Engpass bei mittelgroßen Forschungsschiffen

Die vom Wissenschaftsrat abgegebenen Empfehlungen zur Zukunft der deutschen Forschungsflotte stößt beim Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) auf Unverständnis.

Das Gutachten empfiehlt zwar die Erneuerung der Forschungsschiffe POLARSTERN und METEOR, lässt allerdings die Zukunft des schon 34 Jahre alten Forschungsschiffes POSEIDON offen, das für die deutsche Meeresforschung in den europäischen Randmeeren von elementarer Bedeutung ist.

Ein vom Bundesforschungsministerium beim Wissenschaftsrat in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass insbesondere im Bereich der Polarforschung erweiterte Schiffskapazitäten bereit gestellt werden müssen und empfiehlt den Parallelbetrieb von zwei Forschungseisbrechern. Ferner wird auch die zukünftige Erneuerung der 24 Jahre alten METEOR empfohlen. Die Zukunft des mehr als 34 Jahre alten Kieler Forschungsschiffes POSEIDON bleibt allerdings offen.

„Gerade die mittelgroßen hochseegängigen Schiffe, wie die POSEIDON, sind von ihrer Flexibilität und ihrem guten Kosten-Nutzen-Faktor her ein unverzichtbares Element für die deutsche Meeresforschung“, äußert sich der Direktor des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR), Professor Peter Herzig. „Hier hatten wir vom Wissenschaftsrat klare Signale für die Ersatzbeschaffung der POSEIDON erwartet“, so Herzig weiter. Die in den europäischen Randmeeren operierende POSEIDON ist den steigenden Anforderungen der modernen Meeresforschung nicht mehr gewachsen. Rein konstruktiv sind die Einsatzmöglichkeiten von Großgeräten sehr beschränkt, da das Schiff nicht über ausreichende Containerstellplätze, Krankapazität sowie ein dynamisches Positionierungssystem verfügt.

Neben der MARIA S. MERIAN ist die POSEIDON das einzige verbleibende Schiff, das im gesamten Nordatlantik und seinen Randmeeren operiert, einem Hauptarbeitsgebiet der deutschen Meeresforscher. „Hier laufen wir mittelfristig in einen Kapazitätsengpass, zumal in den vergangenen Jahren mit VALDIVIA und ALEXANDER VON HUMBOLDT zwei Schiffe dieser Klasse stillgelegt wurden“, so Professor Herzig. „Wir müssen jetzt schon Schiffe chartern, um die Bedarfe zu decken, stattdessen spricht der Wissenschaftsrat von Überkapazitäten im Bereich der mittelgroßen Forschungsschiffe“.

Nach Ansicht von Professor Herzig ist die Aussage des Gutachtens gerade für die mittelgroßen Schiffseinheiten nicht schlüssig. „Einerseits wird von Überkapazitäten gesprochen, andererseits mit der nur in der Küstenforschung einsetzbaren SCHWEDENECK ein relativ altes Schiff der Bundesmarine in die Forschungsflotte integriert. Dies hilft uns in der europäischen Randmeerforschung nicht weiter. Insofern sind wir enttäuscht, dass der Wissenschaftsrat hier kein klares Signal gegeben hat, obwohl sich die norddeutschen Bundesländer schon über einen Ersatz der POSEIDON verständigt hatten. Auf der einen Seite wolle man mit der Überführung des IFM-GEOMAR in die Helmholtz Gemeinschaft die Meeresforschung als gesamtstaatliche Aufgabe stärken, andererseits beschneidet man gerade einem ozeanisch orientierten Institut hier die Arbeitsmöglichkeiten“.

Auch die Überlegung, das neue Tiefseeforschungsschiff SONNE, mit dessen Bau in Kürze begonnen wird, nicht am zukünftigen Kieler „Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung“ anzusiedeln, kann Professor Herzig nicht nachvollziehen. „Wir sind allerdings optimistisch, dass das vom Wissenschaftsrat empfohlene ‚Zentrum für Tiefseetechnologien’ an das IFM-GEOMAR kommt“.

„Wir hoffen auf eine konstruktive Diskussion der Empfehlungen des Wissenschaftsrates mit allen Beteiligten, um den Bedürfnissen der gesamten Deutschen Meeresforschung letztendlich gerecht zu werden“, resümiert Herzig.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Peter Herzig, Tel. 0431 600-2800, pherzig@ifm-geomar.de
Dr. Andreas Villwock (Öffentlichkeitsarbeit IFM-GEOMAR), Tel. 0431 600-2802, avillwock@ifm-geomar.de

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Dr. Andreas Villwock idw

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