Fuzzy Logik kann auch bei Personenfahndung helfen

Ob es um die normale Rasur am Morgen geht oder mehr Power für den Drei-Tage-Bart benötigt wird, findet der Fuzzy-Rasierapparat in Sekundenschnelle heraus. Immer dann, wenn wechselnde und unpräzise Vorgaben maschinell zu verarbeiten sind, sucht die „Logik“ der Fuzzy-Programme im Computer nicht die (nicht mögliche) einzig richtige Lösung, sondern die wahrscheinliche und optimale. Anwendungsgebiete reichen von den „intelligenten“ Haushaltsgeräten bis in die Bilderkennung bei der Verbrechensbekämpfung.

Prof. Dr. Bernd Reusch, Initiator und Leiter der nunmehr 7. Dortmunder Fuzzy-Tage, bekommt von seinen Gästen dickes Lob. Für Professor Janusz Kacprzyk aus Warschau führt der Weg der Entwicklungen, die zuerst in Japan vorangetrieben wurden, mit vielen Facetten nach Europa und insbesondere nach Dortmund. Der Verfasser vieler Standard-Werke zur Fuzzy-Logik sieht am Lehrstuhl I der Dortmunder Informatik, die wichtigste „Schule“ dieser anwendungsbezogenen Wissenschaft. Professor Reusch habe viele junge Fachleute um sich versammelt. Und seine Fuzzy-Tage sind internationale Konferenzen von hohem Rang.

Prof. Dr. Lázló T. Kóczy aus Budapest ist dabei ständiger Gast. Er verdeutlicht im Pressegespräch, wo die wichtigsten Anwendungsgebiete der Fuzzy-Logik liegen. Besonders viele Erfolge gibt es im Bereich der Regelungstechnik, angefangen von Waschmaschinen und Staubsaugern, die dem Schmutz mit variabler Kraft zu Leibe rücken, bis hin zu Klärwerken und Tunnelbelüftungen, die ihre Arbeitsleistung immer rasch den jeweils wechselnden Bedingungen anpassen.

Vorhersagen in unsicheren Tagen

Gerade in den gegenwärtigen Tagen verschärfter Fahndungen lassen Fuzzy-Programme zur Bildverarbeitung aufhorchen: Sie sind, so Kóczy, in der Lage, Gesichter auch nach kosmetischen Veränderungen wieder zu erkennen.

Fraglich bleibt, wieweit die Fuzzy-Logik in den Bereich von Vorhersagen eindringen kann, die von Tausenden unklarer Voraussetzungen beeinflusst werden: Börsenkurse, Wechselkurse, medizinische Prognosen. Deutlich ist, dass Maschinen die unscharfen Bedingungen schneller Verarbeiten können als die Mehrzahl der Analysten, vermessen erscheint indes, dass am Ende jede Entwicklung berechenbar ist.

Ziel aber ist, aus wenig klaren Vorgaben doch viele Informationen zu gewinnen. Professor Koczy vergleicht das mit der menschlichen Kommunikation, die in Fuzzy-Technologie simuliert wird: Mit einander vertraute Menschen benötigen oft nur sehr wenige Worte, haben Vorerfahrung, erraten Intentionen mit großer Treffsicherheit – können sich allerdings auch täuschen.

Der Namhafteste unter den ständigen Gästen der Fuzzy-Tage ist Prof. Dr. Lotfi Zadeh aus dem US-amerikanischen Berkeley. Er gilt seit Mitte der 60-er Jahre als „Vater der Fuzzy-Logik“, entwi-ckelte damals das grundlegende Konzept. Er nennt Reusch einen Mann mit Vision und Initiative, der vor allem in unterschiedlichen Anwendungsgebieten viele Anstöße gebe.

Damit gießt der Wissenschaftler Wasser auf die Mühle von Dr. Utz Ingo Küpper, Chef der Dortmunder Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung. Er sieht die Fuzzy-Logik als wichtige wissenschaftliche Disziplin, die in den drei großen Führungsbranchen der Dortmunder Wirtschaft eine wichtige Rolle spielt, in der Informationstechnologie, der Microsystemtechnik und der Logistik.

Gäste aus 29 Nationen

Prof. Reusch kann so schon zu Beginn der Fuzzy-Tage eine gute Bilanz ziehen. Ungewöhnlich ist, dass für eine wissenschaftlichen Tagung 130 Vorträge angeboten sind und die 55 wichtigsten ausgewählt werden können. Die Sprecher wie die Hörenden kommen aus 29 Nationen.

Apropos Hören. Zu den neuen Entwicklungen gehören Fuzzy-Programme zur Individualisierung von Hörgeräten. Für jeden Schwerhörigen sollen sich die Geräte der Zukunft auf Höchstleistung einstellen.

Ein Mitarbeiter von Professor Reusch hat soeben einen Preis für eine Gründungsidee bekommen: Er will mit Fuzzy Logik den Geräuschen von Pumpen lauschen, um den Zeitpunkt möglicher Schäden zu hören. Maschinisten alter Schule, die das noch mit eigenen Ohren konnten, sind nicht mehr vorhanden.

Nähere Information:
Prof. Dr. Bernd Reusch, Uni Dortmund, Lehrstuhl Informatik I, Ruf 0231-755-6223, E-Mail: lippe@ls1.cs.uni-dortmund.de

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Klaus Commer idw

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