Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Regionale Arbeitsmärkte im Blick

18.12.2014

Warum unterscheiden sich die Regionen eines Landes stark in punkto Arbeitslosigkeit, Löhnen oder Produktivität? Wie verändern sich diese Unterschiede im Lauf der Zeit? Mit solchen Fragen befasst sich Juniorprofessor Wolfgang Dauth am Volkswirtschaftlichen Institut.

Auf seiner Homepage hat Wolfgang Dauth ein Satellitenbild platziert, das sehr schön sein Forschungsinteresse illustriert: Es zeigt die Erde bei Nacht. „Die am hellsten erleuchteten Gebiete sind auch diejenigen, in denen die wirtschaftliche Aktivität am größten ist“, sagt der Juniorprofessor. Warum ballen sich die Lichter an manchen Orten zusammen, an anderen aber nicht? Dieser Frage geht Dauth mit statistisch-analytischen Methoden nach.

Wirtschaftsstandorte mit Zahlen beschreiben

Der Professor erklärt das mit einem einfachen Beispiel: „Stellen Sie sich vor, Sie gründen eine Technologiefirma und überlegen, wo Sie sich niederlassen wollen.“ In einem Science Park in München, wo die Mieten, Löhne und anderen Kosten relativ hoch sind? Oder lieber in einer Kleinstadt mit ländlichem Umfeld? „Ganz eindeutig: Sie werden ins teurere München gehen – weil Sie dort leichteren Zugang zu Lieferanten, zu qualifizierten Fachkräften und vor allem zum Wissensaustausch mit Firmen bekommen, die schon dort sind“, so Dauth.

All diese Effekte eines Wirtschaftsstandorts lassen sich messen und in Zahlen fassen. Dabei interessiert sich Dauth für alle Wirtschaftszweige in allen Regionen Deutschlands. Wie sind die Branchen verteilt, wo sind sie konzentriert, wie haben sich die Standorte über die Zeit entwickelt? Die Ergebnisse seiner statistischen Analysen fließen unter anderem in die Politikberatung, etwa bei der Bundesagentur für Arbeit und beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Auswirkungen des wachsenden Außenhandels

Aktuell arbeitet Dauth mit Kollegen von den Universitäten Mannheim und Düsseldorf an einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt. Es geht dabei um die Frage, welche Auswirkungen der rasant gewachsene Außenhandel mit China und Osteuropa im Zeitraum von 1988 bis 2008 auf die Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe hatte.

„Rein rechnerisch gibt es durch diesen stark gestiegenen Außenhandel in Deutschland 300.000 bis 400.000 Jobs mehr“, so der Professor. Allerdings falle dieser Beschäftigungseffekt je nach Branche und Region sehr unterschiedlich aus. Für einen Schuhhersteller in der Südwestpfalz zum Beispiel sei die zunehmende Konkurrenz mit China und Osteuropa eher ein Problem gewesen, während ein Autobauer in München oder Ingolstadt extrem davon profitieren konnte.

Diese Situation und ihre Auswirkungen auf die lokalen Arbeitsmärkte nehmen die Wissenschaftler im DFG-Projekt genauer unter die Lupe. Beispiel: Wenn der pfälzische Schuhproduzent wegen der chinesischen Konkurrenz Beschäftigte entlassen musste – wie reagierten die darauf? Wechselten sie in einen Job in einer anderen Branche? Verließen sie ihre Region und suchten woanders Arbeit? Oder blieben sie in der Arbeitslosigkeit?

Das Projekt läuft bis Oktober 2017. Erste Resultate deuten darauf hin, dass Beschäftigte in Branchen, die durch Importe verdrängt werden, selten überregional nach Jobs suchen. Stattdessen nehmen sie eher die Arbeitslosigkeit oder Jobs in anderen Branchen mit einem oft geringeren Lohn in Kauf.

Internationale Erfahrung und Nachwuchsförderung

Dauth hat im Lauf seiner Karriere an vielen wissenschaftlichen Konferenzen im In- und Ausland teilgenommen. Als Experte für regionale Arbeitsmarktpolitik hielt er auch Gastvorträge bei Behörden in Südkorea, Ungarn, Russland, Serbien und Österreich. Im Lauf seiner Promotion erhielt er auf internationalen Tagungen mehrere Auszeichnungen als bester Nachwuchswissenschaftler: Prämiert wurden jeweils die Publikationen, die er für die Tagungen eingereicht hatte.

Aktuell engagiert sich der 31-Jährige unter anderem als Mitveranstalter der „Young Scientist Sessions“ auf den Kongressen der europäischen Regionalforscher, der „European Regional Science Association“. Diese Sitzungen geben dem wissenschaftlichen Nachwuchs die Gelegenheit, seine Forschungsarbeiten mit renommierten Wissenschaftlern aus aller Welt zu diskutieren.

Werdegang von Wolfgang Dauth

Wolfgang Dauth wurde 1983 in Nürnberg geboren und wuchs in Schwabach auf. Nach dem Abitur studierte er Volkswirtschaftslehre an der Universität Erlangen-Nürnberg und schloss dort 2012 auch seine Promotion ab. Während und nach der Promotion war er als Gastwissenschaftler zeitweilig in den USA – an der John F. Kennedy School of Government der Harvard University und am Volkswirtschaftlichen Department des Massachusetts Institute of Technology, MIT.

Als Doktorand im Graduiertenprogramm der Universität Erlangen-Nürnberg war Dauth gleichzeitig wissenschaftlicher Mitarbeiter am Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), einer Institution der Bundesagentur für Arbeit. Für das IAB war er auch bis zu seinem Wechsel an die Universität Würzburg tätig. Hier ist er nun seit Oktober 2014 Juniorprofessor für empirische Regional- und Außenhandelsforschung am Volkswirtschaftlichen Institut.

Kontakt

Prof. Dr. Wolfgang Dauth, Volkswirtschaftliches Institut, Universität Würzburg, T (0931) 31-86932, wolfgang.dauth@uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.wiwi.uni-wuerzburg.de/lehrstuhl/vwljp1/startseite/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitsmarkt bleibt im Aufwind
27.04.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland
25.04.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie