Mainzer Uniklinik, „vor Ihren Augen bricht ein junger Mann nach Luft schnappend zusammen, verliert das Bewusstsein und ist sofort wiederbelebungspflichtig. Liegt eine Lungengefäßverstopfung vor, erstickt der Patient trotz aller Wiederbelebungsmaßnahmen, da die Lunge den notwendigen Sauerstoff nicht mehr aufnimmt.“ In dieser Situation gab es früher nur eine Chance: eine sofortige Operation mit schnellstmöglichem Anschluss an eine Herz-Lungen-Maschine.

Die Implantation des Lifebridge-Systems – einer mobilen Mini-Herz-Lungen-Maschine – kann hingegen bereits unter Wiederbelebungsmaßnahmen erfolgen und stellt sofort eine adäquate Funktion von Lunge und Kreislauf her. „Da es im aktuellen Fall keine Alternative gab, haben wir uns zu diesem Eingriff entschlossen“, erläutert Prof. Vahl.

„Die Implantation war erfolgreich und mit laufendem Unterstützungssystem konnte der Patient soweit stabilisiert werden, dass die notwendige Diagnostik, welche das Vorliegen einer Lungenembolie bestätigte, durchgeführt werden konnte.“ Anschließend wurde der Patient unter Leitung von Oberarzt Prof. Uwe Mehlhorn erfolgreich operiert. „Durch den Einsatz der 'Lifebridge' gewinnen wir wertvolle Minuten – Zeit, in der die Organe bereits wieder mit Sauerstoff versorgt werden und in der wir Patienten eingehend untersuchen, eine exakte Diagnose stellen und anschließend adäquat behandeln können“, beschreibt der Operateur Prof. Mehlhorn die Vorzüge der neuen Behandlungsoption.

Der Patient, der ohne die Verfügbarkeit dieser Behandlungsoption in Mainz, unter den gegebenen Bedingungen wahrscheinlich keine Überlebenschance gehabt hätte, hat sich von dem Eingriff gut erholt. Zwei Wochen nach der Operation geht es ihm klinisch gut. Die Phase der Wiederbelebung betreffend hat er einen Gedächtnisverlust.

„Das Tückische“, so Prof. Vahl, „ist, dass jede Wiederbelebungsmaßnahme sinnlos ist, wenn die Lunge wie bei einer fulminanten Lungenembolie keinen Sauerstoff mehr aufnimmt. Der Kreislauf kommt durch die Reanimation zwar wieder in Gang, da das Blut aber zu wenig Sauerstoff enthält, werden die Organe und das Gehirn weiterhin nicht ausreichend versorgt.

Bei Patienten mit akut lebensbedrohlichen Lungen- und Herzerkrankungen haben wir in Mainz ab jetzt die Möglichkeit, durch die Implantation des 'Lifebridge'-Systems die kritische Zeit zwischen lebensbedrohlicher Funktionsstörung und rettender Operation zu überbrücken. Zudem stellt der weltweit erste erfolgreiche Einsatz der 'Lifebridge' bei einer Lungenembolie einen wichtigen Erfolg für die Erforschung und Therapie akuter Lungenerkrankungen in Mainz dar.“

So ist einer der Forschungsschwerpunkte der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie im Schwerpunkt „minimal invasive Chirurgie“ seit vielen Jahren die Weiterentwicklung der Herz-Lungen-Maschine zum autonomen Roboter. Dieses wurde im Sonderforschungsbereich 414 systematisch erforscht. Das als „Lifebridge“ bezeichnete System ist ein solcher miniaturisierter Herz-Lungen-Unterstützungsroboter. Prof. Uwe Mehlhorn, der das System nun erstmals erfolgreich bei der Behandlung einer Lungenembolie einsetzte, leitete auch die experimentelle Evaluation der mobilen Mini-Herz-Lungenmaschine im Großtierversuch und war an deren Entwicklung von Beginn an beteiligt.

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Petra Giegerich idw

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