Rätsel um Herkunft des Mais gelöst

Die Maispflanze, eines der weltweit wichtigsten Grundnahrungs- und Futtermittel, entstand aus Züchtungen in Mexiko.

Diese liegen schon 8.700 Jahre zurück, 1.200 Jahre früher als bisher angenommenen. Dieser Nachweis gelang Forschern am Smithsonian's National Museum of Natural History. Sie konnten durch genetische Untersuchungen bestätigen, dass Mais im tropischen Süden Mexikos aus einer Grasart namens „Teosinte“ gezüchtet wurde, die in Mexiko, Guatemala und Nicaragua wild wächst. Diese Antwort auf die lange Zeit ungelöste Frage nach dem Ursprung der Kulturpflanze wurde im Wissenschaftsmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.

Die Anthropologen forschten in mexikanischen Regionen, die während des Zeitraums vor 9.000 bis 8.000 Jahren bewohnt waren und daher für die früheste Maiszüchtung in Frage kommen. An der Felswand Xihuatoxtla im Rio Balsas-Gebiet des Bundesstaates Guerrero wurden sie fündig. Sie entdeckten Stärkekörner und Sedimente mit pflanzlichen Ablagerungen, die als Beweise für die Züchtung von Mais und einer Speisekürbis-Art gelten. „Dadurch bestätigte sich, dass im frühen Holozän Mais gezüchtet wurde“, so die Forschungsleiterin und Archäobotanikerin Dolores R. Piperno.

Das stellt den Mais in ein neues Licht, gehört die Pflanze durch den Nachweis ihres Ursprungs doch zu den Getreidesorten, die ihren Ursprung in den Tropen haben. Zudem steht der mexikanische Mais damit in einer Reihe mit Weizen und Gerste aus dem mittleren Osten, die ebenfalls bereits vor 9.000 Jahren kultiviert wurden. Besonders tropische Gegenden, die während bestimmter Jahreszeiten trocken waren, seien Zentren der frühen menschlichen Besiedlung und Landwirtschaft in Lateinamerika gewesen, erklärt Piperno.

Von Mexiko ausgehend, breitete sich der Mais vor 7.600 Jahren nach Panama und um die Zeit vor 6.000 Jahren auch nach Südamerika aus, wo er zunächst vorrangig zu Genusszwecken als Bestandteil des Chicha-Maisbiers verwendet wurde. Christoph Kolumbus entdeckte die Pflanze in der Karibik und brachte sie mit nach Europa, gemeinsam mit der bei indigenen Völkern Guyanas üblichen Bezeichnung „Mahiz“. Die hohe Anpassungsfähigkeit der Pflanze förderte ihre rasche Verbreitung nach Asien und Afrika, während Mitteleuropa erst später über den Umweg des Vorderen Orients Bekanntschaft mit dem gelben Korn machte.

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Johannes Pernsteiner pressetext.austria

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