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Die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik Deutschland im Mai 2010 [1]

19.05.2010
Der wirtschaftliche Erholungsprozess in Deutschland hat nach der Wachstumsverlangsamung im Winter gegen Ende des ersten Quartals wieder Fahrt aufgenommen. Die Frühjahrsbelebung setzte früher und stärker ein als üblich.

Das Bruttoinlandsprodukt nahm insgesamt gegenüber dem Vorquartal preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,2 % zu [2]. Impulse kamen von den Ausrüstungsinvestitionen und den Exporten, denen aber ein ähnlich starker Anstieg der Importe gegenüberstand. Darüber hinaus stützte der staatliche Konsum und die Unternehmen füllten ihre Lager wieder auf. Dämpfend wirkten demgegenüber die durch die Witterungsverhältnisse beeinträchtigten Bauinvestitionen und die nochmals schwache Entwicklung der privaten Konsumausgaben.

Die konjunkturelle Erholung in Deutschland, die von der anhaltenden Wiederbelebung der Weltwirtschaft, aber auch von weiteren Nachholeffekten profitiert, dürfte sich fortsetzen und allmählich auch an Breite gewinnen. Gleichwohl bleiben die konjunkturellen Risiken hoch und sind durch die schwierige Haushaltslage in einigen Euroländern noch gestiegen. Die Politik hat allerdings schnell reagiert und so auch dazu beigetragen, die Auswirkungen der Schuldenkrise auf die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland zu begrenzen.

Im Produzierenden Gewerbe kam es im März zu einer kräftigen Belebung der Produktionstätigkeit um preis- und saisonbereinigt 4,0 %. Hierbei kamen Impulse aus der Industrie, deren Produktion sich im März um 3,4 % und im gesamten ersten Quartal um 1,3 % erhöhte. Die Nachfrage nach industriellen Erzeugnissen legte im März ebenfalls auf breiter Front kräftig zu und erhöhte sich um 5,0 %. Dabei stützte ein leicht überdurchschnittlicher Umfang an Großaufträgen vor allem die Bestelltätigkeit aus der Eurozone. Im gesamten ersten Quartal überschritt das Ordervolumen den Stand des Schlussquartals 2009 um 6,5 %. Sowohl im Inland als auch im Ausland kam es zu einer deutlichen Belebung der Bestelltätigkeit, von der vor allem die Vorleistungs- und Investitionsgüterhersteller profitierten. Auch angesichts eines aufgehellten Geschäftsklimas der Unternehmen spricht daher viel für eine weitere Erholung der Industriekonjunktur.

Die Erzeugung im Bauhauptgewerbe stand zuletzt ganz im Zeichen der Frühjahrsbelebung. Nach den witterungsbedingten Produktionsbehinderungen in den Wintermonaten erhöhte sich die Bauproduktion im März außerordentlich kräftig um 26,7 %. Das Ergebnis des Schlussquartals 2009 wurde im gesamten ersten Quartal aber noch deutlich um 7,7 % unterschritten. Die Bestelltätigkeit war zur Jahreswende noch sehr volatil, tendenziell belebte sich die Nachfrage aber deutlich. Das Auftragsvolumen machte zuletzt im Februar einen Sprung um 17,3 % nach oben. Kräftige Impulse kommen vor allem aus dem durch staatliche Aufträge geprägten Tiefbau. Die Bauproduktion dürfte in den kommenden Monaten durch weitere Nachholeffekte sowie die Konjunkturprogramme geprägt bleiben.

Die privaten Haushalte schränkten ihre Konsumausgaben im ersten Quartal weiter ein. Angesichts einer stabilen Beschäftigungsentwicklung sowie - nicht zuletzt wegen der fiskalischen Stützungsmaßnahmen - zunehmender verfügbarer Einkommen dürfte sich der private Konsum aber im weiteren Verlauf des Jahres erholen. Die Einzelhandelsumsätze - ohne Handel mit Kfz - waren im März allerdings noch um 1,6 % rückläufig. Auch die Pkw-Neuzulassungen der privaten Haushalte zeigten noch keine Besserungstendenz. Die weiter kräftige Aufhellung des Geschäftsklimas im Einzelhandel signalisiert aber, dass die Trendwende bevorsteht.

Nach den ruhigeren Wintermonaten belebte sich der deutsche Warenhandel im März außerordentlich kräftig und nahm damit seinen Erholungsprozess wieder auf. Die Ausfuhren stiegen in jeweiligen Preisen um 10,7 % und die Einfuhren sogar um 11,0 %. Zwar dürften hierbei auch Nachholeffekte eine Rolle gespielt haben. Vor allem aber war dies Ergebnis des lebhaften Erholungsprozesses der Weltwirtschaft bei hoher Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exporte. Die Belebung der Importe profitierte von der erfreulich kräftigen Frühjahrsbelebung im Inland. Die Auftragseingänge bei deutschen Industrieerzeugnissen stiegen kräftig an und unterstrichen, dass weitere außenwirtschaftliche Impulse zu erwarten sind.

Der Arbeitsmarkt blieb robust und entwickelt sich weiterhin ungewöhnlich günstig. Nachdem der strenge Winter gut überstanden wurde, setzt sich die Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt durch. Die seit Mitte 2009 zu verzeichnende stabile Entwicklung der Erwerbstätigkeit hält an. Sie erhöhte sich im März saisonbereinigt um 10.000 und die Zahl der sozialversicherten Personen im Februar um 14.000 Personen. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit fiel im April mit saisonbereinigt -68.000 außerordentlich kräftig aus. Hierbei könnte allerdings auch die Lage des Zähltages nach den Osterferien eine gewisse Rolle gespielt haben. Insgesamt gab es im April 3,406 Mio. Arbeitslose, 178.000 weniger als vor einem Jahr. Einer Zunahme der Beschäftigung in einigen Dienstleistungsbereichen steht allerdings weiterhin ein Abbau von Arbeitsplätzen in der Industrie gegenüber. Die Frühindikatoren für den Arbeitsmarkt haben sich weiter aufgehellt. Angesichts unterausgelasteter Kapazitäten im Verarbeitenden Gewerbe ist eine durchgreifende Besserung der Lage auf dem Arbeitsmarkt kurzfristig nicht zu erwarten.

Die Preisentwicklung auf der Verbraucherstufe verläuft weiterhin ruhig. Saisonbedingte Preisrückgänge bei Pauschalreisen und Beherbergungsdienstleistungen sorgten im April für einen geringfügigen Rückgang des Verbraucherpreisindex. Demgegenüber erhöhten sich die Preise für Heizöl und Kraftstoffe weiter. Sie sorgen auch dafür, dass die Verbraucherpreise im April 1,0 % über ihrem Niveau vor einem Jahr lagen. Die Kerninflationsrate betrug demgegenüber im April nur 0,3 %. Auf den vorgelagerten Stufen waren es hauptsächlich anziehende Rohstoffpreise, die Einfuhr- und Erzeugerpreise tendenziell weiter steigen ließen. Am aktuellen Rand wurden die Rohstoffpreise einschließlich Ölpreise einer merklichen Korrektur nach unten unterzogen.

Hinweis:
Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der Juni-Ausgabe des Monatsberichts "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik" veröffentlicht. Die aktuelle Ausgabe wird Mitte der 21. Kalenderwoche auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zu finden sein.
[1] In diesem Bericht werden statistische Daten verwendet, die bis zum 17. Mai vorlagen.

[2] Wenn nicht anders vermerkt, handelt es sich bei den Zahlenangaben um preis-, kalender- und saisonbereinigte Angaben und bei Veränderungsraten um Angaben gegenüber dem Vorzeitraum. Die Saisonbereinigung erfolgt nach dem Verfahren Census-X-12_ARIMA.

| BMWi
Weitere Informationen:
http://www.bmwi.de

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