Innovative Tiefseestation warnt vor Tsunami

Das zum Nationalen Forschungsrat CNR gehörende Istituto di Scienze Marine hat eine innovative Tiefseestation zur Früherkennung von Seebeben vorgestellt. Der zusammen mit dem Istituto Nazionale di Vulcanologia e Geofisica in Rom entwickelte „Geostar“ soll eine rechtzeitige Warnung bei der Entstehung von Tsunamis ermöglichen. „Das Besondere bei dem mit italienischem Know-how entstandenen System sind dessen Sensoren, die direkt mit dem Meeresgrund der gefährdeten Areale verbunden werden“, erläutert Ismar-Direktor und Projektleiter Nevio Zitellini.

Durch die Überwachung der seismologischen Bewegungen und der Druckveränderungen an der darüber liegenden Wassersäule werden Daten ermittelt, die signifikante Aussagen über mögliche Anomalien zulassen. Die Auswertung dieser Datenkombination liefert einen der Schlüssel zur Vorhersage von durch Seebeben hervorgerufenen Tsunamis. „Die bisher in Japan und den Vereinigten Staaten entwickelten Frühwarnsysteme sind für diese Mittelmeerregion nämlich ungeeignet“, so Zitellini.

Positioniert wurde der Geostar im Golf von Cadiz auf einem rund 50 x 100 Kilometer grossen Meeressockel in 3.200 Meter Tiefe durch das CNR-Forschungsschiff „Urania“. Das Gebiet weist für das Monitoringsystem besonders geeignete Bedingungen auf, da der dazugehörige Küstenstreifen im Jahre 1755 Opfer der bis dahin grössten Flutwelle in ganz Europa geworden war. „Außerdem bietet die Nähe zur Küste die richtige realitätsnahe Voraussetzung, um die Bevölkerung innerhalb kürzester Zeit zu warnen und evakuieren zu lassen“, so Zitellini weiter. „Bis zum Eintreffen der Flutwelle auf der Algarve blieben nämlich nur 15 Minuten Zeit.“

Ein weiterer Vorteil des Geostars ist neben seiner umfassenden Instrumentierung auch die Tatsache, dass er vom Land aus gesteuert und programmiert werden kann. Nach Beendigung der Mission wird er von dem „Mobile Docker for Underwater Sciences“ (Modus) zurückgeholt, der eigens zu diesem Zweck an der Technischen Universität Berlin entwickelt wurde.

Das Experiment bildet den ersten Schritt für eine im Golf von Cadiz fest installierte Überwachungsstelle, die als eine der Knotenpunkte für das von der EU-Kommission geplante „European Multidisciplinary Seafloor Oberservatory“ (Emso) genutzt werden soll. Das bis zum Schwarzen Meer reichende Forschungsprojekt „Integrated Oberservations from Near Shore Sources of Tsunamis towards an Early Warning System wird vom Ismar in Bologna in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus Italien, Spanien , Portugal , Frankreich , Deutschland und Marokko koordiniert und ist Teil des EU-Programms „Global Change and Ecosystems“.

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Harald Jung pressetext.deutschland

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