Fütterungstechnik – Altsauen dominieren an frei zugänglichen Futterautomaten

Wildschweine zeigen gruppendynamisches Fressverhalten: sie verfügen dabei jedoch über genügend Ausweichfläche und Individualdistanz. Bei Zuchtsauen an frei zugänglichen Abruffütterungsautomaten wurden dagegen – bei geringer Individualdistanz – rangniedere Tiere häufig durch ranghöhere am Fressen gehindert.

Die Forschungsanstalt für Agrarwirtschaft und Landtechnik in Tänikon, Schweiz, beobachtete 36 Zuchtsauen an drei Abruffütterungsstationen, die nur über Schulterblenden verfügten und nicht verschließbar waren. Für Sauen mit Futterguthaben öffnet sich die Fressstelle und schließt sich, wenn die Sau die Futterstation verlässt.

Jungsauen besuchten die Futterstation etwa 27-mal zum Fressen, während ein Viertel der älteren Sauen dies über 80-mal taten. Den Jungsauen stand zwar auch weniger Futter zu, aber sie besuchten die Futterstelle überwiegend dann, wenn die älteren Sauen diese verlassen und kein Interesse mehr hatten. So konnte die Hälfte der Jungsauen erst vier bis acht Stunden nach dem Futterstart um 6.15 Uhr zum ersten Mal fressen, ein weiteres Viertel sogar noch später.

Altsauen (3.-6. Wurf) waren zwischen 150- bis 900-mal an der Futterstation ohne zu fressen; sie versuchten jüngere Sauen dort zu vertreiben, um etwas Futter zu erhaschen. Kurz nach dem Futterstart um 6.15 Uhr fraßen die ranghohen Sauen. Erst danach stieg die Häufigkeit der Stationsbesuche bis zu 150 Besuchen pro Stunde an, um am späten Nachmittag wieder abzunehmen. Im Mittel wurden etwa 22 Minuten zur Futteraufnahme benötigt. In den ersten Stunden der Fütterung verbrachten die Sauen etwa 20 Minuten an der Futterstation ohne zu fressen.

Während Jungsauen und solche im 2. Wurf kaum Aggressionen zeigten, bei denen ein anderes Tier wich, brachten die älteren Sauen in etwa 27 Fällen andere Sauen zum Weichen. Bei Altsauen war zwischen 40- bis 160-mal Aggressionsverhalten zu beobachten. Ältere Sauen widersetzten sich deutlich stärker den Verdrängungsattacken als die Jungsauen. Bei herkömmlichen Abruffütterungssystemen mit verschließbaren Futterstationen treten zwar Aggressionen im Wartestand auf, deren Anzahl ist aber deutlich niedriger. Diese Untersuchungsergebnisse haben in der Schweiz dazu geführt, Abruffütterungssysteme ohne Einsperrmöglichkeit nicht zuzulassen, da die Tiergerechtheit nicht gegeben ist.

Media Contact

Dr. Sigrid Baars aid infodienst

Weitere Informationen:

http://www.aid.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften

Weltweite, wissenschaftliche Einrichtungen forschen intensiv für eine zukunftsfähige Land- und Forstwirtschaft.

Der innovations-report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Themen: Bioenergie, Treibhausgasreduktion, Renaturierung und Landnutzungswandel, Tropenwälder, Klimaschäden, Waldsterben, Ernährungssicherung, neue Züchtungstechnologien und Anbausysteme, Bioökonomie, Wasserressourcen und Wasserwiederverwendung, Artenvielfalt, Pflanzenschutz, Herbizide und Pflanzenschädlinge, digitale Land- und Forstwirtschaft, Gentechnik, tiergerechte Haltungssysteme und ressourcenschonende Landwirtschaft.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Kunststoffe – alles Müll?

»Open Lab« im Fraunhofer LBF gibt Einblicke in die Kunststoffforschung. Als erste Stadt in Deutschland erhielt Darmstadt vor 25 Jahren den Ehrentitel »Wissenschaftsstadt«. Auch das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit…

Zukunft der Ampel wird weiter erforscht

Das Forschungsprojekt „KI4LSA“, welches die Frage beantworten sollte, ob die Steuerung von Ampelanlagen mit künstlicher Intelligenz (KI) den Verkehrsfluss verbessern kann, bringt Fraunhofer im August 2022 zum Abschluss. Über 30…

Schmerzlinderung ohne Nebenwirkungen und Abhängigkeit

Forschende der FAU nutzen Adrenalin-Rezeptoren für hochwirksame Analgetika. Neuartige Substanzen, die Adrenalin- statt Opioid-Rezeptoren aktivieren, haben eine ähnliche schmerzlindernde Wirkung wie Opiate, jedoch keine negativen Folgen wie Atemdepression und Abhängigkeit….

Partner & Förderer