Infraschall warnt Piloten vor Vulkanasche

Ätna-Aschewolke: Partikel bald von Bord aus messbar (Foto: Flickr/Gnuckx)<br>

Um Piloten in der Luft mehr Klarheit bei Vulkanausbrüchen zu geben, wollen Forscher Flugzeuge künftig mit einem Frühwarnsystem für Aschepartikel ausstatten.

Ein derartiges Konzept testet derzeit das Florida Institute of Technology. „Die Möglichkeiten der Partikelerkennung werden sich in den kommenden Jahren deutlich bessern. Für ein taugliches System ist jedoch noch viel Forschung nötig“, so Flugingenieur Helmuth Eggeling vom Büro Crew Management Dienstleistungen im pressetext-Interview.

Infraschall oder Laser

Der US-Ansatz basiert auf der Analyse von Vulkanausbrüchen mittels Infraschall. Er untersucht die spezifische Signatur der Eruption und bestimmt die Art und Dichte der Partikel in den freigesetzten Gasen. Auf ähnliche Weise können laut Forschungsleiter Fredric Ham auch Partikel bestimmt werden, die von Tsunamis, Meteroreinschläge oder Lawinen generiert werden sowie atmosphärische Turbulenzen über Bergketten.

Ähnlich operiert bisher der norwegische Anbieter Nicarnica http://www.nicarnica.com , dessen System Aschepartikel vom Boden oder aus der Luft per Infrarot-Laser erkennt. Zwei Infrarot-Kameras am Heck des Flugzeugs warnen 100 Kilometer vor einer Aschewolke vor der Gefahr – und geben somit dem Piloten im Ernstfall fünf Minuten Zeit zur Reaktion.

Entscheidungshilfe in der Luft

Eggeling begrüßt die Vorschläge und erklärt ihre Relevanz: „Problematisch ist die Situation für den Piloten besonders, wenn die Partikeldichte zwischen zwei und vier Milligramm pro Kubikmeter beträgt. Der Flugraum ist dann zwar gesperrt, doch man überlässt den Fluggesellschaften eine Grauzone, bei der die Triebwerke-Hersteller über die Durchführung des Fluges mitbestimmen“, so der Experte. Gerade in dieser Situation könnten Systeme zur Partikelbestimmung an Bord bei der Risikoabschätzung helfen.

Ständige Gefahr
Die Gefahr von Aschepartikeln für den Flugverkehr ist kaum zu unterschätzen: Sie können Cockpitscheiben zerkratzen, die Funktion der Düsentriebwerke beeinträchtigen und somit das Absturzrisiko erhöhen. Europa nahm das Problem nach den Ausbrüchen der isländischen Vulkane Eyjafjallajökull im Vorjahr (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/20100416017 ) sowie Grimsvötn (2011) deutlich wahr.

„Außergewöhnlich war bei den jüngsten isländischen Ausbrüchen jedoch nur, dass sie Wolken im stark befahrenen Luftraum freisetzten“, so Eggeling. Denn grundsätzlich kann fast jeder Vulkanausbruch zu ähnlichen Situationen führen, wie Flugausfälle und Flughafenschließungen in Argentinien und Sizilien im Oktober 2011 zeigen.

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Johannes Pernsteiner pressetext.redaktion

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