UNIK entwickelt rechtssichere elektronische Dokumente

Die Universität Kassel bearbeitet den rechtwissenschaftlichen Teil eines Forschungs- und Entwicklungsprojekts, dessen Ziel es ist, Verfahren zu entwickeln, mit denen die Rechts- und Beweissicherheit elektronischer Dokumente sichergestellt werden kann.

„Derzeit benutzen etwa Architekten vielleicht hundert verschiedene elektronische Formate für ihre Pläne, Baubehörden können aber nur zwei oder drei Formate verarbeiten“ sagt Professor Alexander Roßnagel, der das Projekt an der Universität Kassel leitet. „Bei der Transformation der elektronischen Dokumente geht jedoch die elektronische Signatur verloren und damit die Prüfbarkeit des Dokuments hinsichtlich seiner Unverfälschtheit und Herkunft. Bei der Transformation handelt sich um ein Grundlagenproblem des elektronischen Geschäftsverkehrs und der elektronischen Verwaltung.“ Ähnliche Transformationsprobleme ergeben sich, wenn die Lesbarkeit des elektronischen Dokuments trotz vielfachen Versionenwechsels sichergestellt, das Dokument in ein elektronisches Archiv eingestellt oder eine Papierurkunde in ein elektronisches Dokument transformiert werden soll. Da die Zahl der Datenformate stetig ansteigt, ist die Rechtssicherheit in diesem Bereich zunehmend gefährdet. Ziel des auf 30 Monate angelegten Projekts „Rechtssichere Transformation signierter Dokumente (TransiDoc)“ ist es deshalb, Lösungen zu ermöglichen, die digitale Daten zum vollständigen Ersatz von Papierdokumenten machen und den Beweiswert elektronischer Akten auf Dauer sicherstellen.

Mit einer Auftaktveranstaltung im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit startete das vom Ministerium geförderte Projekt TransiDoc am 9.11.2004. Anwendung finden sollen die Projekt-ergebnisse zum Beispiel in der Medizin bei der Digitalisierung von Patientenakten, der elektronischen Antragsbearbeitung in der öffentlichen Verwaltung oder im Arbeitsumfeld von Notaren und Rechtsanwälten. Entsprechend gehören Fachleute der einzelnen Bereiche zu den Projekt-partnern: Beteiligt sind das Zentrum für Infomations- und Medizintechnik des Uni-Klinikums Heidelberg (ZIM), Intercomponentenware AG (ICW), curiavant Internet GmbH, die Projektgruppe verfassungsverträgliche Technikgestaltung an der Universität Kassel (provet) sowie die Bundes-notarkammer. Konsortialführer ist das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnik (SIT) in Darmstadt.

In einem interdisziplinären Ansatz erarbeiten die Projektpartner dazu gemeinsam nicht nur technische, sondern auch organisatorische Lösungsvorschläge. In einem zweiten Schritt sollen dann Werkzeuge zur Erzeugung, Bearbeitung und Prüfungen von Lösungen entstehen. Leitgedanke ist dabei die Entwicklung eines „Transformationssiegels“ für elektronische Daten. Anhand dieses Siegels sollen spätere Gutachter wie bei einer Beglaubigung genau nachvollziehen kön-nen, was wann wie mit dem Dokument geschah. Zur Sicherstellung der Rechtssicherheit ist die Überprüfung der Projektergebnisse in Form einer von provet entwickelten Simulationsstudie geplant, in der Richter und Rechtsanwälte in Beispielprozessen mit transformierten elektronischen Dokumenten arbeiten. Erste Software-Ergebnisse werden 2006 erwartet.

Media Contact

Stefanie Fischer-Dieskau Universität Kassel

Weitere Informationen:

http://www.uni-kassel.de

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