Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Keine Verbesserung der Befriedigungsquoten nach der Insolvenzrechtsreform

09.07.2009
Mit der 1999 erfolgten Reform des Insolvenzrechts war die Hoffnung auf höhere Befriedigungsquoten für Insolvenzgläubiger und mehr Unternehmensfortführungen insolventer Unternehmen durch Eigensanierungen im Planverfahren verbunden.

Diese Erwartungen haben sich nach Untersuchungen des IfM Bonn bislang nicht erfüllt: Die Befriedigungsquote der Insolvenzgläubiger im Regelverfahren verharrt auch nach der Reform unverändert bei 5 %.

Anders sieht die Situation unter Anwendung des Insolvenzplanverfahrens aus, das meist eine Eigensanierung vorbereitet. Hier konnten Befriedigungsquoten von über 10 % erzielt werden. Das Verfahren wird allerdings nur in 1 % aller Insolvenzfälle angewendet.

Befriedigungsquote für Insolvenzgläuber verharrt bei 5 %

In 99 % der betrachteten Unternehmensinsolvenzen wurde das sogenannte Regelverfahren eröffnet. Allerdings waren dabei in 63 % die zum Verfahrensende verbliebenen Unternehmensvermögen so gering, dass die verteilbare Masse am Ende bei Null Euro lag. Die unbesicherten Insolvenzgläubiger gingen also in der Schlussverteilung leer aus, weil z.B. das Vermögen nach Abzug der vorrangig zu bedienenden Forderungen und der Verfahrenskosten vollständig aufgezehrt war oder die Verfahrenseröffnung allein durch eine Stundung der Verfahrenskosten ermöglicht wurde.

In den verbleibenden 37 % der Verfahren reichte die im Rahmen der Schlussverteilung zu verteilende Masse lediglich dazu aus, durchschnittlich 5,4 % der offenen Forderungen der Insolvenzgläubiger zu befriedigen. Bei Einzelunternehmen lag die Befriedigungsquote bei 4,8 % und bei Unternehmen in der Rechtsform der GmbH bei 5 %. Nur bei Personengesellschaften und Aktiengesellschaften wurde mit 10 % etwas mehr ausgeschüttet.

Bezogen auf alle Regelverfahren realisierten die Insolvenzgläubiger durchschnittlich 3,6 % ihrer Forderungsbeträge. Verglichen mit einer Quote von knapp 5 % vor der Reform des Insolvenzrechts hat sich ihre Situation nicht verbessert. Die Aussichten, im Regelverfahren einen wesentlichen Teil der Forderungen realisieren zu können, bleiben für Insolvenzgläubiger weiterhin äußerst gering.

Nur 1 % der Insolvenzfälle wird mittels Insolvenzplanverfahren saniert - dabei werden Befriedigungsquoten von über 10 % erzielt

Anders sieht die Situation unter Anwendung des Insolvenzplanverfahrens aus, das meist eine Eigensanierung vorbereitet. Das Verfahren wird allerdings nur in 1 % aller Insolvenzfälle angewendet. Auch wenn hier aufgrund geringer Fallzahlen nur Näherungswerte berechnet werden konnten, schnitten die Insolvenzgläubiger in Planverfahren deutlich besser ab als in Regelverfahren. Sie erzielten bei Einzelunternehmen im Durchschnitt 13 % der Forderungssumme, bei Gesellschaften sogar gut 60 %.

Fazit: Die Insolvenzrechtsreform führte bisher zu keiner grundlegenden Verbesserung der Befriedigungsquoten der Insolvenzgläubiger. Die Quoten sind bei allen Verfahren ernüchternd niedrig, was angesicht einer meist langen Verfahrensdauer keine gute Botschaft für Gläubiger insolvenzgefährdeter Unternehmen ist. Die positive Ausnahme bilden Insolvenzplanverfahren. Diese sind jedoch äußerst selten, womit auch hier das Ziel der Reform bisher nicht erreicht wurde.

Statistische Basis der Berechnungen

Grundlage der Analyse ist eine Sonderauswertung der beim Landesbetrieb IT.NRW eingegangenen Ergebnismeldungen für Insolvenzverfahren von Unternehmen der Jahre 2002 bis 2007. In die Auswertung gelangten 15.000 Insolvenzverfahren, die bis Ende 2008 mit einer Schlussverteilung abgeschlossen wurden, sowie rund 150 Insolvenzplanverfahren. Es wurden Unternehmen aller Rechtsformen einbezogen, d.h. auch Einzelunternehmen und Freiberufler, jedoch keine Verbraucherinsolvenzverfahren. Insolvenzanträge, bei denen mangels Masse eine Verfahrenseröffnung abgelehnt wurde, sind ausgeschlossen. Die Ergebnisse für NRW können als repräsentativ für die Bundesrepublik erachtet werden.

Nadine Schlömer | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-bonn.org/index.php?id=772

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index sinkt nach März-Hoch
23.05.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt niedrig
19.05.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten