Eisfreies Grönland hebt sich

Mit dem Abschmelzen der gewaltigen Inlandgletscher in Grönland beginnt sich die Landmasse der größten Insel der Erde nach oben zu heben. Nun haben Forscher der University of Miami festgestellt, dass sich das Land in einer bisher nicht bekannten Geschwindigkeit anhebt. Die Eiskappe Grönlands ist bis zu zwei Kilometer dick.

Grönland steigt um fast 2,5 Zentimeter pro Jahr – und wenn es so weitergeht, könnten es 2025 sogar fünf Zentimeter jährlich sein, berichtet der Geophysiker und Studienautor Tim Dixon von der Rosenstiel School of Marine and Atmospheric Science (RSMAS) im Fachmagazin Nature Geoscience. Die Forscher gehen davon aus, dass das gewaltige Gewicht der Eismassen mit dem Schmelzen abnimmt und sich dadurch die Landmasse hebt.

Landmasse hebt sich immer schneller an

„Es ist seit einigen Jahren bekannt, dass die Klimaerwärmung für das Abschmelzen des Eisschildes in Grönland verantwortlich ist“, so Dixon. „Was jedoch neu ist und was Sorge bereitet, ist die Tatsache, dass das Eis so schnell verschwindet und wir dem Land quasi dabei zusehen können, wie es sich hebt“, so der Forscher. „Was noch mehr überrascht, ist dass sich der Anstieg der Landmasse beschleunigt. Das wiederum deute daraufhin, dass sich auch die Gletscherschmelze beschleunigt.“

„Ähnliche Phänomene haben wir auf Inseln vor Island und in Spitzbergen beobachten können. Auch diese Inseln sind alle von Gletschern bedeckt“, erklärt Studien-Koautor Shimon Wdowinski, der ebenfalls Professor am RSMAS ist. „Während der Eiszeit und in Zeiten der Akkumulierung der Eismassen, drückt die gewaltige Last des Eises die Landmassen nach unten. Lässt der Druck dann nach, hebt sich das Land.“

Eisschmelze und des Meeresanstieg bewiesen

„Unsere Studie bestätigt auch eine Reihe anderer Erwärmungs-Indikatoren und bestätigt damit die Signifikanz der Eisschmelze sowie den Anstieg des Meerespiegels“, so der Forscher. Mithilfe von spezialisierten GPS an der Küste Grönlands konnten die Forscher seit 1995 Daten sammeln und zu ihren Erkenntnissen gelangen.

„Das Abschmelzen des grönländischen Eisschildes wird zum Anstieg des Meeresspiegels definitiv beitragen“, so Studien-Koautor Yan Jiang. Grönland könnte, wenn es zu einer Beschleunigung der Schmelze kommt, bald der größte Verursacher des Meeresspiegelanstiegs werden.

Erdzeitgeschichte kennt Hebungen

„Das grönländische Eisschild ist so groß und massiv, dass es zu einem gewaltigen Herabdrücken der festen Gesteinshülle der Erde – der Lithosphäre – kommt“, so Friedhelm von Blanckenburg vom Deutschen GeoForschungsZentrum http://www.gfz-potsdam.de im pressetext-Interview. „Durch eine Änderung des Schwerefeldes kann es so zu einem Anstieg der Landmasse kommen. Im Laufe der Erdzeitgeschichte hat es immer wieder solche schnellen und massiven Hebungen gegeben“, so der Forscher.

Media Contact

Wolfgang Weitlaner pressetext.austria

Weitere Informationen:

http://www.rsmas.miami.edu

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften

Die Geowissenschaften befassen sich grundlegend mit der Erde und spielen eine tragende Rolle für die Energieversorgung wie die allg. Rohstoffversorgung.

Zu den Geowissenschaften gesellen sich Fächer wie Geologie, Geographie, Geoinformatik, Paläontologie, Mineralogie, Petrographie, Kristallographie, Geophysik, Geodäsie, Glaziologie, Kartographie, Photogrammetrie, Meteorologie und Seismologie, Frühwarnsysteme, Erdbebenforschung und Polarforschung.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Durchleuchten im Nanobereich

Physiker der Universität Jena entwickeln einen der kleinsten Röntgendetektoren der Welt Ein Röntgendetektor kann Röntgenstrahlen, die durch einen Körper hin­durchlaufen und nicht von ihm absorbiert werden, aufnehmen und somit ein…

Wer hat das Licht gestohlen?

Selbstinduzierte ultraschnelle Demagnetisierung limitiert die Streuung von weicher Röntgenstrahlung an magnetischen Proben.   Freie-Elektronen-Röntgenlaser erzeugen extrem intensive und ultrakurze Röntgenblitze, mit deren Hilfe Proben auf der Nanometerskala mit nur einem…

Mediterrane Stadtentwicklung und die Folgen des Meeresspiegelanstiegs

Forschende der Uni Kiel entwickeln auf 100 Meter genaue Zukunftsszenarien für Städte in zehn Ländern im Mittelmeerraum. Die Ausdehnung von Städten in niedrig gelegenen Küstengebieten nimmt schneller zu als in…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close