Protein identifiziert, das bei Mensch und Tier für die Entwicklung gesunder Organe und Gewebe unerlässlich ist

Die rasterelektronenmikroskopische zeigt wie Fresszellen (grün) abgestorbene Zellen (rot) verschlingen und verdauen. Dies ist auch ohne Ptdsr möglich. Den GBF-Forschern ist es in dieser seltenen Aufnahme gelungen, den Prozess des Verdauens vom Umhüllen der Zelle mit grüner Fresszellenmembran bis zum Verschlingen sichtbar zu machen. <br> <br>Foto: GBF/Jens Böse/Manfred Rohde

Fehlt das Protein Ptdsr, ist die Organentwicklung schwer gestört

Wissenschaftler der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung in Braunschweig (GBF) haben ein Protein identifiziert, das bei allen höher entwickelten Tieren und beim Menschen für die Bildung gesunder Organe und Gewebe unerlässlich ist. Der Phosphatidylserin-Rezeptor – kurz: Ptdsr – gehört zur molekularen Grundausstattung einer jeden Zelle. Fehlt Ptdsr, so sind schwere Organschäden schon im Embryonalstadium die Folge, das betroffene Tier stirbt meist spätestens bei der Geburt. Das haben der GBF-Forscher Dr. Andreas Lengeling und sein Team bei der Untersuchung von Mäusen festgestellt, deren Gen für Ptdsr funktionsunfähig ist. „Ptdsr kennt man schon sehr lange“, erklärt Lengeling, „allerdings hat man diesem Molekül immer eine ganz andere Funktion zugeschrieben, als es tatsächlich besitzt.“ Ihre Ergebnisse beschreiben Lengeling und seine Kollegen in einem Artikel für die Fachzeitschrift Journal of Biology.

Überraschendes Forschungsergebnis

Lange Zeit war die Wissenschaft davon überzeugt, dass der Phosphatidylserin-Rezeptor eine Schlüsselrolle bei der Beseitigung abgestorbener Zellen im Körper spielt. Aus diesem Grund war auch das Augemerk der GBF-Forscher auf Ptdsr gefallen: Ursprünglich wollten sie mehr über die Rolle des Immunsystems bei diesen Prozessen erfahren.

„Allerdings zeigte sich überraschenderweise, dass Tiere ohne Ptdsr trotzdem abgestorbene Zellen ganz normal aus ihrem Körper entfernen können“, sagt Lengeling. Gar nicht normal verläuft dagegen die Organentwicklung dieser Tiere: Die Reifung von Leber, Niere, Lunge und Darm ist ebenso gestört wie das Körperwachstum allgemein, nur selten überlebt das Tier Embryonalstadium und Geburt.

Lengeling und seine Forscher-Kollegen sind überzeugt, auf einen fundamentalen Zusammenhang gestoßen zu sein: „Ptdsr gibt es bei fast allen Lebewesen“, sagt Lengeling, „und das Ptdsr der Maus ist praktisch identisch aufgebaut wie das des Menschen. Offenbar handelt es sich um einen universalen Faktor für die Gewebe-Reifung im Körper.“

Das genauere Studium des Ptdsr und seiner Funktion, so hoffen die Wissenschaftler, kann Aufschluss über verschiedenartigste Störungen in Geweben und Organen geben.

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Thomas Gazlig idw

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