Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pflegeheime: Gute Aussichten trotz vorübergehender Überkapazitäten

30.06.2009
Teure Pflegeheime sind nicht die besseren, die regionalen Preisunterschiede sind enorm, die Zahl der Pflegefälle wird weiter ansteigen und zu einem großen Bedarf an Fachkräften führen.

Dies sind einige der Ergebnisse des "Pflegeheim Rating Report 2009 - Konsolidierung voraus!" von RWI, ADMED GmbH und HCB GmbH. Er zeigt zudem, dass die wirtschaftliche Lage der Pflegeheime langfristig stabil sein sollte, auch wenn es aktuell noch Überkapazitäten gibt.

Eine Gefahr stellt die geplante Einführung eines Mindestlohns für Pflegekräfte dar. Ein hoher Mindestlohn könnte mittelfristig zu einer Versorgungslücke mit Pflegeplätzen führen, wenn dadurch Insolvenzen zunehmen und sich privates Kapital [...]

Teure Pflegeheime bieten nicht immer auch die bessere Pflege, zwischen Preisniveau und Ergebnisqualität lässt sich kein statistischer Zusammenhang feststellen. Zwar sind teurere Heime beispielsweise baulich besser ausgestattet und bieten eine bessere soziale Betreuung. In Bereichen wie beispielsweise Flüssigkeits- und Nahrungsgabe, Sondenernährung und Versorgung bei Demenz schneiden sie jedoch nicht nachweisbar besser ab. Ein Grund hierfür könnte der derzeit kaum ausgeprägte Qualitätswettbewerb zwischen Pflegeheimen sein. Dies ist eines der Ergebnisse des aktuellen "Pflegeheim Rating Report 2009", in dem RWI, ADMED GmbH und Institute for Health Care Business GmbH (HCB) zum zweiten Mal die derzeitige und zukünftige Situation des deutschen Pflegemarkts untersucht haben. Für die Untersuchung des Teilaspekts Qualität wurden Daten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) in Rheinland-Pfalz verwendet, des Weiteren greift die Studie auf Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder und auf Jahresabschlüsse von über 1 000 Pflegeheimen zurück.

Zahl der Pflegebedürftigen und Pflegeplätze wird weiter steigen

Der deutsche Pflegemarkt ist geprägt von steigenden Zahlen. Zwischen 1997 und 2007 hat sich sein Anteil an allen Gesundheitsausgaben von 8,6% auf 11% erhöht. Die Zahl der Pflegebedürftigen ist alleine zwischen 2005 und 2007 um 5,6% auf 2,25 Millionen Menschen angestiegen. Da immer weniger Pflege von Angehörigen geleistet wird, gewinnt die professionelle ambulante und stationäre Pflege zunehmend an Bedeutung. Bis zum Jahr 2020 wird die Zahl der stationären Pflegefälle voraussichtlich um 36%, bis zum Jahr 2030 sogar um 57% ansteigen. Vor diesem Hintergrund ist mit einem zusätzlichen Bedarf von fast 80 000 Pflegefachkräften bis 2020 zu rechnen. Die Kapitalreserve der Sozialen Pflegeversicherung dürfte bei konstanten Pflege- und Erwerbsquoten bis etwa 2021 aufgezehrt sein.

In den vergangenen Jahren nahm das Angebot an Pflegeplätzen überproportional zu. Bis 2011 ist mit einer sinkenden Auslastung zu rechnen. Dennoch werden gegenüber 2010 bis zum Jahr 2020 rund 150.000, bis zum Jahr 2030 sogar rund 310.000 neue Pflegeplätze benötigt werden. Bis zum Jahr 2020 ist mit einem Investitionsbedarf von 27 Milliarden Euro in die stationäre Versorgung zu rechnen. Auf regionaler Ebene bestehen signifikante Preisunterschiede für die stationäre Pflege. Besonders teuer sind Heime in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern und Schleswig-Holstein. Günstig sind Heime in den ostdeutschen Ländern und Niedersachsen. Wachsende Transparenz über Preise und Qualität, ein wachsender Eigenanteil der Pflegebedürftigen und zunehmender Wettbewerb dürften dafür sorgen, dass die Preisdifferenzen abnehmen.

