Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bei IWF-Reform Schwellenländer stärken und EU-Stimmrechte bündeln

13.11.2008
Positionspapier zum Weltwirtschaftsgipfel sieht zentrale Rolle des Währungsfonds bei der Reform des internationalen Finanzwesens

Mit Blick auf den Weltwirtschaftsgipfel am kommenden Wochen­ende in den USA fordert die Bertelsmann Stiftung mehr Gewicht für die Schwellenländer beim In­ternationalen Währungsfonds (IWF). In einem Positionspapier empfiehlt die Stiftung, dafür die Sitze und Stimmrechte der Europäischen Union zu begrenzen und zu bündeln.

"Auf diese Weise stärkt die EU auch ihr Gewicht bei der Gestaltung des internationalen Währungs- und Finanzsys­tems", erläutert Dr. Robert Vehrkamp, Direktor des Europaprogramms der Stiftung.

"Obwohl die Europäer über fast ein Drittel der Stimmrechte im IWF verfügen, bleibt ihr Einfluss bisher gering", so Vehrkamp. Denn obwohl sie sich um Einigkeit bemühten, übten sie ihre Mitspra­cherechte bei konkreten Entscheidungen noch immer getrennt und häufig nach rein nationalen Interessen aus: "Daraus erwächst keine Gestaltungsmacht."

Vehrkamp sieht aber keine Gefahr, dass eine Stimmenreduzierung den Einfluss der EU beim IWF verringert. Um ihn zu sichern, sei für die EU allenfalls ein Stimmanteil mit einer Sperrminorität wie der der USA von etwa 17 Prozent erforderlich. Gleichzeitig schaffe ein einseitiger Verzicht auf Stimmrechte aber "den Spielraum für eine Neuverteilung der Sitze zugunsten der unterrepräsen­tierten Schwellen- und Entwicklungsländer und die neuen Wachstumszentren werden stärker an der Verantwortung für die Weltwirtschaft beteiligt." Bislang verfügen im IWF die 36 führenden Industrieländer über zwei Drittel der Stimmrechte. Das restliche Drittel verteilt sich auf 149 Schwellen- und Entwicklungsländer, zu denen auch China (3,7 Prozent), Indien (1,9 Prozent) und Brasilien (1,4 Prozent) gehören.

Nach Einschätzung der Bertelsmann Stiftung kann der IWF eine zentrale Rolle bei der Reform des globalen Finanzsystems spielen. Voraussetzung sei aber eine Reform, welche die Schwellenlän­der mehr in die Verantwortung einbindet. "Diese Verantwortung und Lastenteilung übernehmen sie aber nur, wenn sie gleichzeitig darin angemessener mitwirken können", argumentiert Vehrkamp. China, Indien und andere Schwellenländer würden den IWF erst dann als globale Autorität zur Schaffung neuer Regeln für die Weltfinanzmärkte anerkennen, wenn sie sich angemessen vertre­ten fänden: "Dies wäre nicht zuletzt ein wichtiger Schritt in Richtung einer gerechten Teilhabe die­ser Länder an der internationalen Politik."

Konkret schlägt das Positionspapier eine rasche Bündelung der Stimmrechte der Eurogruppe in einer Stimmrechtsgruppe vor. Dies sei auch ohne eine Änderung der Statuten des IWF möglich, erläutert Robert Vehrkamp: "Eine einseitige Initiative der Eurogruppe reicht hier aus, um den Re­formzug sofort auf das richtige Gleis und gleichzeitig unter Dampf zu setzen."

Die G-20 repräsentiert etwa 90 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung, 80 Prozent des Welthan­dels und zwei Drittel der Weltbevölkerung, während der Anteil der G-8 Industrieländer bei der Wirt­schaftsleistung inzwischen bei weniger als der Hälfte des globalen Bruttoinlandsproduktes (BIP) und ihr Anteil an der Weltbevölkerung bei lediglich knapp 14 Prozent liegt. Neben den G-8 Ländern USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und Russland sind in der G-20 Argentinien, Australien, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea und die Türkei vertreten. Europa ist darüber hinaus durch den Ratspräsidenten der EU sowie durch die Europäische Zentralbank vertreten, die ebenso wie der IWF und die Weltbank an den Sitzungen der G-20 teilnehmen.

Über die Bertelsmann Stiftung:

Die Bertelsmann Stiftung setzt sich für das Gemeinwohl ein. Sie engagiert sich in den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Soziales, Gesundheit sowie Internationale Verständigung und fördert das friedliche Miteinan­der der Kulturen. Durch ihr gesellschaftliches Engagement will sie alle Bürgerinnen und Bürger ermutigen, sich ebenfalls für das Gemeinwohl einzusetzen. Die 1977 von Reinhard Mohn gegründete, gemeinnützige Einrichtung hält die Mehrheit der Kapitalanteile der Bertelsmann AG. Die Bertelsmann Stiftung arbeitet ope­rativ und ist unabhängig vom Unternehmen sowie parteipolitisch neutral.

Rückfragen an: Dr. Robert B. Vehrkamp, Direktor im Programm "Europas Zukunft" der Bertelsmann Stiftung, Telefon: 0 52 41 / 81 - 81 526

Ute Friedrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de
http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xbcr/SID-0A000F0A-D23FB6FB/bst/spotlight%20europe_Eine%20Stimme%20Euro_08-09-01.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Wert fest „im grünen Bereich“ - IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr sinkt auf nur 5,1 Prozent
14.09.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Konjunkturprognose: Deutsche Wirtschaft nähert sich der Hochkonjunktur
07.09.2017 | Institut für Weltwirtschaft (IfW)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie