Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rückläufige Stahlerzeugung in Deutschland zu erwarten

20.10.2011
Die Rohstahlproduktion in Deutschland wird in diesem Jahr voraussichtlich um 0,2% steigen und im kommenden Jahr um 7,9% sinken. Damit wird jedoch wohl nur ein moderater Beschäftigungsrückgang verbunden sein.

Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle Stahlbericht des RWI. Die weltweite Stahlproduktion wird demnach 2011 und 2012 wohl nur verhalten zunehmen. Treibende Kraft dürften dabei die Schwellenländer bleiben, während die Stahlproduktion in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften eher weiter zurückgehen dürfte.

Die deutsche Stahlindustrie hatte sich rasch von der Rezession erholt, im Frühjahr 2010 lag die Monatsproduktion bei über 4 Millionen Tonnen. Seitdem schwankt sie bei weiter aufwärts gerichteter Nachfrage um einen Wert von 3,7 Millionen Tonnen pro Monat. Dies entspricht einer mittleren Kapazitätsauslastung von 86%. Die Schwankungen sind zum einen eine Folge des Lagerzyklus. So wurden sowohl in der ersten Jahreshälfte 2010 als auch 2011 die Lager aufgestockt, es folgte jeweils ein Lagerabbau in der zweiten Jahreshälfte. Zudem wurde im vergangenen Jahr in vielen europäischen Ländern im Rahmen von Konjunkturprogrammen die Nachfrage nach Kraftfahrzeugen gefördert.

Dies führte zu vermehrten deutschen Stahlexporten für die ausländische Automobilindustrie. Als die Förderprogramme im Verlaufe des Jahres 2010 ausliefen, sanken auch die Stahlausfuhren. Gleichzeitig stiegen die Stahleinfuhren nach Deutschland, weil durch das kommunale Investitionsprogramm vermehrt gebaut wurde und dafür weitgehend Stahlsorten aus dem Ausland zum Einsatz kamen. Seit dem Frühjahr 2011 ist die Handelsbilanz mit Walzstahl negativ, es wird also mehr ein- als ausgeführt. Seitdem gibt auch die inländische Erzeugung nach.

Die Erlöse der Stahlindustrie blieben trotz der guten Kapazitätsauslastung und der nach wie vor recht kräftigen Nachfrage unter Druck. Einerseits stiegen die Kosten der Stahlerzeugung aufgrund verteuerter Rohstoffe kräftig. Andererseits konnten an den Absatzmärkten nur geringe Preiserhöhungen durchgesetzt werden, zuletzt waren die Verkaufspreise sogar leicht rückläufig.

Prognose: Deutsche Rohstahlproduktion wird 2012 sinken

Für den weiteren Verlauf dieses Jahres erwartet das RWI insgesamt eine nahezu gleichbleibende, für das kommende Jahr eine rückläufige deutsche Rohstahlproduktion. Sie dürfte in diesem Jahr durchschnittlich um 0,2% steigen, im nächsten Jahr um 7,9% auf 40,4 Millionen Tonnen zurückgehen. Damit würde die Kapazitätsauslastung voraussichtlich auf unter 80% sinken. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Zum einen dürfte die Produktion der Stahlverwender insbesondere aufgrund der zu erwartenden nachlassenden Investitionsdynamik im nächsten Jahr nur noch um durchschnittlich 1,4% steigen. Zudem dürften die gefüllten Lager geleert werden und die Exporte wegen der flauen Konjunktur im Euro-Raum nur verlangsamt wachsen.

Die Erfahrungen aus der Finanzkrise zeigen, dass Unternehmen bei einer Knappheit an qualifizierten Arbeitskräften bemüht sind, Produktionsrückgänge nicht unmittelbar auf die Beschäftigung durchschlagen zu lassen. Daher ist in der Stahlindustrie für 2012 nur ein moderater Rückgang der Beschäftigung um 1,4% zu erwarten. Dies impliziert einen Produktivitätsrückgang um 6,5%, der jedoch voraussichtlich nur vorübergehend hingenommen werden wird.

Stahlproduktion in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften eher rückläufig

Auch der internationale Stahlmarkt hatte sich von dem Einbruch während der Rezession rasch erholt. Bereits im März 2010 übertraf die weltweite Rohstahlerzeugung das Vorkrisenniveau. Entscheidend hierfür war die kräftige Zunahme der chinesischen Produktion. In den fortgeschrittenen Volkswirtschaften lag die monatliche Stahlerzeugung hingegen bis zuletzt unter der vor der Rezession. Im Januar 2011 scheint die globale Rohstahlproduktion ihren Höhepunkt überschritten zu haben. Ursache hierfür war zum einen, dass die Industrieproduktion weltweit weniger stark wuchs. Zum anderen scheint die Stahlerzeugung stärker auf konjunkturelle Verlangsamung zu reagieren als früher. Trotzdem blieben die Preise für die Rohstoffe der Stahlindustrie hoch, die Notierungen für Eisenerz und Schrott befinden sich sogar nahe dem historischen Höchststand. Beim Eisenerz ist der hohe Preis überwiegend auf die Marktmacht weniger Anbieter zurückzuführen, hinzu kommt der hohe Zeit- und Kostenaufwand, um neue Lagerstätten zu erschließen. Trotz flauer Nachfrage dürften die Preise daher kaum sinken.

Das RWI rechnet für 2011 und 2012 mit einer zwar anhaltenden, aber schwachen Expansion der Weltwirtschaft. Entsprechend dürfte die weltweite Nachfrage nach Stahl nur verhalten zunehmen. Für den Jahresdurchschnitt 2011 zeichnet sich zwar ein Plus bei der Rohstahlerzeugung von knapp 8% ab. Dieses resultiert aber allein aus dem hohen statistischen Überhang und dem kräftigen Zuwachs zu Jahresbeginn, während aktuell die Erzeugung leicht sinkt. Für das kommende Jahr ist mit einer allmählichen Produktionsausweitung zu rechnen, da die dämpfenden Effekte in Japan wohl wegfallen werden und wieder mit einem allmählichen Lageraufbau zu rechnen ist. Allerdings dürfte die Zunahme mit etwa 5% im Jahresdurchschnitt verhalten bleiben. Treibende Kraft werden wohl die Schwellenländer bleiben, während sich in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften, angesichts der dort schwachen gesamtwirtschaftlichen Expansion, eher eine Fortsetzung des Produktionsrückgangs abzeichnet.

Ihre Ansprechpartner dazu:
Prof. Dr. Roland Döhrn Tel.: (0201) 8149-262
Sabine Weiler (Pressestelle) Tel.: (0201) 81 49-213
Dieser Pressemitteilung liegt der „Stahlbericht“ aus dem aktuellen Konjunkturbericht des RWI zugrunde, er ist unter www.rwi-essen.de/publikationen/rwi-konjunkturberichte/ als pdf-Datei erhältlich.

Joachim Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de/presse/
http://www.rwi-essen.de/publikationen/rwi-konjunkturberichte/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Indikator: Keine Rezessionsgefahr, keine Anzeichen für konjunkturelle Überhitzung
19.02.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer auf Rekordstand
29.01.2018 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics