Damit der Euro rollt

In wenigen Tagen ist es so weit: Der Euro ist unser neues Zahlungsmittel. Hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, damit die Währungsumstellung reibungslos funktioniert. Für den sicheren Transport der Geldstücke in Holzcontainern, fälschungssichere Münzerkennung und Bankautomaten zur Einzahlung der neuen Geldscheine sorgen Fraunhofer-Forscher.

Schweres Hartgeld unterwegs in Holzcontainern

In Dosen, Flaschen, Eimern oder anderen wunderlichen Behältern bringen die Bundesbürger ihr »altes« Geld zu den Schaltern der Banken. Doch dort gibt es nicht genügend Platz, um die Mengen an funkelnagelneuen Euro-Münzen und alten Mark- und Pfennigstücken zu lagern. Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML hat gemeinsam mit Verpackungsfirmen eine Lösung für dieses Problem gefunden: zusammenklappbare Container, die für die Lieferung und Sammlung der Geldstücke bereitstehen. Mit einer ausgeklügelten Falttechnik können die Wände von Sperrholzkisten einfach und schnell auseinandergeklappt werden. Fertig aufgebaut ist der »Euro-Coin-Container« ECC 80 x 60 x 71 cm groß. In diese mit umlaufenden Metallrahmen verstärkte Holzkiste passen bis zu 700 kg Münzgeld. Fünffach gestapelt lastet auf dem untersten Container ein Gewicht von 5,6 Tonnen – ohne dass er bricht. Der Lagerraum in Banken und die Transportfläche von Lkws können so optimal genutzt werden.

Bevor die Bundesbank 124 000 Container in Auftrag gegeben hat, mussten die Kisten im IML umfangreiche Prüfungen bestehen, damit sie nicht unterwegs platzen und zum Beispiel 150 000 Euro in Form von 5-Euro-Münzen Passanten vor die Füße rollen. Deshalb simulierten die Ingenieure des Verpackungsprüflabors unter anderem Lkw-Fahrten mit Notbremsungen, Transporte und Unfälle mit Gabelstaplern. Die Behälter wurden dann so konstruiert, dass sie selbst diese Härtetests bestehen. Der TÜV Rheinland hat den ECC mit dem GS-Zeichen für »Geprüfte Sicherheit« ausgezeichnet.

Falsche Münzen digital erkennen

Ein weiteres großes Problem ist die Fälschungssicherheit der neuen Währung. Die Hologramme, Wasserzeichen, Sicherheitsfäden und fühlbaren Schriftzüge der Euro-Scheine sind sehr augenfällig. Ebenso signifikant ist auch das Hartgeld mit seinen robusten und silbrig glänzenden Kupfer-Nickel-Legierungen, dem Aufbau der Münze aus verschiedenen Metallen oder ihrem geprägten Rand mit Ring. Nicht nur Kassiererinnen sollten die Echtheit der Scheine und Münzen durch Augenschein einfach prüfen können, sondern auch Geld- oder Zigarettenautomaten. Die herkömmlichen Automaten verfügen bisher nur über eine einfache Sensorik, die Gewicht, Umfang und Durchmesser erfasst. Das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK in Berlin entwickelt zur Zeit eine Software, die fremde oder gefälschte Münzen visuell durch digitale Bildverarbeitung erkennt.

Ein Minicomputer mit der neuen Software prüft die Farbe des Geldes, die Lesbarkeit der Wappen, die Kanten der Münze sowie mechanische Beschädigungen, etwa Löcher oder Verformung, Rost und Schmutz des Geldstücks, bevor der Automat das Ticket ausgibt. »Um die Echtheit zu überprüfen, müssen wir die eingeprägten Bereiche analysieren können, selbst während sich die Münze dreht. Die Konturen, beispielsweise von Ziffern oder der Jahreszahl des Geldes, sieht der Computer blitzschnell wie einen Stempelabdruck, den er mit gespeicherten Mustern vergleichen kann«, umschreibt Mario Köppen, Projektleiter am IPK, die neue Methode, die noch in der Entwicklungsphase steckt. Nach Einschätzung von Dr. Bertram Nickolay, Leiter der Abteilung »Sicherheitstechnische Systeme«, muss »das digitale Erkennungssystem sehr schnell die Ergebnisse analysieren können, da die Münze frei fällt. Und es muss sehr robust sein, da viele Automaten im Freien stehen und jeder Witterung ausgesetzt sind.« Das computergesteuerte »Argusauge« mit eigener Stromversorgung muss so klein sein, dass es in jeden Automaten oder in Parkuhren passt. Erst dann kann das neue System in Serienproduktion gehen.

Bankeinzahlung bei Tag und Nacht

Bereits 700 Geldautomaten stehen für Einzahlungen rund um die Uhr bereit. Sie akzeptieren nur Geldscheine, prüfen diese und schreiben die eingezahlte Summe dem Bankkonto des Einzahlers gut. Diese dem Schalterraum ausgelagerten Einzahlungskassen sind vielen Einzelhändlern oder Gastronomen sehr willkommen, da sie außerhalb der Geschäftszeiten zur Verfügung stehen. Der Automat streikt allerdings, wenn Fremdkörper wie Büroklammern oder Münzen mit den Scheinen eingeführt werden. Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren IZFP in Saarbrücken haben speziell für solche Einzahlungsautomaten ein System entwickelt, das Metall erkennt. Statt mit einem unfreundlichen »außer Betrieb« den Geldtransfer abzubrechen, empfiehlt die Schrift im Display die Entfernung störender Teile im Einzahlungsfach. Stehen dem Eingabefach wieder ausschließlich Banknoten zur Verfügung – bis zu 400 Scheine sind möglich -, setzt der Automat den Vorgang fort.

Mehrfach gewundene Spulenwickel (Wirbelstromsensoren) fahnden nach störenden Metallen. Sobald Strom durch den Draht fließt, entsteht ein Magnetfeld, das sich über das ganze Fach erstreckt. »Befindet sich ein Metallstück im Fach, kommt es zu einer Wechselwirkung zwischen Magnetfeld und Metall«, erläutert Rainer Becker, Projektleiter am IZFP. »Die magnetische Energie erzeugt im Metallstück Wärme. Dem Magnetfeld geht quasi Energie verloren. Das führt zu winzigen Spannungsschwankungen.« Die Spulen registrieren die Unregelmäßigkeiten und lösen die Warnmeldung auf dem Bildschirm aus. Die Entwicklungen der Fraunhofer-Forscher helfen, dass der Euro pünktlich ab dem 1. Januar 2002 rollt.

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Ralf Neuhaus Presseinformation

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