Wärme aus Neptuns Garten: Dämmen mit Seegras, Hanf und Co.

Die zerkleinerten und gereinigten Seegrasfasern werden als Dämmstoff entweder geschüttet, gestopft oder mit Einblasgeräten in Dächern, Decken und Wänden verwendet. <br>© Richard Meier<br>

„Ein Merkmal dieses Dämmstoffes ist, dass es lange dauert, bis die einmal gespeicherte Wärme weitergegeben wird“, so Skrypietz. Auf diese Art schütze Hanf im Sommer die Innenräume vor Überhitzung. In Kooperation mit dem Netzwerk Nachhaltiges Bauen und dem Norddeutschen Zentrum für Nachhaltiges Bauen gibt die Kampagne in einer vierteiligen Serie einen Überblick über die wichtigsten Dämmmaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen, die derzeit am Markt erhältlich sind.

Beim Anbau von Hanf werden keine Pflanzen- und Insektenschutzmittel eingesetzt
Mit natürlichen Dämmmaterialien aus Pflanzen könnten Dächer, Wände und Böden isoliert werden. Ob als Matten, Mörtel oder Stroh – die Verarbeitung sei einfach, sauber und angenehm, da kein Juckreiz auf der Haut entstehe.
„Sanierer können Stoffe wie Flachs oder Hanf bedenkenlos und ohne chemische Zusätze gegen Insekten nutzen“, weiß Skrypietz. Hanf enthalte keine wertvollen Nährstoffe und sei deshalb für Tiere als Futter uninteressant. Wegen seiner Robustheit würden beim Anbau keine Pflanzen- und Insektenschutzmittel und auch kein Dünger eingesetzt und die Ackerböden nicht belastet. „Der Sanierer hat es hier mit einem Wohlfühl-Dämmstoff zu tun“, so Skrypietz.

Silberhorn: „Hanf und Flachs gute Schalldämpfer“
„Hanf und Flachs halten nicht nur die Wärme im Haus, sie sind auch gute Schalldämpfer“, ergänzt Christian Silberhorn, Geschäftsführer des Norddeutschen Zentrums für Nachhaltiges Bauen. Schall-Schwingungen würden aufgenommen und nicht weiter getragen, sondern in den feinen Fibrillen der Fasern aufgenommen und in Wärme umgewandelt. Die weit verbreiteten Pflanzen seien in großen Mengen verfügbar und wüchsen schnell.

Vom Meeresstrand aufs Dach: Neptunbälle wachsen unendlich nach

Auch das Meer bietet wesentlich mehr als Wasserkraft. Das als „Neptunbälle“ bekannte Seegras etwa wird auch zu Dämmzwecken eingesetzt. Aus seinen Fasern, die an den Stränden der Ostsee und des Mittelmeeres zu finden sind, wurde das Dämmmaterial entwickelt. Das zerkleinerte und gereinigte Fasermaterial wird als Dämmstoff entweder geschüttet, gestopft oder mit Einblasgeräten in Dächern, Decken und Wänden verwendet. „Der natürliche Borsalzgehalt sorgt für einen chemiefreien Einsatz und führt dazu, dass das Material nicht schimmelt und sehr haltbar ist“, so Silberhorn. Die Wärmedämmeigenschaften seien mit denen herkömmlicher Dämmstoffe identisch und überträfen diese sogar bei dem immer bedeutender werdenden sommerlichen Wärmeschutz. Seegras wachse zudem quasi unendlich nach und verbrauche weder Anbauflächen noch Frischwasser oder Dünger. Die „Ernte“ vom Strand sei umweltschonend, und die Herstellung selbst erfordere nur wenig Energie.

Pflanzliche Dämmstoffe sind leicht zu entsorgen
Laut der Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe wird bei der Herstellung von Dämmstoffen aus Mineralwolle etwa zehnmal mehr Energie verbraucht als bei Hanf- oder Zellulose-Dämmplatten. „Wer Umwelt und Klima schonen will, sollte also über den Einsatz pflanzlicher Dämmmaterialien nachdenken“, rät Silberhorn. Die aus Pflanzen hergestellten Dämmstoffe seien konventionellen Materialien in einigen Bereichen überlegen und zudem häufig leichter zu entsorgen.
Ob nachträgliches Dämmen sinnvoll ist, zeigt der Energie-Check der DBU
Hausbesitzer, die wissen möchten, ob eine nachträgliche Dämmung an ihrem Haus Sinn macht, können den kostenlosen Energie-Check der DBU-Kampagne in Anspruch nehmen. Bei der Erstberatung nimmt ein eigens geschulter Handwerker, Architekt oder Energieberater die verschiedenen Gebäudeteile „unter die Lupe“ und bewertet sie nach ihrer Energieeffizienz. Eine Broschüre, die im Anschluss ausgehändigt wird, gibt Aufschluss über die weiteren Schritte zum sanierten Eigenheim. Eine Liste mit Energie-Checkern in ganz Deutschland finden Hausbesitzer auf www.sanieren-profitieren.de.
HINTERGRUND
Am 27. Oktober 2013 verleiht die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) den mit 500.000 Euro höchstdotierten Umweltpreis Europas, den Deutschen Umweltpreis. Eine der beiden Preisträgerinnen ist die Gründerin und Geschäftsführerin der Firma Hock, Carmen Hock-Heyl. Sie wird geehrt, weil sie Dämmmatten für den Hausbau aus dem Öko-Rohstoff Hanf am Markt etabliert hat. Aus diesem Anlass stellt die DBU-Kampagne „Haus sanieren – profitieren“ in einer vierteiligen Serie die wichtigsten am Markt erhältlichen nachwachsenden Dämmstoffe vor. „Haus sanieren – profitieren“ berät mit Hilfe eines kostenlosen Energie-Checks Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern, die ihre Immobilie energetisch sanieren möchten. Weitere Infos: www.sanieren-profitieren.de.

Media Contact

DBU-Presseabteilung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen

Die zukunftsorientierte Gestaltung unseres Wohn- und Lebensraumes erhält eine immer größer werdende Bedeutung. Die weltweite Forschung in den Bereichen Architektur und Bauingenieurwesen leistet hierzu einen wichtigen Beitrag.

Der innovations-report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Nachhaltiges Bauen, innovative Baumaterialien, Bautenschutz, Geotechnik, Gebäudetechnik, Städtebau, Denkmalschutz, Bausoftware und Künstliche Intelligenz im Bauwesen.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Modellfabrik für Carbonbeton in Leipzig eröffnet

Carbonbeton ist deutlich nachhaltiger als Stahlbeton. An der HTWK Leipzig eröffnete mit dem Carbonbetontechnikum eine weltweit einzigartige Modellfabrik. Beton kann große Lasten tragen, brennt nicht, ist unempfindlich gegenüber äußeren Einflüssen…

Weltweit erstes Gebäude aus Carbonbeton CUBE

In der Einsteinstraße 12 in Dresden wurde gestern Geschichte geschrieben. Mit Gästen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft wurde das Carbonbetongebäude CUBE feierlich eingeweiht. Die Rektorin der Technischen Universität Dresden…

Stromversorgung – Instabile Netze verstehen

Eine nachhaltige Energieversorgung erfordert den Ausbau der Stromnetze. Neue Leitungen können aber auch dazu führen, dass Netze nicht wie erwartet stabiler, sondern instabiler werden. Das Phänomen nennt sich Braess-Paradoxon. Dieses…

Partner & Förderer