Hallesche Projektgruppe erforscht Prionenerkrankungen bei Mensch und Tier

Am 18. Juli 2001, 11:00 Uhr, wird im Anhalter Zimmer des Universitätsgebäudes „Burse zur Tulpe“, Universitätsring 5, Halle/Saale, im Rahmen eines Pressegespräches das Forschungsverbundprojekt „Ursachen und Folgen der Transmissiblen Spongiformen Enzephalopathien (TSE)“ vorgestellt. Dazu sind alle interessierten Medienvertreter herzlich eingeladen.

Unter dem Fachbegriff „Transmissible Spongiforme Enzephalopathien“ sind die übertragbaren Gehirnerkrankungen bei Mensch und Tieren zusammengefasst, zu denen BSE bei Rindern, die Creutzfeldt-Jacob-Krankeit beim Menschen oder die Scrapie bei Schafen gehören. Die Entstehung und Übertragung dieser Gehirnerkrankungen – dabei verändert sich das Gehirn in schwammartiger Weise – wirft bislang zahlreiche unbeantwortete Fragen auf. Es handelt sich um eine neuartige Krankheitsursache, unter Beteiligung von Prionen, deren Aufklärung einen hohen Forschungsbedarf erfordert.
Hier will sich die hallesche Wissenschaft mit dem eingangs genannten Verbundprojekt einbringen, das aus 10 Einzelprojekten besteht. Beteiligt sind vier Institute der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Biotechnologie, Biochemie, Medizinische Mikrobiologie, Tierhygiene) und die Max-Planck-Forschungsstelle für Enzymologie und Proteinfaltung, die jeweils mit weiteren Institutionen landes- und bundesweit interdisziplinär kooperieren.

Im Projektverbund werden Fragestellungen der Grundlagenwissenschaften (z. B. Proteinfaltung, Prionentransport und -anreicherung, TSE-assoziierte-Gene) und der angewandten Wissenschaften (z. B. Frühdiagnostik der TSE bei Mensch und Rind, TSE-Mausmodelle, Scrapie-Resistenz beim Schaf) bearbeitet und miteinander vernetzt. Koordinator des Projektes ist der Veterinärmediziner Prof. Dr. Hartwig Prange vom Institut für Tierzucht und Tierhaltung mit Tierklinik an der Landwirtschaftlichen Fakultät der halleschen Universität. Der Wissenschaftler ist mit mehreren Stellungnahmen zum BSE-Problem an die Öffentlichkeit getreten und hat das legendäre Rindfleischessen in dem bekannten halleschen Wirtshaus „Zum Schad“ initiiert.
(Eine Stellungnahme zum BSE-Problem ist unter der Internetadresse http://www.verwaltung.uni-halle.de/dezern1/presse/aktuell/2bse.pdf nachzulesen.)

„Die BSE-Hysterie ist in unserer Gesellschaft abgeklungen, so dass ein sachgerechter Umgang mit dieser Rinderkrankheit möglich wird, der sich unter anderem durch die sogenannte Kohortentötung bei einem BSE-Fall anstelle der anfänglichen Herdentötung niederschlägt. In Zukunft ist mit einer Reglementierung des erkrankten Einzeltieres zu rechnen, sofern die Fallzahlen der nicht von Tier zu Tier übertragbaren Krankheit noch geringer werden“ erklärt Prof. Prange. In Deutschland seien inzwischen über 900.000 Rinder – so viele wie in keinem anderen Land – getestet worden. Dabei habe es unter rund 35.000 gesunden Schlachtrindern im Durchschnitt einen BSE-Fall gegeben. Dazu der Veterinärmediziner weiter: „Die BSE ist somit in den Rinderbeständen gering verbreitet, für den Menschen besteht angesichts der umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen praktisch keine Gefährdung. Die getroffenen Schutzmaßnahmen sind sehr teuer und stellen eine hohe volkswirtschaftliche Belastung dar.“

Das Land Sachsen-Anhalt will innerhalb des Verbundes positiv beurteilte Projekte nach deren Begutachtung fördern. Mit der Finanzierung ist ab dem Jahre 2002 bei einer Laufzeit von drei Jahren zu rechnen; sie soll Qualifikationen junger Wissenschaftler ermöglichen.

Prof. Dr. Hartwig Prange, Ingrid Godenrath

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Hartwig Prange
Tel.:. (0345) 55 250 00
Fax: (0345) 55 271 05
E-Mail: prange@landw.uni-halle.de

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Ingrid Godenrath idw

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