Thünen-Wissenschaftler berechnen das Holzangebot der Wälder in den kommenden vierzig Jahren

Holzverarbeitung im Sägewerk (Michael Welling)

Wie könnte sich der Wald in Deutschland in den nächsten 40 Jahren entwickeln und wie können wir ihn nutzen? Wissenschaftler des Thünen-Instituts für Waldökosysteme in Eberswalde haben dies in einem Simulationsmodell dargestellt. Danach könnten die Wälder in den nächsten vier Jahrzehnten im Mittel 77,7 Mio. Kubikmeter Rohholz pro Jahr (Erntefestmeter ohne Rinde) liefern.

Bei einer solchen angenommenen Holzentnahme steigt der Holzvorrat in den Wäldern im Verlauf der projizierten 40 Jahre weiter leicht an: um fast 6 % von 3,7 Mrd. auf 3,9 Mrd. Vorratsfestmeter. Dabei nimmt die Waldfläche mit älteren Bäumen um 22 % zu und das durchschnittliche Alter des Waldes steigt auf 94 Jahre an. Nach der dritten Bundeswaldinventur war der Wald 2012 im Durchschnitt noch 77 Jahre alt.

Dieses Szenario spiegelt die Einschätzungen von Forstexperten aus Bund und Ländern zur Waldbewirtschaftung wider und bezieht aktuelle und erwartete Marktbedingungen sowie die bestehenden gesetzlichen Vorgaben ein. In der Waldentwicklungs- und Holzaufkommens-modellierung (WEHAM) wird es Basisszenario genannt.

Wälder liefern mehr Holz, Anteile der Baumarten verschieben sich

Vergleicht man das im WEHAM-Basisszenario errechnete künftige Rohholzaufkommen mit dem der zurückliegenden Jahre, so ergibt sich eine Steigerung: Nach Auswertungen der Bundeswaldinventur sind von 2003 bis 2012 rund 75,7 Mio. Kubikmeter Rohholz pro Jahr genutzt worden, mithin 2 Millionen weniger als in der jetzigen Projektion.

Zum Rohholzpotenzial trägt die Holzartengruppe Fichte mit 44 % am stärksten bei, gefolgt von den Holzartengruppen Buche (29 %), Kiefer (20 %) und Eiche (8 %). Doch auch hier zeigen sich Verschiebungen: Im Vergleich zum Zeitraum 2003 bis 2012 wird das Potenzial der Holzartengruppe Fichte bis zum Jahr 2027 um 20 % unter der bisherigen Nutzung liegen, das Potenzial der Kiefer vergrößert sich um etwa 8 %. Die WEHAM-Berechnungen zeigen, dass die Potenziale der Holzartengruppen Buche (+ 59 %) und Eiche (+ 97 %) ebenfalls deutlich über der bisherigen Nutzung liegen.

Basisszenario und Alternativen

In das jetzige WEHAM-Basisszenario gehen die Einschätzungen von Forstexperten aus Bund und Ländern ein. Doch die Erwartungen an den Wald in Deutschland sind vielfältig und verändern sich. Thünen-Wissenschaftler arbeiten deshalb aktuell in einem Verbundprojekt an alternativen WEHAM-Szenarien, welche die unterschiedlichen gesellschaftlichen Vorstellungen zur Waldbehandlung abbilden sollen. Diese werden in einem Beteiligungsprozess mit verschiedenen Nutzer- und Interessensgruppen unter besonderer Berücksichtigung von Klima- und Biodiversitätsschutz entwickelt. Ziel ist es, aufgrund alternativer WEHAM-Szenarien die Entscheidungsgrundlage für eine nachhaltige Waldbehandlung zu vergrößern.

Hintergrund

Die Waldentwicklung- und Holzaufkommensmodellierung (WEHAM) schätzt die Entwicklung des Waldes und das Rohholzpotenzial für die nächsten Jahrzehnte. Für Politiker, Verbände, Wissenschaft und Forst- und Holzwirtschaft ist sie ein Instrument zur Prüfung waldbaulicher Ziele und zur Planung von Nutzung und Verarbeitung des Rohstoffes Holz und von Investitionen in diesen Bereich. Die Modellierung basiert auf den Daten der alle zehn Jahre erfolgenden Bundeswaldinventur. Sie wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft koordiniert, von den Ländern durchgeführt und vom Thünen-Institut wissenschaftlich koordiniert und ausgewertet.

Kontakt:
Karsten Dunger
Thünen-Institut für Waldökosysteme, Eberswalde
Tel: 03334 3820-328
Mail: karsten.dunger@ti.bund.de

https://bwi.info – Ergebnisdatenbank der Waldentwicklungs- und Holzaufkommensmodellierung und der dritten Bundeswaldinventur
http://www.bundeswaldinventur.de – Ausgewählte Ergebnisse der Bundeswaldinventur:
http://www.ti.bund.de/de/wf/verbundforschungsprojekt-weham-szenarien/ – Verbundprojekt WEHAM-Szenarien

Media Contact

Dr. Michael Welling Thünen-Institut

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften

Weltweite, wissenschaftliche Einrichtungen forschen intensiv für eine zukunftsfähige Land- und Forstwirtschaft.

Der innovations-report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Themen: Bioenergie, Treibhausgasreduktion, Renaturierung und Landnutzungswandel, Tropenwälder, Klimaschäden, Waldsterben, Ernährungssicherung, neue Züchtungstechnologien und Anbausysteme, Bioökonomie, Wasserressourcen und Wasserwiederverwendung, Artenvielfalt, Pflanzenschutz, Herbizide und Pflanzenschädlinge, digitale Land- und Forstwirtschaft, Gentechnik, tiergerechte Haltungssysteme und ressourcenschonende Landwirtschaft.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Hybride Strom-Wärme-Erzeugung

Neuartiges Parabolrinnen-Solarmodul entsteht an TU Graz. Mittels Hohlspiegel auf Photovoltaik-Zellen gebündelte Sonnenstrahlen liefern nicht nur Strom, sondern auch thermische Energie zum Heizen oder Kühlen. Drei technologische Innovationen verringern die Kosten…

Geheimnissen unserer Galaxie auf der Spur

Benachbarte Sternhaufen bewegen sich als Welle. Neue Ergebnisse deuten darauf hin, dass es keine signifikante Menge an dunkler Materie in unserer Nachbarschaft gibt. Erst vor wenigen Jahren entdeckte ein internationales…

Innovative Computertomographie

…verbessert Beurteilung der koronaren Herzkrankheit. Studie der Universitätsmedizin Mainz zeigt: Schweregrad der Erkrankung bei über 50 Prozent der Patient:innen mit Standardverfahren zu hoch eingestuft. Forschende der Universitätsmedizin Mainz haben gezeigt,…

Partner & Förderer