TV-Doku: Metin Colpan und seine „blaue Box“

Die Arbeit des deutschen Biotech-Wissenschaftlers Metin Colpan während der letzten vierzig Jahre hat den Weg für schnelle und effektive Gendatenanalysen geebnet. Damit wurde es in der Wissenschaft möglich, Krankheiten schneller zu  erkennen und neue Therapien, z. B. auch für COVID-19, zu entwickeln.  In der TV-Doku „Die blaue Box – Portrait des Biotechnologen Metin Colpan“ stellt HYPERRAUM.TV  den Erfinder und sein Werk vor.

Um DNA und RNA – jene Biomoleküle, die Erbinformationen speichern und übertragen – untersuchen zu können, müssen sie vorher von anderen Substanzen wie Bakterien oder Viren getrennt werden. Das früher angewendete Extraktionsverfahren war jedoch  nicht nur zeitaufwendig  und teuer, sondern erforderte oft auch den Einsatz toxischer Chemikalien.

Metin Colpan wollte das ändern und suchte 1978 an der Technischen Universität Darmstadt im Rahmen seiner Doktorarbeit über ein Virus, das Tomatenpflanzen und Kokospalmen befällt, nach einem neuen Prozess. Er entwickelte ein einfacheres Verfahren, bei dem eine Lösung, die virale RNA enthält, einer porösen Matrix aus modifiziertem Kieselgel ausgesetzt wird. Dadurch ließ sich die Zielsubstanz effizienter, und vor allem umfassender isolieren.

Seine Erfindung ist inzwischen zu einem Standardverfahren geworden, das von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlen und von Wissenschaftlern auf der ganzen Welt angewendet wird. Es ist nicht nur deutlich preiswerter, sondern erlaubt es zudem dank  der optimierten Trennung, die darin enthaltenen Gendaten exakter zu interpretieren. Sein biotechnologischer Durchbruch hat dazu geführt, dass Erkrankungen besser erkannt, behandlungsrelevante Genvariationen identifiziert und neue medikamentöse Therapien entwickelt werden können.

Colpan vermarktete seine Erfindung über das 1984 von ihm mitgegründete Unternehmen Qiagen. Allerdings blieb das Interesse an seinem Verfahren in den achtziger Jahren  hierzulande zunächst aus. So reiste Colpan in die USA, um seine Erfindung in den dortigen Universitätslabors vorzustellen. Qiagen ist seitdem zu einer Erfolgsgeschichte im Bereich der Biotechnologie geworden und hat als erstes deutsches Unternehmen den Gang an die US-Technologiebörse NASDAQ gewagt. Das Unternehmen investiert heute zehn Prozent seines Umsatzes wieder in Forschung und Entwicklung, beschäftigt über 5 300 Mitarbeiter weltweit und verkauft Hunderte von Produkten, die auf der Erfindung von Colpan beruhen und von der Veterinärdiagnostik bis zur Lebensmittelsicherheit reichen. Qiagen hat in den letzten Jahren außerdem eine Reihe von Innovationen im Themenfeld von Covid-19 entwickelt, einschließlich Antigen-, Antikörper- und T-Zellen-Tests, die zu einem besseren Verständnis des Krankheitsverlaufs und der Immunität gegenüber dem neuen Coronavirus geführt haben.

Heute ist Colpan Aufsichtsratsmitglied bei Qiagen und Vorsitzender des Wissenschafts- und Technologieausschusses. Colpan, dessen Familie aus der Sowjetunion in die Türkei geflohen war, bevor sie in den siebziger Jahren nach Deutschland kam, verbindet seinen Unternehmergeist weiterhin mit seiner Leidenschaft für die Naturwissenschaften. So bleibt er bis heute auf der Suche nach neuen Anwendungen für seine Erfindung, die Wissenschaftler dabei helfen könnten, neue Entdeckungen auf dem Gebiet der Genetik zu machen.

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