LCSB-Forscher beschreiben neues Tumor-Syndrom

Das ARMC5-Gen wurde von unabhängigen Arbeitsgruppen bei der Untersuchung gutartiger Tumore – so genannter Nebennierenrinden-Adenome – im Zusammenhang mit dem Cushing-Syndrom entdeckt. Bei dieser Krankheit produziert der Körper ein Zuviel des Hormons Cortisol. Nun konnte eine Mutation von ARMC5 erstmals auch als ursächlich für die Entstehung von Tumoren der Hirnhaut beschrieben werden.

Ihre Ergebnisse zu diesem Tumor-Syndrom, die das Team um Dr. Patrick May und PD. Dr. Jochen Schneider gemeinsam mit Kollegen von der Berliner Charité (Dr. Ulf Elbelt) sowie den Universitäten Würzburg (Prof. Dr. Bruno Allolio) und Köln (Dr. Michael Kloth) erarbeitet hat, publizierten die Wissenschaftler vor wenigen Tagen im „Journal of Clinical Endocrinology Metabolism“ (DOI: http://dx.doi.org/10.1210/jc.2014-2648).

Cortisol ist ein wichtiges Hormon. Es beeinflusst zahlreiche Stoffwechselwege des Körpers und hat eine dämpfende Wirkung auf das Immunsystem. Aus diesem Grund wird es auch als entzündungshemmendes Medikament eingesetzt. Ist Cortisol dauerhaft im Körper in zu großer Menge vorhanden, kann dies zu Fettleibigkeit, Muskelschwund, Depressionen und anderen Symptomen führen.

Um die richtige Konzentration im Blut zu gewährleisten, verfügt der Körper über ein ausgeklügeltes Regulationssystem: Als Stimulator der Cortisolfreisetzung wird das Hormon Corticotropin in bestimmten Gehirnarealen erzeugt; die eigentliche Cortisol-Bildung findet in den Nebennieren statt. Bei steigender Cortisol-Konzentration im Blut reduziert das Gehirn die Produktion von Corticotropin.

Bei der Suche nach Ursachen des Cushing-Syndroms sind Wissenschaftler vor kurzem auf genetische Ursachen gutartiger Tumore der Nebenniererinde gestoßen. Das Wachstum dieser Nebennierenrinden-Adenome basiert auf einer Kombination aus erblichen und spontanen Mutationen: Betroffen sind Menschen, bei denen eine von zwei „Ausfertigungen“ – ein so genanntes Allel – des ARMC5-Gens von Geburt an mutiert ist.

Kommt es in der Nebennierenrinde spontan zur Mutation auch des zweiten Alles von ARMC5, verliert das Gen seine Funktion. „Interessant ist, dass der Ausfall von ARMC5 keinen unmittelbaren Einfluss auf die Cortisol-Produktion hat. Da sich die Tumorzellen aber schneller als andere Körperzellen vermehren und die Zellenzahl im Tumor steigt, nimmt im Verlauf der Erkrankung die Cortisol-Konzentration im Blut zu“, so Dr. Schneider. Die Folge: Der Cortisol-Spiegel im Körper steigt, und es kommt zum Ausbruch des Cushing-Syndroms.

Nachdem andere wissenschaftliche Arbeitsgruppen festgestellt hatten, dass auch weitere gutartige Tumore – in diesem Fall Tumore der Hirnhäute – vermehrt in ARMC5-Cushing Familien vorkommen, hat das Team um Patrick May und Jochen Schneider das ARMC5-Gen sequenziert und mit Techniken der Bioinformatik untersucht.

„Wir konnten erstmals nachweisen, dass bei einem Patienten mit Nebennierenrindentumor und gleichzeitigem Tumor der Hirnhaut in beiden Tumoren somatische, also nicht vererbte ARMC5 Mutationen vorhanden sind. Diese Beobachtung legt den Schluss nahe, dass es sich bei ARMC5 um ein echtes Tumorsuppressor-Gen handelt.“

Nun, so Schneider weiter, müsse geklärt werden, in welchem Maße bei Patienten mit Nebennierenrindentumoren auf das gleichzeitige Vorliegen von Meningiomen gescreent werden muss und bei welchen anderen Tumorarten ARMC5-Mutationen die Ursache für ein Tumorwachstum sind: „Darauf aufbauend kann dann geklärt werden, ob das Gen und die von ihm beeinflussten Stoffwechselwege neue Ansätze für eine Therapie des Tumor-Syndroms bieten.“

http://press.endocrine.org/doi/abs/10.1210/jc.2014-2648 – Link zur Publikation
http://wwwde.uni.lu/lcsb/news_events/cushing_s_syndrome_lcsb_researchers_charact… – Link zur Pressemitteilung
http://wwwde.uni.lu/lcsb – Link zum LCSB

Media Contact

Sophie Kolb idw - Informationsdienst Wissenschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie

Der innovations-report bietet im Bereich der "Life Sciences" Berichte und Artikel über Anwendungen und wissenschaftliche Erkenntnisse der modernen Biologie, der Chemie und der Humanmedizin.

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Bakteriologie, Biochemie, Bionik, Bioinformatik, Biophysik, Biotechnologie, Genetik, Geobotanik, Humanbiologie, Meeresbiologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Zellbiologie, Zoologie, Bioanorganische Chemie, Mikrochemie und Umweltchemie.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Digitale Lösungen für betreute Wohnformen

Projekt soll Potenziale der Digitalisierung in der Betreuung von chronisch psychisch kranken und seelisch behinderten Menschen aufzeigen. Kann durch digitale Lösungen eine Verbesserung der Versorgungsqualität im betreuten Wohnen geschaffen werden?…

3-D-Laser-Nanodrucker als kleines Tischgerät

Die Laser in heutigen Laserdruckern für Papierausdrucke sind winzig klein. Bei 3-D-Laserdruckern, die dreidimensionale Mikro- und Nanostrukturen drucken, sind dagegen bisher große und kostspielige Lasersysteme notwendig. Forschende am Karlsruher Institut…

Polymere mit Helix-Blöcken

Domänenbildung bei supramolekularen Polymeren durch Bestrahlung mit UV-Licht. Künstliche Polymere sind die Grundstoffe aller Kunststoffe, und haben zumeist keinen geordneten Aufbau (im Gegensatz zu Biopolymeren wie Proteinen). Ein Forschungsteam hat…

Partner & Förderer