Neue Studie zeigt gestiegenen Flußwassereintrag in das Nordpolarmeer

Auswirkungen auf die Ozeanzirkulation befürchtet

Ein internationales Team von Ozeanographen und Hydrologen legt diese Woche in Science neue Untersuchungsergebnisse vor, nach denen der Flusswassereintrag in das arktische Meer in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen hat. Wenn dieser Trend sich fortsetzt, könnte dies nach Ansicht einiger Wissenschaftler Auswirkungen auf die Meeresströmungen des Atlantik haben und vielleicht zu einer Abkühlung Nordeuropas führen.

Bruce J. Peterson vom Ecosystems Center des Marine Biological Laboratory in Woods Hole (USA) leitete das aus amerikanischen, russischen und deutschen Wissenschaftlern bestehende Forschungsteam. Sie analysierten die Abflussdaten der sechs größten eurasischen Flüsse, die in das Norpolarmeer münden. Diese russischen Flüsse tragen mehr als 40% zum gesamten Eintrag von Flusswasser in das arktische Meer bei. Peterson und seine Kollegen fanden heraus, dass die Abflussmengen dieser Flüsse zwischen 1936 und 1999 um 7% zugenommen haben. Diese gemessene Zunahme des Abflusses bestätigt die Erwartungen von Klimatologen, die seit langem eine solche Zunahme des Süßwassereintrags in das Polarmeer und den Nordatlantik als Folge der globalen Erwärmung erwarten.

„Sollte der beobachtete Zusammenhang zwischen globaler Temperatur und Abfluss sich in Zukunft fortsetzen, dann könnte der Süßwassereintrag in das Polarmeer auf ein Niveau ansteigen, wo er die Atlantische Ozeanzirkulation und damit das Klima des 21. Jahrhunderts verändert,“ sagte Peterson.

Ein stark gestiegener Eintrag an Süßwasser in das arktische Meer könnte die Nordatlantische Tiefenwasserbildung abschwächen oder ganz abreißen lassen, und damit den Antrieb für das große „marine Förderband“, bekannt als thermohaline Zirkulation. Die thermohaline Zirkulation wird durch Dichteunterschiede angetrieben, transportiert große Wärmemengen und beeinflusst damit das Klima unseres Planeten. Ein Ausfall könnte zu einer Abkühlung Nordeuropas führen.

Die Bedeutung der nun vorgelegten Messdaten liegt darin, dass sie den Netto-Niederschlag (Niederschlagsmenge abzüglich Verdunstung) über eine riesige Landfläche erfassen, im Gegensatz zu Punktmessungen von Niederschlag und Verdunstung, die kaum Aussagen über eine große Fläche erlauben. „Diese Daten sind ein einzigartiges Maß für eine Umweltveränderung, weil sie eine lange Zeitspanne umfassen und über ein großes Gebiet integrieren, statt Niederschläge nur an einigen Standorten zu messen“, sagt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, einer der Autoren der Studie.

Hinweis: Der Aufsatz mit dem Titel „Increasing river discharge to the Arctic Ocean“ erscheint am 13. Dezember in Science. Exemplare des Artikels, zusammen mit der zugehörigen Science News Story, sind direkt bei Science erhältlich unter der Nummer 001-202-326-6440 oder scipak@aaas.org.

Autoren:

Bruce J. Peterson, Robert M. Holmes, James W. McClelland, The Ecosystems Center, Marine Biological Laboratory, Woods Hole, MA USA

Charles J. Vörösmarty, Richard B. Lammers, Alexander I. Shiklomanov, Water Systems Analysis Group, Institute for the Study of Earth, Oceans, and Space, University of New Hampshire, Durham, NH USA

Igor A. Shiklomanov, State Hydrological Institute, St. Petersburg, Russland

Stefan Rahmstorf, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Potsdam, Deutschland

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Ulrike Koch PIK Potsdam

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