Mit Sicherheit gerne getragen! – Optimierte Kopfschutzsysteme für Beruf und Freizeit

Mountainbiker im Frühling - natürlich mit Helm! Foto: © Thommmy Weiss / pixelio.de

Doch ein Helm kann nur dann vor ernsthaften Kopfverletzungen schützen, wenn er perfekt zur individuellen Kopfgröße und Kopfform seines Trägers passt. Das gilt für die Freizeit und auch für jeden Kopfschutz, der im Beruf zum Einsatz kommt.

Einen gut passenden Schutzhelm zu finden, ist nicht einfach: Bei gleichem Kopfumfang kann die Kopfbreite innerhalb einer Größe um bis zu 4 cm variieren, was zu Lasten von Tragekomfort und Passform geht.

Bislang gab es in Deutschland keine fundierten anthropometrischen Kopfdaten der Bevölkerung: Weder existierten aktuelle Maße, noch Informationen zu den Kopfformen oder deren prozentualer Verteilung in der Bevölkerung.

In einem Forschungsvorhaben, das im Rahmen der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) von der AiF-Forschungsvereinigung Forschungskuratorium Textil e.V. organisiert wurde, haben Wissenschaftler der Hohenstein Institute in Bönnigheim hier nun Abhilfe geschaffen und auf Basis umfassender Kopfformdaten eine neue Größentabelle für Köpfe entwickelt.

Die vorwettbewerbliche IGF ermöglicht insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) den Zugang zu aktuellen Forschungsergebnissen. Sie wird zusammen mit 100 branchenorientierten Forschungsvereinigungen im Innovationsnetzwerk der AiF Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen organisiert. Projekte der IGF werden vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit öffentlichen Mitteln gefördert.

Kopfgröße und Kopfform

Die Passform der Schutzhelme ist in erster Linie abhängig von der Kopfform des Trägers. Im Rahmen des IGF-Projektes „Textilbasierte Kopfschutzsysteme“ konnten fünf signifikante Kopftypen von „rund extrem“ über „rund“ und „normal“ zu „oval“ und „oval extrem“ und dieselbe Anzahl mittlerer Kopfhöhen definiert werden. Dafür analysierten die Forscher 6.000 Köpfe von Männern, Frauen und Kindern anhand von jeweils 40 Messpunkten und werteten die Ergebnisse statistisch aus.

Hit Hilfe dieser Daten wurden realistische 3D-Modelle entwickelt, die die komplette Bandbreite der verschiedenen Kopfformen der deutschen Bevölkerung aufweisen und als Grundlage für eine neue Größentabelle dienen. Damit können Hersteller von Kopfschutzsystemen nun optimierte Größensortimente und Produktformen mit verbesserter Passform gestalten.

Textile Innenauskleidung

Neben der Passform spielen auch die Eigenschaften von Helminnenfuttern eine wesentliche Rolle für den Tragekomfort von Helmen, denn das textile Futtermaterial beeinflusst die klimatischen und hygienischen Bedingungen unter dem Helm erheblich. Durch verstärktes Schwitzen entsteht unter dem Kopfschutz ein feuchtwarmes Klima, das nicht nur den Tragekomfort verschlechtert, sondern auch ideale Wachstumsbedingungen für Mikroorganismen bietet – meist verbunden mit einer unerwünschten Geruchsentwicklung und möglichen Erkrankungen der Kopfhaut.

Daher wurde im Rahmen des Forschungsvorhabens die textile Innenauskleidung am Beispiel des Skihelms untersucht. Auch hier konnten die Wissenschaftler mit ihren Ergebnissen zu einer Optimierung der verschiedenen Einflussgrößen beitragen.

Von den Projektergebnissen profitieren vor allem kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). Neben Herstellern von Kopf- und Gesichtsschutzsystemen, die zu über 50 Prozent Mittelständler sind, wird auch der Großteil der deutschen Bekleidungsunternehmen aus dem Sportbereich die neuen Kopfformdaten nutzen. Von diesen gehören über 90 Prozent dem deutschen Mittelstand an.

Ansprechpartner zum Projekt

Forschungskuratorium Textil e.V. – FKT, Reinhardtstraße 14-16, 10117 Berlin;
Christa Ehrlich, cehrlich@textilforschung.de, Telefon: +49 30 726220 43
Hohenstein Institut für Textilinnovation gGmbH (HIT), Schlosssteige 1, 74357 Bönnig-heim;
Simone Morlock, s.morlock@hohenstein.de, Telefon: +49 7143 271 305

Über die AiF

Die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V. ist ein 1954 gegründetes, industriegetragenes Innovationsnetzwerk zur Förderung von Forschung und Entwicklung im Mittelstand. Es verknüpft die Interessen von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Aufgabe ist es, als Dachverband von 100 branchen-spezifischen Forschungsvereinigungen die Volkswirtschaft Deutschlands in ihrer Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken. Die AiF als gemeinnütziger Verein ist Träger der Industriellen Gemeinschaftsforschung und betreut über die AiF Projekt GmbH und die AiF F∙T∙K GmbH, ihre einhundertprozentigen Tochtergesellschaften, weitere Förderprogramme der öffentlichen Hand. Im Jahr 2014 setzte die AiF über 500 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln ein.

Pressekontakt

AiF e.V., Evelyn Bargs-Stahl, presse@aif.de, Telefon: +49 221 37680 114

Weitere Informationen:

http://www.aif.de
http://www.aif.de/innovationsfoerderung/industrielle-gemeinschaftsforschung.html
http://www.aif.de/aif/mitglieder/mitglieder-steckbriefe/formular/detail/82.html?…
http://www.hohenstein.de/de/research/projects/project_detail.xhtml?researchProje…

Media Contact

Evelyn Bargs-Stahl idw - Informationsdienst Wissenschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften

Die Materialwissenschaft bezeichnet eine Wissenschaft, die sich mit der Erforschung – d. h. der Entwicklung, der Herstellung und Verarbeitung – von Materialien und Werkstoffen beschäftigt. Biologische oder medizinische Facetten gewinnen in der modernen Ausrichtung zunehmend an Gewicht.

Der innovations report bietet Ihnen hierzu interessante Artikel über die Materialentwicklung und deren Anwendungen, sowie über die Struktur und Eigenschaften neuer Werkstoffe.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Globale Erwärmung aktiviert inaktive Bakterien im Boden

Neue Erkenntnisse ermöglichen genauere Vorhersage des Kohlenstoffkreislaufs. Wärmere Böden beherbergen eine größere Vielfalt an aktiven Mikroben: Zu diesem Schluss kommen Forscher*innen des Zentrums für Mikrobiologie und Umweltsystemforschung (CeMESS) der Universität…

Neues Klimamodell

Mehr Extremregen durch Wolkenansammlungen in Tropen bei erhöhten Temperaturen. Wolkenformationen zu verstehen ist in unserem sich wandelnden Klima entscheidend, um genaue Vorhersagen über deren Auswirkungen auf Natur und Gesellschaft zu…

Kriebelmücken: Zunahme der Blutsauger in Deutschland erwartet

Forschende der Goethe-Universität und des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums in Frankfurt haben erstmalig die räumlichen Verbreitungsmuster von Kriebelmücken in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen modelliert. In der im renommierten…

Partner & Förderer