Neues Hochleistungs-Massenspektrometer für das RUB-Proteincenter: 1 Mio. Euro Förderung

Ein neues Hochleistungs-Massenspektrometer für die Proteinanalyse im Wert von mehr als einer Million Euro bekommen die Forscher der Arbeitsgruppe von Dr. Dirk Wolters (Biomolekulare Massenspektrometrie, Lehrstuhl für Analytische Chemie, Prof. Dr. William S. Sheldrick) an der Fakultät für Chemie und Biochemie der Ruhr-Universität vom Bundesforschungsministerium (BMBF).

Das sog. Orbitrap-Massenspektrometer kann innerhalb von 24 Stunden mehr als 1.000 Proteine vollautomatisch identifizieren. Auch schwer lösliche Membranproteine, die als Markerproteine bei der Entstehung von Krebs und anderen Krankheiten gelten, kann das Gerät im Gegensatz zu älteren Modellen problemlos erkennen.

Ein BMBF-gefördertes Verbundprojekt der Arbeitsgruppe, der Sonderforschungsbereich 642, die Graduiertenschule INTCHEM, sowie das Teilprojekt des Lehrstuhls für Analytische Chemie im Rahmen der DFG-Forschergruppe 630 werden von dieser Förderung des BMBF profitieren.

Die Vielfalt der Proteine

Nachdem das menschliche Genom vollständig analysiert ist, rückt das Proteom, die Gesamtheit der Proteine, in den Brennpunkt der Forschung. Die Vielfalt der Proteine, deren Baupläne in den Genen verschlüsselt liegen, ist riesig, und nicht jedes Protein wird zu jedem Zeitpunkt in der Zelle hergestellt. In der Produktion der „richtigen“ oder „falschen“ Proteine und in ihren Verhältnissen zueinander liegt der Schlüssel zu vielen Krankheiten. Wunsch der Forscher ist es daher, die Proteine einer Zelle möglichst schnell, und quantitativ genau erfassen zu können. Dabei hilft die Massenspektrometrie, die Proteine anhand ihrer Ladung und Größe eindeutig identifizieren kann.

Vollautomatisch und schnell

Eine ideale Kombination ist daher die Kopplung dieses Hochleistungs-Massenspektrometers mit der in der Arbeitsgruppe von Dirk Wolters mitentwickelten MudPIT Technologie (Multidimensional Protein Identification Technology). Die Trennung der Proteine erfolgt bei den Bochumer Forschern über einen Umweg chromatographisch und mehrdimensional mittels nano-Säulen (100 µm Innendurchmesser) auf Peptidebene, wo Löslichkeitsprobleme, insbesondere von Membranproteinen eine weitaus geringere Rolle spielen. „Aufgrund der hohen Scangeschwindigkeit der Massenspektrometer können innerhalb von 24 Stunden bis zu 100.000 Peptidspektren und damit mehr als 1.500 Proteine vollautomatisch aufgenommen werden“, freut sich Dr. Wolters. Herkömmliche Ansätze sind weniger gut geeignet, um ein umfassendes Bild einer Zelle zu liefern. Bestimmte Proteine konnten mittels Standardtechniken nicht identifiziert werden, da sie komplett aus der Untersuchung herausfielen. Das betraf besonders die Membranproteine, denen die Forscher als Marker vieler Erkrankungen besondere Bedeutung beimessen. Das Massenspektrometer wird neben anderen Verbundprojekten auch den Sonderforschungsbereich 642 verstärken, der sich mit Membranprozessen beschäftigt, die Krebs verursachen können und der in den nächsten Tagen zur erneuten Begutachtung ansteht. „Das ist eine tolle Anerkennung der Arbeiten von Herrn Wolters“, freut sich auch der Sprecher des Proteincenters und des SFB 642 Prof. Dr. Klaus Gerwert.

Weitere Informationen

Dr. Dirk Wolters, Biomolekulare Massenspektrometrie/Proteincenter, Analytische Chemie NC 4/72, Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel.: 0234/32-25463, -25465, Fax: 0234/32-14742, E-Mail: dirk.wolters@rub.de

Ansprechpartner für Medien

Dr. Josef König idw

Weitere Informationen:

http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie

Der innovations-report bietet im Bereich der "Life Sciences" Berichte und Artikel über Anwendungen und wissenschaftliche Erkenntnisse der modernen Biologie, der Chemie und der Humanmedizin.

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Bakteriologie, Biochemie, Bionik, Bioinformatik, Biophysik, Biotechnologie, Genetik, Geobotanik, Humanbiologie, Meeresbiologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Zellbiologie, Zoologie, Bioanorganische Chemie, Mikrochemie und Umweltchemie.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Mikroschwimmer lernen effizientes Schwimmen von Luftblasen

Forscher am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation zeigen, dass das Geheimnis des optimalen Mikroschwimmens in der Natur liegt: Ein effizienter Mikroschwimmer kann seine Schwimmtechniken von einem unerwarteten Mentor erlernen: einer…

Neue antimikrobielle Polymere als Alternative zu Antibiotika

Neue Emmy Noether-Gruppe der Universität Potsdam forscht gemeinsam mit Fraunhofer IAP Am 1. Januar 2021 nahm die neue Emmy Noether-Gruppe »Antimikrobielle Polymere der nächsten Generation« an der Universität Potsdam in…

Besser gebündelt: Neues Prinzip zur Erzeugung von Röntgenstrahlung

Göttinger Physiker entwickeln Methode, bei der Strahlen durch „Sandwichstruktur“ simultan erzeugt und geleitet werden. Röntgenstrahlung ist meist ungerichtet und schwer zu leiten. Röntgenphysiker der Universität Göttingen haben eine neue Methode…

Partner & Förderer

Indem Sie die Website weiterhin nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. mehr Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind so eingestellt, dass sie "Cookies zulassen", um Ihnen das bestmögliche Surferlebnis zu bieten. Wenn Sie diese Website weiterhin nutzen, ohne Ihre Cookie-Einstellungen zu ändern, oder wenn Sie unten auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

schließen