Dicke Vögel starten durch

Gartengrasmücke mit Sender<br>Bild: Wolfgang Goymann<br>

Kleine Zugvögel wie die Gartengrasmücke sind bei ihrem Weg von den Überwinterungs- zu den Brutgebieten auf Zwischenstopps angewiesen. Nach größeren ökologischen Barrieren wie z.B. einer Wüste oder einem Meer müssen sie landen, um ihre Fettreserven aufzutanken.

Ein Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen und ein Team italienischer Kollegen haben nun die Aufenthaltsdauer von Gartengrasmücken auf einer Insel bei Italien gemessen. Dabei haben sie festgestellt, dass dicke Vögel meist in der nächsten Nacht weiterziehen, dünne Vögel aber im Schnitt knapp 2 Tage verweilen.

Fettpölsterchen im Frühling sind des einen Leid, des anderen Freud: „Dicke Gartengrasmücken müssen auf ihrer alljährlichen, strapaziösen Reise zu den Brutgebieten weniger lange Zwischenstopps einlegen, um ihre Energiereserven aufzutanken“, berichtet Wolfgang Goymann vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen. Die Dauer eines Zwischenstopps ist demnach nicht nur von Umweltfaktoren wie Wind- und Wetterverhältnissen oder einem genetisch programmierten inneren Drang beeinflusst. Die Unterhaut-Fettreserven sind eine der Hauptursachen für die individuell unterschiedliche Dauer der Zwischenstopp-Aufenthalte während des Vogelzuges.

Die Forscher statteten 10 dicke und 10 dünne Vögel, die morgens auf ihrem Weg in den Norden auf der italienischen Insel Ventotene landeten, mit temporär haftenden Radiosendern aus. Dann kontrollierten sie in regelmäßigen Abständen, ob das Signal, das von den Sendern ausging, noch auf der Insel zu hören war. Neun der zehn dicken Vögel flogen in der folgenden Nacht weiter, die dünnen Vögel jedoch blieben im Schnitt über 40 Stunden auf der Insel, bevor sie sich wieder auf den Weg machten. „Wir gehen davon aus, dass die meisten Vögel am gleichen Morgen auf der Insel ankamen, an dem wir sie gefangen haben“, so Wolfgang Goymann. „Dicke Gartengrasmücken warten nur auf den Einbruch der nächsten Nacht, bevor sie weiterziehen. Die Dünnen müssen hingegen warten, bis sie sich wieder ausreichende Reserven angefressen haben.“ Die Daten belegen die Wichtigkeit ökologisch intakter Rastgebiete. Nur Gebiete mit einem ausreichenden Angebot an Insekten, Nektar und Blütenstaub erlauben den Zugvögeln, ihre Energiereserven zügig wieder aufzutanken, um schnell und zuverlässig ins Brutgebiet weiter zu ziehen. Denn wer früh im Brutgebiet ankommt, kann sich die besten Nistplätze sichern. [SP]

Originalveröffentlichung
Wolfgang Goymann, Fernando Spina, Andrea Ferri and Leonida Fusani:
Body fat influences departure from stopover sites in migratory birds: evidence from whole-island telemetry.
Biology Letters
DOI: 10.1098/rsbl.2009.1028
Kontakt:
Dr. Wolfgang Goymann
Abteilung Verhaltensneurobiologie
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen
E-mail: goymann@orn.mpg.de

Media Contact

Barbara Abrell Max-Planck-Gesellschaft

Weitere Informationen:

http://www.orn.mpg.de

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