"Hobbit" hilft bei der Sturzvermeidung

Das Haus der Barmherzigkeit (HB) und die TU Wien haben heute, Donnerstag, mit den ersten Prototypen des Pflegeroboters „Hobbit“ präsentiert, der als mobiler Heimassistent älteren Menschen mehr Lebensqualität und Unabhängigkeit sichern soll. Er ist insbesondere darauf angelegt, das Sturzrisiko in den eigenen vier Wänden zu minimieren und im Notfall automatisch Hilfe zu rufen.

„Die häufigsten Gründe für Heimeinweisungen sind die Angst vor Stürzen beziehungsweise deren Folgen“, erklärt Projektinitiator und HB-Institutsdirektor Christoph Gisinger den Hintergrund der Entwicklung. Damit der Hobbit http://hobbit-project.eu wirklich breite Anwendung finden kann, strebt das Team, dem auch internationale Partner angehören, für den Pflegeroboter letztlich einen Preis von unter 5.000 Euro an.

Unabhängigkeit statt Kosten

Gerade ältere Menschen erleiden oft Stürze, die ihre Lebensqualität zeitweilig oder dauerhaft mindern und zudem für die Allgemeinheit teuer sind. „International sind sechs Prozent der Gesundheitskosten auf Sturzfolgen von Seniorinnen und Senioren zurückzuführen“, so Gisinger. Ein großes Problem sind zusätzliche Komplikationen, die oft dadurch entstehen, dass Sturzopfer länger unentdeckt bleiben und verspätet medizinische Hilfe bekommen. Bisherige Hilfsmittel zur Sturzerkennung stoßen aber auf wenig Akzeptanz, da sie entweder eine aufwendige Installation oder ein am Körper getragenes Gerät erfordern.

Der Roboter Hobbit soll Abhilfe schaffen, laut Gisinger als „ein Gerät, das man einfach kauft wie einen Staubsauger und das nicht mehr benötigt als eine Steckdose zum Aufladen“. Bei der Entwicklung wurde die Zielgruppe von Anfang an mit einbezogen, um wirklich ihren realen Bedürfnissen zu entsprechen. „Das steigert die Akzeptanz“, betont Alexandra Schmid, Leiterin der HB-Akademie für Altersforschung. So hat sich zum Beispiel gezeigt, dass Senioren, aber auch Betreuungspersonen eine annähernd humanoide Form mit Gesicht bevorzugen und auch, dass für die Außenhülle eher kuschelige Materialien sinnvoll sind.

Ausbaubar vielseitig

Schon die in einer wohnungsähnlichen Umgebung getesten ersten Prototypen sind vielseitig. So können Benutzer den Hobbit per Touchscreen, Sprachbefehl oder auch über Gesten steuern. „Letztere sind momentan noch sehr einfach“, sagt Projektkoordinator Markus Vincze von der TU Wien. In einer Demonstration hat das Team gezeigt, wie der Roboter dank Greifarm Gegenstände vom Boden aufhebt. „Zur Vermeidung von Stürzen sollte der Boden in der Wohnung immer aufgeräumt sein“, betont Vincze. Da der eigentliche Greifer leicht flexibel ist, kann er dabei auch zerbrechliche Objekte wie Tassen anfassen.

Der Roboter ist in der Lage, wichtige Gegenstände wie den Schlüsselbund des Nutzers durch 3D-Scan zu erlernen, um ihn dann auf Aufforderung hin zu suchen. Hier zeigt sich, dass es noch viel Verbesserungspotenzial gibt. Denn der aktuelle Greifarm kann zwar Objekte vom Boden und von Tischen holen, aber nicht von höheren Regalen – was für Senioren auch sehr hilfreich wäre. Damit der Hobbit kein reines Werkzeug ist, sondern wirklich ein Begleiter, bietet er aber auch diverse Zusatzfunktionen wie Unterhaltung durch Musik, Videos oder Spiele sowie Internetzugriff.

Hilfe wenn nötig, nicht nur für Senioren

Natürlich können Nutzer mit dem Pflegeroboter auch telefonieren – immerhin muss er in der Lage sein, bei Bedarf auch wirklich Hilfe zu rufen. Mittels Bildverarbeitungstechnologie Technologie des Projektpartners Foundation for Research and Technology Hellas http://www.forth.gr soll er erkennen, ob der Benutzer gestürzt ist. Gisinger betont, dass der Hobbit zur Vermeidung von Fehlalarmen praktisch nachfragt und der User zu verstehen geben kann, dass er eigentlich keine Hilfe braucht. Noch in Arbeit ist laut Vincze, dass der Roboter seinen Benutzer auch aktiv sucht, wenn er nicht zu sehen ist.

Den ersten Tests in Wien werden nun weitere in Griechenland sowie an der Universität Lund http://www.lunduniversity.lu.se folgen. Dabei stehen zwar insbesondere Nutzer über 70 Jahren im Vordergrund, doch könnten von der Entwicklung auch andere Risikogruppen wie beispielsweise Cerebralparetiker profitieren. „Alarm- und Alltagsnutzen sind ja unabhängig vom Alter“, betont Gisinger gegenüber pressetext. Abzuwarten bleibt, ob der Hobbit letztlich auch gleich als Gehhilfe wird dienen können – bei den bisherigen Prototypen hat man darauf aus Kostengründen verzichtet.

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Thomas Pichler pressetext.redaktion

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