Mindestlohn könnte zu Versorgungsengpässen führen

Die wirtschaftliche Lage der Pflegeheime hat sich seit dem "Pflegeheim Rating Report 2007" kaum verändert. Es befinden sich immer noch 13% der Heime, was ihre Finanzlage angeht, im insolvenzgefährdeten "roten", 72% hingegen im "grünen" Bereich. Damit weist jedes siebte Pflegeheim eine erhöhte Insolvenzgefahr auf. Heime in privater Trägerschaft schneiden mit 16% im "roten Bereich" signifikant schlechter ab also solche in freigemeinnütziger und öffentlich-rechtlicher Trägerschaft (jeweils rund 10%). Dies dürfte daran liegen, dass verhältnismäßig viele private Heime in ländlichen Regionen liegen. Insgesamt schneiden die Pflegeheime bezüglich Insolvenzwahrscheinlichkeit besser ab als Krankenhäuser und Reha-Kliniken und sind vergleichbar mit westdeutschen Unternehmen anderer Branchen. Bis 2011 dürfte sich die Lage wegen sinkender Auslastung und Finanzkrise leicht verschlechtern.

Langfristig ist auf dem Pflegemarkt jedoch eine stabile Situation zu erwarten, bis 2020 dürften fast 70% der Heime im grünen Bereich liegen. Risiken für diese Entwicklung sind ein hoher Mindestlohn, eine starke Verschiebung der Nachfrage sowie ein Preisdruck infolge zunehmenden Wettbewerbs. Ein hoher Mindestlohn von beispielsweise 9,68 Euro pro Stunde würde vor allem zu einer schlechteren Lage für Anbieter in Ostdeutschland, private Anbieter und von ambulanten Diensten führen. In der Folge würde sich mittelfristig die Insolvenzwahrscheinlichkeit erhöhen. Eine geringere Verzinsung des Eigenkapitals würde zudem zu einem teilweisen Rückzug von privatem Kapital führen. Es dürfte zu einer Versorgungslücke von rund 100 000 Plätzen im stationären und 160 000 Plätzen im ambulanten Bereich bis 2020 kommen, Konsequenzen wären Wartelisten und steigende Preise. In diesem Fall müssten die Pflegebedürftigen mit einer Belastung in der Größenordnung von mindestens 250 Millionen Euro rechnen.

Das Pflegeheim der Zukunft bietet individuelle Leistungsangebote

Zwar können Pflegeheime in den nächsten Jahren und Jahrzehnten mit einem sicheren Nachfragewachstum rechnen. Trotzdem müssen sich gerade Heime in Hochpreisregionen auf einen wachsenden Preisdruck einstellen und deshalb ihre Leistungen effizienter erbringen. Es ist daher damit zu rechnen, dass sich verstärkt Pflegeheimketten bilden werden, welche Synergiepotenziale heben können. Zudem sollten sich Pflegeheime auf die Bedürfnisse bestimmter Patientengruppen einstellen. Je nach Budget des Pflegebedürftigen sind beispielsweise Standard- und Premiumpakete mit Zusatzleistungen denkbar. Zudem sollten Heime ihre Pflegequalität transparenter machen und diese als Wettbewerbsvorteil einsetzen.

Ihre Ansprechpartner:
Dr. Boris Augurzky (RWI Essen) Tel.: (0201) 8149-20
Dr. Sebastian Krolop (ADMED GmbH) Tel.: (02238) 475-300
Sabine Weiler (Pressestelle RWI Essen) Tel.: (0201) 8149-213
Dieser Pressemitteilung liegt die Studie "Pflegeheim Rating Report 2009 - Konsolidierung voraus!" zugrunde. Das Executive Summary ist unter www.rwi-essen.de/presse oder www.admed.com als pdf-Datei erhältlich. Die komplette Studie kann für 230 Euro inkl. 7% MwSt. beim RWI Essen, der ADMED GmbH oder der HCB GmbH bestellt werden.

RWI Essen, ADMED GmbH und HCB GmbH haben gemeinsam bereits mehrere Gutachten im Gesundheitsbereich erstellt, in jüngster Zeit unter anderem den "Krankenhaus Rating Report 2009" und den "Reha Rating Report 2009".

Joachim Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de/presse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert
22.08.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitslosigkeit sinkt verhaltener
27.07.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie