Wenn der Arbeitnehmer seine klassische Rolle verliert…

Bremer Arbeitspsychologen untersuchen Folgen von Kontraktmanagement

Vollzeitbeschäftigung ist nicht mehr selbstverständlich. Für viele Beschäftigte gelten heute keine regulären Arbeitsbedingungen mehr – mit erheblichen Auswirkungen auf die Lebensorganisation. Die traditionelle Trennung von Arbeit und Freizeit, Arbeitsort und Wohnort, Privatleben und Berufsleben löst sich mehr und mehr auf. Die Anforderungen an Flexibilität, Mobilität, Verantwortung und unternehmerische Eigeninitiative nehmen zu, auch in öffentlichen Institutionen. Der Wandel in Organisationen wirkt auf alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wenn auch individuell ganz unterschiedlich. Besonders im öffentlichen Bereich werden infolge staatlicher Sparmaßnahmen privatwirtschaftliche Steuerungsinstrumente eingesetzt. Dazu gehört das Kontraktmanagement. Es ersetzt die permanente Kontrolle der Arbeitsleistung durch die Vereinbarung von Zielen. Welche Auswirkungen hat das Kontraktmanagement für die Institution und für den Einzelnen? In einem arbeitspsychologischen Forschungsprojekt unter der Leitung von Professorin Birgit Volmerg aus dem Studiengang Psychologie der Universität Bremen wird diese Frage untersucht.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Institut für Psychologie und Sozialforschung gehen der Frage nach, inwieweit sich über Kontraktmanagement eine Ökonomisierung und Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse herstellt. Zugleich wird evaluiert, ob auch neue Formen von Selbstverantwortung und Motivation in den Arbeitsbeziehungen entstehen. Dazu erarbeitet das Forschungsteam Fallstudien in klassischen Kultureinrichtungen. Diese stehen in Zeiten knapper öffentlicher Haushalte vor der Herausforderung, Einnahmen selbst zu erwirtschaften, vermehrt Sponsorengelder einzuwerben und ehrenamtliches Engagement zu stärken.

Eine erste Analyse der Gespräche mit Experten zeigt, dass die Chancen moderner Steuerungsinstrumente im Sinne einer stärkeren Eigenverantwortung im Prinzip begrüßt werden. Die Praxis zeichne sich jedoch vor allem durch einen erheblich gestiegenen Verwaltungsaufwand aus. Eine echte Eigenständigkeit sei nach wie vor nicht gegeben, und das Kontraktmanagement schaffe nicht die strukturellen Voraussetzungen, damit die Kultureinrichtungen wirtschaftlich arbeiten können. Nicht zuletzt, so die Meinung, könne Kultur auch nicht ausschließlich unter ökonomischen Gesichtspunkten bewertet werden.

Das Forschungsprojekt der Universität Bremen ist Teil eines interdisziplinären Verbunds, der den tiefgreifenden Wandel in der Arbeitswelt aus der Perspektive unterschiedlicher Fachdisziplinen erforscht. Neben den arbeitspsychologischen Aspekten des Rahmenthemas „Grenzen der Entgrenzung von Arbeit“ werden betriebswirtschaftliche, arbeitsrechtliche und arbeitssoziologische Fragestellungen sowie Fragen der Frauenforschung bearbeitet. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Förderschwerpunkt „Zukunftsfähige Arbeitsforschung“ gefördert.

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Fachbereich Human- und Gesundheitswissenschaften
Studiengang Psychologie
Institut für Psychologie und Sozialforschung
Prof. Dr. Birgit Volmerg
Dr. Sabine Mader
Dipl.-Psych. Just Mields
Tel.: 0421 / 218-2149

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Angelika Rockel idw

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