Antibakterieller Stoff nutzt Algen statt Silber

Bakterienkiller: Winzige Fäden versprechen große Wirkung (Foto: kth.se)

Antibakterielle Gewebe nutzen bislang oft Silberionen, die selbst als potenziell gesundheitsschädlich gelten. Daher setzen Forscher an der schwedischen Königlichen Technischen Hochschule (KTH) http://kth.se nun auf die in Rotalgen vorkommende Substanz Lanosol als sicherere Alternative.

Einsatz in Spitälern

Das Team hat ultradünne Kunststoff-Fäden gefertigt, die gleichmäßig von dieser Verbindung durchsetzt sind. Gewebe aus diesem Material könnten beispielsweise für Spitäler interessant sein. Denn Lanosol ist wirksam gegen Staphylokokken, die für viele Krankenhausinfektionen verantwortlich sind.

Silberionen sind für ihre antibakterielle Wirkung bekannt und haben daher selbst schon in Smartphone-Glas Einzug gehalten (pressetext berichtete: http://pte.com/news/20140107001 ). Allerdings ist der Einsatz von Silber umstritten, beispielsweise hat in Schweden eine nationale Behörde das Edelmetall selbst als Gesundheitsrisiko eingestuft. Doch antibakterielle Stoffe sind beispielsweise für die Prävention von Krankenhausinfektionen sinnvoll. Hier kommen die neuen KTH-Fäden mit dem Naturprodukt Lanosol als mögliche Silber-Alternative ins Spiel.

Dünner als ein Haar

Das Team um den KTH-Polymerforscher Mikael Hedenqvist hat ein Verfahren namens „Electrospinnen“ genutzt, um einen biokompatiblen Kunststoff und Lanosol zu verarbeiten. „Das produziert sehr dünne Fäden, mit einer Dicke von etwa einem Hundertstel der eines menschlichen Haares“, so Hedenqvist.

Das hat den Vorteil, dass ein Gewebe aus dem Faden eine große Wirkfläche hat, dank der es effektiver Bakterien abtötet. Zudem verteilt sich die Substanz gleichmäßig, während silberhältige Partikel oft Klumpen bilden. Daher hat der Faden auch gute mechanische Eigenschaften. Er ist für gewobene wie ungeordnete Materialien geeignet.

Hedenqvist zufolge könnten die neuen Fäden in Zukunft beispielsweise für Luftfilter oder in Textilien in Krankenhäusern zum Einsatz kommen. Denn Untersuchungen zufolge tötet die aktive Substanz 99,99 Prozent aller Bakterien vom Typ Staphylococcus aureus ab.

Diese Spezies ist einer der häufigsten Auslöser von Krankenhausinfektionen, zudem treten zunehmend Antibiotika-Multiresistente Stämme auf. Entsprechend groß ist der potenzielle Nutzen von antimikrobiellen Stoffen, die eine Ausbreitung dieser Bakterien verhindern.

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Thomas Pichler pressetext.redaktion

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