Nutztiere überraschen Wissenschaftler mit ihren komplexen Fähigkeiten

Eine Zwergziege steht vor dem Lerncomputer am FBN.
(c) Nordlicht Agentur / FBN

Forschung am FBN wird Coverstory im Science Magazine.

Wie empathisch sind eigentlich Nutztiere und wozu sind sie kognitiv in der Lage? Forschungsergebnisse der Verhaltensphysiologie am Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) haben bereits in der Vergangenheit viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Nun war der Science-Journalist David Grimm zu Besuch und hat einen Artikel über die Verhaltensforschung am FBN veröffentlicht.

Das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf hat in der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft für Aufsehen gesorgt: das renommierte Science Magazin berichtet in der Titelgeschichte seiner aktuellen Ausgabe über die Verhaltensforschung des Instituts.

Der Bericht „What are farm animals thinking? New research is revealing surprising complexity in the minds of goats, pigs, and other livestock“ beleuchtet u.a. die Forschung zu kognitiven Fähigkeiten und emotionaler und sozialer Intelligenz von Ziegen, Kühen und Schweinen. Auf fünf Seiten fasst der renommierte Wissenschaftsjournalist David Grimm die Eindrücke seines zweitägigen Besuchs in Dummerstorf zusammen und gibt Einblicke in die laufende Forschung am FBN und seine Bedeutung für die Haltung von Nutztieren.

„Wir arbeiten mit verschiedenen konzeptionellen Ansätzen“, sagt Prof. Birger Puppe, Leiter des Instituts für Verhaltensphysiologie am FBN und Professor für Verhaltenskunde an der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock. „Wir haben festgestellt, dass Nutztiere Emotionen wie Freude, Angst und sogar Empathie empfinden können. Ihre kognitiven Fähigkeiten sind viel ausgeprägter, als wir uns bisher vorgestellt haben.“

Helfende Schweine und kluge Ziegen beeindrucken Science-Journalisten

Dieses noch wenig beachtete Feld der Nutztierforschung interessierte auch David Grimm. Der US-amerikanische Wissenschaftsjournalist, der bereits 2021 über die „Kuhtoilette“ am FBN berichtet hatte, erkor die Verhaltensforschung am FBN als Thema seiner Berichterstattung für „Science“ aus. Dafür recherchierte er im September 2023 zwei Tage vor Ort. Grimm hatte die Gelegenheit, die Tiere hautnah zu erleben und zu erfahren, wie smart und interaktiv Nutztiere sein können. Grimm zeigte sich beeindruckt von den vielfältigen experimentellen Ansätzen und der Expertise des Instituts.

„Der Besuch am FBN war eine tolle Erfahrung“, so Grimm. „Es war spannend zu sehen, wie engagiert die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrer Arbeit sind und wie begeistert sie ihre Ergebnisse vermitteln können.“

So erlebte David Grimm unter anderem Schweine, die Artgenossen in Not halfen und diese befreiten. Die wissenschaftliche Veröffentlichung von FBN-Wissenschaftlerin Dr. Liza Moscovice dazu hatte im Sommer für große internationale Aufmerksamkeit gesorgt und faszinierte auch David Grimm bei seinem Besuch. Auch das Thema „Cow friends – Freundschaften unter Kühen“ wirkte nachhaltig auf Grimm. Annkatrin Pahl, die dazu am FBN promoviert, erläuterte das Konzept ihrer Arbeit, das zeigen soll, dass Kühe freundschaftliche Bande zu anderen Kühen knüpfen und sich „Freundschaft“ positiv auf das Wohlbefinden der Tiere auswirkt.

Einen Teil seines Besuchs verbrachte David Grimm im Ziegenstall, wo ihm Dr. Christian Nawroth und Dr. Jan Langbein die in der Kognitionsforschung eingesetzten Lerncomputer für Ziegen und ein Projekt zum Nachweis altruistischen Verhaltens bei Zwergziegen präsentierten. In dem Versuch halfen Ziegen Artgenossen, an Futter zu gelangen, auch wenn sie selbst keine Chance hatten, die Nahrung selbst zu fressen.

Erkenntnisse verändern Denkweise über Nutztiere

Die Tatsache, dass das FBN zur Coverstory im Science Magazine geworden ist, unterstreicht die Bedeutung der Forschungsarbeit des Instituts. „Die internationale Anerkennung und das Interesse an den Studien des FBN verdeutlichen, dass die komplexen kognitiven Fähigkeiten von Nutztieren zunehmend erkannt werden“, so Dr. Christian Nawroth, der am FBN zu Afrikanischen Zwergziegen forscht.

