Herpes-Viren als Werkzeug

Herpes-Viren verfügen über einen ausgeklügelten Mechanismus, die Immunabwehr des Organismus zu täuschen und unerkannt zu bleiben. Aus den beteiligten biochemischen Abläufen können Forscher lernen, welche Möglichkeiten die Zelle hat, Körper eigene von Körper fremden Proteinen zu unterscheiden.

Darüber berichtet der international renommierte Immunologe Hidde Ploegh vom amerikanischen Whitehead Institute for Biomedical Research in Cambridge, Massachussetts am Montag, 3. März 2008 in einem öffentlichen Vortrag. Die Veranstaltung findet in der Reihe „Perspective Lectures“ statt, einer gemeinsamen Vortragsreihe der Goethe Universität und Sanofi Aventis.

Prof. Ploegh erforscht seit vielen Jahren das komplizierte Wechselspiel zwischen der Immunabwehr und eindringenden Viren und Bakterien. 2002 entdeckte er einen neuen Mechanismus, mit dem dendritische Zellen, die „Wachposten“ des Immunsystems, Antigene aufspüren und eine Immunantwort auslösen. Bei ihren „Patrouillen“ in den peripheren Geweben des Körpers (Haut, Atemwege) erkennen dendritische Zellen Fremdmaterialien und Mikroorganismen, „verschlingen“ (phagozytieren) sie und zerlegen sie in Proteinfragmente. Anschließend „präsentieren“ die dendritischen Zellen einen Teil der Proteinfragmente an ihrer Oberfläche, wo sie eine Immunantwort auslösen – sofern es sich um „verdächtige“ Körper fremde Proteine handelt.

Auch Körper eigene Proteine werden in der Zelle laufend zerlegt, entweder, weil sie fehlerhaft sind oder nicht mehr benötigt werden. Deren Bruchstücke werden ebenfalls an der Zelloberfläche präsentiert. Deshalb wird eine „Qualitätskontrolle“ benötigt, die zwischen „Freund“ und „Feind“ unterscheidet. Wie diese abläuft, hat Ploegh in langjähriger Forschungsarbeit aufgeklärt.

Hidde Ploegh, der an der Universität Groningen studierte, begann seine Laufbahn als Immunologe mit einem Stipendium an der Harvard Universität. Von 1984 bis1992 arbeitete er am Niederländischen Krebsforschungsinstitut in Amsterdam. Dann ging er erneut in die Vereinigten Staaten, zunächst an das Massachussetts Institute of Technology (MIT), 1997 wechselte er an die Harvard Medical School. Seit 2005 arbeitet er am Whitehead Institute for Biomedical Research daran, Proteasen mittels chemischer Werkzeuge in der Zelle aufzuspüren. Proteasen sind Schlüssel-Enzyme des Ubiquitin-Proteasom-Systems, in dem nicht mehr benötigte Proteine zerlegt werden. Damit hat er inhaltlich viele Anknüpfungspunkte an die Forschung der Frankfurter Arbeitsgruppen von Werner Müller-Esterl, Ivan Dikic und Robert Tampé.

Was?
Perspective Lecture
Prof. Hidde Ploegh
„Herpes Viruses as Tools“
Wann?
Montag, 3. März 2008, 18:15 Uhr
Wo?
Neues Hörsaalgebäude, Hörsaal 22-1,
Klinik der Universität Frankfurt, Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt
Informationen: Prof. Werner Müller-Esterl, Institut für Biochemie 2, Campus Niederrad, Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt. Tel: (069) 6301-5652, E-Mail: office@biochem2.de.

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Dr. Anne Hardy idw

Weitere Informationen:

http://www.uni-frankfurt.de

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