Fakt oder Fake? TV-Boulevardjournalismus unter der Lupe


Wahrheit oder Fälschung – nicht immer leicht zu trennen, speziell nicht in den so genannten Infotainment-Sendungen im TV, wie die Studie von Julia Morgenthaler, M. A. zeigt, die jetzt als Buch erschienen ist.

Fakt oder Fake?
Vom schmalen Grat zwischen Realität und Fälschung
Fernsehjournalismus kritisch betrachtet – jetzt als Buch

Facts oder Fiction – nicht immer leicht zu trennen, insbesondere dann nicht, wenn es um Boulevardmagazine im Fernsehen geht. Der Wunsch nach wahrer Berichterstattung muss heute oft dem Zwang zu sensationellen Bildern weichen. Warum das so ist, untersuchte Julia Morgenthaler, M. A. in "Facts oder Fiction? Eine Kommunikatorstudie zu den Determinanten für Fakes in Fernseh-Boulevardmagazinen“, die nun unter diesem Titel im Bochumer Universitätsverlag erschienen ist. Die Untersuchung bildet den Auftakt der neuen Publikationsreihe "Kommunkationsforschung Aktuell“, die Prof. Dr. Franz R. Stuke (Sektion für Publizistik und Kommunikation der RUB) im Universitätsverlag herausgibt.

Anfälliges „Infotainment“

Schuld an der steigenden Zahl von Fälschungen im TV sind unter anderem finanzielle Zwänge. Ausgerichtet an ökonomischen Kriterien leiden publizistische Inhalte – Rundfunkanbieter und Journalisten vernachlässigen professionelle, ethische und rechtliche Standards des Journalismus. Diese Entwicklung gipfelt in Programmformen des „Infotainment“, die Anfang der 90er Jahre entstanden sind und sich durch Oberflächlichkeit in der Informationsvermittlung und Sensationsdarstellung der Nachrichten auszeichnen. Stets auf der Suche nach spektakulären Beiträgen, sind diese Sendungen für Fälschungen besonders anfällig.

Sensationelle Bilder um jeden Preis

Was ein „Fake“ ist und wie eng die Gratwanderung zwischen Realität, Fiktion und Täuschung sein kann, beleuchtet Morgenthaler in ihrer Untersuchung. Anhand des Fallbeispiels Michael Born zeigt sie, dass Fälschungen hauptsächlich auf zwei Gruppen von Journalisten zurückzuführen sind: freie Produzenten und die verantwortlichen Redakteure der Sender. Um ihre Ergebnisse zu belegen, befragte sie diejenigen, die es wissen müssen – sechs Journalisten verschiedener Handlungsebenen von Boulevardmagazinen aus dem Vorabendprogramm. Und sie bestätigen die Vermutung: Hauptsache, die Quote stimmt. Für sensationelle Bilder schrecken Journalisten selbst bei schlimmsten Schicksalsschlägen nicht davor zurück, die Privatsphäre der Betroffenen zu verletzen.

Die Existenzangst der Produzenten

Und auch die Abhängigkeit der Produktionsfirmen von den Boulevardredaktionen ist eminent. Deren Vorgaben sind so zwingend, dass den Produzenten nichts anderes übrigbleibt, als sich zu fügen. Was nicht ins Konzept passt, wird auch nicht gesendet. Unter diesem Druck nehmen sie es mit ethischen Prinzipien nicht so genau. In der Befragung berichten sie sogar von eigenen Beiträgen, in denen sie von der Wahrheit abgewichen sind und die Realität „aufgebauscht“ haben.

Titelaufnahme

Morgenthaler, Julia: Facts oder Fiction? Eine Kommunikatorstudie zu den Determinanten für Fakes in Fernseh-Boulevardmagazinen. Kommunikationsforschung Aktuell, Bd. 1. Bochumer Universitätsverlag, 2000. 243 S., DM 29,00. ISBN: 3-934453-05-8

Weitere Informationen

Julia Morgenthaler, M.A., eMail: julia.morgenthaler@gmx.de;
Prof. Dr. Franz R. Stuke, Sektion für Publizistik und Kommunikation der RUB, GA 1/138, Tel. 0234/32-22131, Fax: 0234/32-14431, eMail: franz.r.stuke@ruhr-uni-bochum.de;
Bochumer Universitätsverlag GmbH, Universitätsstr. 140, 44799 Bochum, Tel.: 0234/97191, Fax: 0234/707780, eMail: info@BoU.de; Internet: http://BoU.de

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Dr. Josef König

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