„In den vergangenen Jahrzehnten haben wir uns hauptsächlich auf die Produktivität und Effizienz von Nutztieren konzentriert“, betont FBN-Verhaltensbiologe Dr. Jan Langbein. „Wir müssen aber auch ihre geistigen und emotionalen Fähigkeiten berücksichtigen. Wir sind stolz darauf, dass unsere Forschung auf internationaler Ebene Anerkennung findet und dazu beiträgt, diese wichtigen Veränderungen in der menschlichen Einstellung gegenüber Nutztieren voranzutreiben.“

„Die Forschungsergebnisse des FBN und anderer Gruppen, die auf diesem Gebiet arbeiten, stellen das traditionelle Bild von Nutztieren als wenig anspruchsvolle, kognitiv und emotional einfache Tiere zunehmend in Frage und zeigen, dass z.B. Rinder, Schweine und Ziegen über erstaunlich komplexe emotionale und kognitive Fähigkeiten verfügen. Dieser neuen Erkenntnisse haben auch enorme Auswirkungen auf Fragen des Wohlbefindens und Tierschutzes sowie der artgerechten Haltung. Damit auf dem Titel des Science Magazine zu sein, freut uns außerordentlich und bestätigt uns in unserer Arbeit“, fasst Prof. Birger Puppe, Leiter des Instituts für Verhaltensphysiologie, zusammen.

Das FBN plant, die Ergebnisse der Studien in Folgeprojekten zu vertiefen und die Auswirkungen ihrer Forschung auf verschiedene Bereiche der Nutztierhaltung zu untersuchen.

Begleitend zu dem Artikel ist Podcast erschienen, der den Besuch Davis Grimms mit vielen Originalaufnahmen anschaulich zusammenfasst.

Zum „Science“ Magazine:
Das Science Magazine zählt zu den renommiertesten Fachzeitschriften im Bereich der Naturwissenschaften und deckt ein breites Spektrum an Themen von der Physik und Biologie über Chemie bis hin zu medizinischer Forschung und Umweltwissenschaften ab. Die On- und Offlinepublikationen des Magazins erreichen weltweit mehrere Millionen Leser.

Originalpublikation
„What are farm animals thinking? New research is revealing surprising complexity in the minds of goats, pigs, and other livestock“; Science Vol. 382, Issue 6675, Seiten 1103-1107

Veröffentlichungsdatum: 8.12.2023
https://www.science.org/content/article/not-dumb-creatures-livestock-surprise-sc…

Podcast zum Artikel:
https://www.science.org/content/podcast/farm-animals-show-their-smarts-and-how-h…

Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)
Wilhelm-Stahl-Allee 2, 18196 Dummerstorf
Vorstand Prof. Dr. Klaus Wimmers
T +49 38208-68 600
E wimmers@fbn-dummerstorf.de

Institut für Verhaltensphysiologie
Birger Puppe, Prof.
T +49 38208-68 800
E puppe@fbn-dummerstorf.de

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Isabel Haberkorn
T +49 38208-68 605
E presse@fbn-dummerstorf.de
http://www.fbn-dummerstorf.de
LinkedIn: @forschungsinstitut-nutztierbiologie-fbn
Twitter: @FBNDummerstorf
Instagram: @forschungsinstitut_fbn

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Institut für Verhaltensphysiologie
Birger Puppe, Prof.
T +49 38208-68 800
E puppe@fbn-dummerstorf.de

Originalpublikation:

Originalpublikation
„What are farm animals thinking? New research is revealing surprising complexity in the minds of goats, pigs, and other livestock“; Science Vol. 382, Issue 6675, Seiten 1103-1107

Veröffentlichungsdatum: 8.12.2023
https://www.science.org/content/article/not-dumb-creatures-livestock-surprise-sc…

Media Contact

Isabel Haberkorn Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie

Der innovations-report bietet im Bereich der "Life Sciences" Berichte und Artikel über Anwendungen und wissenschaftliche Erkenntnisse der modernen Biologie, der Chemie und der Humanmedizin.

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Bakteriologie, Biochemie, Bionik, Bioinformatik, Biophysik, Biotechnologie, Genetik, Geobotanik, Humanbiologie, Meeresbiologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Zellbiologie, Zoologie, Bioanorganische Chemie, Mikrochemie und Umweltchemie.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Entwicklung der ersten Wasserstoff-Straßenbahn Europas

Professur Alternative Fahrzeugantriebe erarbeitet Betankungsstrategie, entwickelt Simulationsmodelle zur Alterung des Antriebstranges und vermisst das Brennstoffzellensystem vor dessen Integration in die Straßenbahn. Die Professur Alternative Fahrzeugantriebe der Technischen Universität Chemnitz (TUC)…

Aus MeerKAT wird MeerKAT+

Die feierliche Übergabe der ersten MeerKAT+-Antenne setzt einen wichtigen Meilenstein für den Aufbau von SKA-MID in Südafrika. In einem feierlichen Rahmen wurde heute die erste MeerKAT+-in der Karoo-Region in Südafrika…

Natrium-Ionen-Akkus: wie Doping die Kathoden verbessert

Natrium-Ionen-Akkus haben noch eine Reihe von Schwachstellen, die durch die Optimierung von Batteriematerialien behoben werden könnten. Eine Option ist die Dotierung des Kathodenmaterials mit Fremdelementen. Ein Team von HZB und…

Partner & Förderer