DNA-Bibliothek der Grabwespen veröffentlicht

Bienenwolf (Philanthus triangulum) Foto: Christian Schmid-Egger

Von den 661 untersuchten Grabwespen-Arten kommen 578 Arten in Europa, 240 Arten auch in Deutschland vor. Mit der aktuellen DNA-Barcoding Studie liegen nun von knapp 90% der heimischen Grabwespen-Arten genetische Kennsequenzen vor.

„Dies ist die weltweit erste umfassende genetische Katalogisierung dieser Tiergruppe. Sie sind nahe mit den Wildbienen verwandt und sind im Naturhaushalt als natürliche Gegenspieler von Schadinsekten von großer Bedeutung“ erläutert Dr. Christian Schmid-Egger, verantwortlich für die Grabwespenstudie.

„Viele Grabwespen ernähren ihre Larven mit Blattläusen, Wanzen oder anderen Schadorganismen“, sagt der Forscher. Untersuchungen an weiteren Wespengruppen werden folgen und in Kürze werden sich alle in Deutschland heimischen Bienen und Wespen durch die Methode des DNA-Barcoding einfach und sicher bestimmen lassen. Für die Studie wurden fast 4.000 Exemplare von den Wissenschaftlern ausgewertet.

„Durch derartige Untersuchungen des heimischen Artenbestandes erfassen wir erstmals auch die vielen unscheinbaren, wenig bekannten Arten und entdecken und charakterisieren in Deutschland tausende neuer Tierarten“, sagt Dr. Stefan Schmidt, Projektleiter im DNA-Barcoding-Projekt der ZSM.

Die Gensequenzierung erfolgte im Rahmen der Projekte „Barcoding Fauna Bavarica“ und „German Barcode of Life“. In diesen Projekten ermitteln die Münchner Forscher genetische Kennsequenzen aller bayerischen, beziehungsweise deutschen Tierarten und stellen sie in einer Online-Bibliothek Fachleuten und der Öffentlichkeit frei zur Verfügung. Das Projekt ist Teil des „International Barcode of Life“ Projektes mit Sitz in Kanada. Es verfolgt das ehrgeizige Ziel, alle Tierarten weltweit genetisch zu erfassen.

Bisher wurden von den Münchener Forschern Kennsequenzen von weltweit etwa 50.000 Tierarten erstellt. Die Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM) hat mit rund einer Viertelmillion Proben zu dem internationalen Projekt beigetragen und ist damit in Europa führend.

Bei den Hautflüglern (Bienen, Wespen und Ameisen) liegt die ZSM sogar weltweit ganz weit vorne. “Bisher konnten wir genetische Kennsequenzen von rund der Hälfte der heimischen Hautflügler gewin-nen” erklärt Stefan Schmidt und ergänzt:

„Die Möglichkeit, Arten durch genetische Kennsequenzen einfach, schnell und zuverlässig bestimmen zu können wird bei zukünftigen Forschungs-Projekten zum Insektensterben von entscheidender Bedeutung sein.”

Die Zoologische Staatssammlung München beherbergt über 22 Millionen zoologische Objekte und gehört, als Teil der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns, weltweit zu den größten naturkundlichen Sammlungen.

Die DNA-Barcoding-Projekte der ZSM werden finanziell unterstützt durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und das Bundes-ministerium für Bildung und Forschung.

Dr. Stefan Schmidt
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstr. 21
81247 München
Telefon: 089/8107 159
E-Mail: stefan.schmidt@snsb.de

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/1755-0998.12963

http://www.zsm.mwn.de – Zoologische Staatssammlung München
http://www.snsb.de – Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns

Media Contact

Dr. Eva-Maria Natzer idw - Informationsdienst Wissenschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie

Der innovations-report bietet im Bereich der "Life Sciences" Berichte und Artikel über Anwendungen und wissenschaftliche Erkenntnisse der modernen Biologie, der Chemie und der Humanmedizin.

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Bakteriologie, Biochemie, Bionik, Bioinformatik, Biophysik, Biotechnologie, Genetik, Geobotanik, Humanbiologie, Meeresbiologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Zellbiologie, Zoologie, Bioanorganische Chemie, Mikrochemie und Umweltchemie.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Klimawandel verursacht Artensterben im Schwarzwald

Schon heute hinterlässt der Klimawandel in den Mooren im Schwarzwald seine Spuren. Durch steigende Temperaturen und längere Trockenperioden sind dort in den vergangenen 40 Jahren bereits zwei typische Pflanzenarten ausgestorben….

Experiment bildet Elektronentransfer im Molekül ab

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena entwickeln in dem neuen Projekt „Multiskalen Pump-Pump-Probe-Spektroskopie zur Charakterisierung mehrschrittiger Elektronentransferkaskaden“ (kurz: „Multiscale P3S“) eine bisher einzigartige Untersuchungsmethode, um genau unter die Lupe zu…

Leistungstest für neuronale Schnittstellen

Freiburger Forschende entwickeln Richtlinie zur einheitlichen Analyse von Elektroden Wie sollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Leistungsfähigkeit neuronaler Elektroden messen und definieren, wenn es keinen einheitlichen Standard gibt? Die Freiburger Mikrosystemtechnikerin…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close