Verletzte Organe "einfach" nachwachsen lassen?

Lassen sich die erstaunlichen Regenerationsfähigkeiten vieler Tiere auf den Menschen übertragen?

Molche können bei Verletzungen neue Beine, Süßwasserpolypen sogar aus einzelnen Zellen wieder einen ganzen Organismus bilden. Diese enorme Regenerationsfähigkeit stellt ein großes, bisher ungenutztes Potential dar. Forscher, die Zelltherapien für Menschen entwickeln, können möglicherweise viel von Molchen und Süßwasserpolypen lernen. Die Zusammenhänge zwischen zukünftigen Zelltherapien und der erstaunlichen Regenerationsfähigkeit vieler Organismen werden erst jetzt erkannt. Prof. Dr. Thomas Holstein vom Institut für Zoologie an der Technischen Universität Darmstadt ist einer der Wissenschaftler, die die Regenerationsmechanismen verschiedener Tierarten erforschen. In einem Hintergrundbericht berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature (Vol 414, 22. November 2001) über die weltweit laufenden Forschungen auf diesem Gebiet.

Zur Zeit erfährt die Forschung an menschlichen Stammzellen sehr viel Aufmerksamkeit. Der Nature-Artikel verdeutlicht, dass die Erforschung der Regenerationsfähigkeit vieler „niederer“ Organismen für die Medizin von ebensolcher Bedeutung sein könnte wie die Stammzellenforschung.

Wenn es gelänge, die Funktionsweise der Regenerationsmechanismen von Hydren, Plattwürmern, Seesternen und anderen Tieren zu verstehen, deren Fähigkeiten manchmal wie ein Wunder scheinen, wäre das ein wichtiger Schritt dahin, diese auch für den Menschen verfügbar zu machen. Wie die Regenerationsmechanismen etwa bei Hydra funktionieren, dazu hat die Arbeit von Holstein und seiner Arbeitsgruppe in letzter Zeit wesentliche Erkenntnisse geliefert. Dabei hat sich z.B. herausgestellt, dass die Unterschiede zwischen hochgradig regenerationsfähigen „niederen“ Tieren und dem Menschen nicht so groß sind wie bisher angenommen.

Ein Schwerpunkt der Arbeit von Holstein und seinen Mitarbeitern ist die Frage, wie während des Wachstums und während der Regeneration des „Kopfes“ von Hydren Körperachsen angelegt werden (Nature 407, 186-189; 407, 81-85, PNAS97 12127-12231). Holstein und seine Mitarbeiter fanden heraus, dass die sogenannten Wnt-Signalmoleküle, die dabei eine zentrale Rolle spielen, eine erstaunliche Ähnlichkeit zu den entsprechenden Proteinen von Wirbeltieren, also auch des Menschen, aufweisen. Beispielsweise ist ein Protein des Süßwasserpolypen in der Lage, sowohl beim Polypen als auch im Amphibienembryo die Entstehung einer neuen Körperachse auszulösen.

„Die Forschung an Hydra könnte aufdecken, wie man jene Gene und Proteine selektiv reaktiviert, die der frühen Steuerung der Säugetierentwicklung dienen. Diese könnten dann die Regeneration von verletztem oder erkranktem Gewebe veranlassen“, folgert Nature.

Media Contact

Diplom-Volksw. Sabine Gerbaulet idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie

Der innovations-report bietet im Bereich der "Life Sciences" Berichte und Artikel über Anwendungen und wissenschaftliche Erkenntnisse der modernen Biologie, der Chemie und der Humanmedizin.

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Bakteriologie, Biochemie, Bionik, Bioinformatik, Biophysik, Biotechnologie, Genetik, Geobotanik, Humanbiologie, Meeresbiologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Zellbiologie, Zoologie, Bioanorganische Chemie, Mikrochemie und Umweltchemie.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Hämophilie A: Designer-Rekombinase …

Designer-Rekombinase kann krankheits-relevanten Gen-Defekt bei schwerer Form von Hämophilie A präzise korrigieren. Dem Forschungsteam um Prof. Frank Buchholz an der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden ist es…

Millionenförderung für Leipziger Carbonbetonforschung

Mehr als ein ressourcenschonender Baustoff: HTWK Leipzig entwickelt multifunktionale, genormte Bauteile aus Carbonbeton für Wohnungs- und Industriebau. Carbonbeton kann einen essenziellen Beitrag zum klimagerechten Bauen leisten, denn im Gegensatz zum…

Bürgerdialoge – Gesellschaft im wissenschaftlichen Alltag verankern

Herausforderungen wie die Klimakrise oder die Corona-Pandemie rücken die Wissenschaft immer stärker ins öffentliche Bewusstsein. Doch welche Erwartungen und Wünsche haben Bürgerinnen und Bürger an die Arbeit von Forschenden? Das…

Partner & Förderer