Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frauen überholen Männer im Arbeitsmarkt

06.02.2009
Massenkündigungen und Rezession krempeln Marktgefüge um

Seit Beginn der Wirtschaftskrise und der rezessiven Entwicklung wächst der Anteil von Frauen im Arbeitsmarkt. So betreffen die weltweit radikalen Einschnitte bei Arbeitsplätzen mit überwiegendem Großteil Männer.

Wirtschaftsexperten rechnen daher damit, dass Frauen Männer am Arbeitsmarkt anteilsmäßig überholen werden. Grund dafür ist der New York Times zufolge jedoch keine zunehmende Gleichstellung der Geschlechter. Vielmehr tendieren jene Marktsegmente, in denen vorwiegend Männer beschäftigt sind, zu stärkeren Kürzungen als für Frauen "typische" Branchen.

Damit einher gehe den Ökonomen nach auch eine neue Rollenverteilung in der Gesellschaft, wonach Frauen künftig mehr Arbeitslast auferlegt werde bzw. sie zunehmend die Rolle des Familienunterhalters einnehmen. An der ungleichen Entlohnung bei gleicher Tätigkeit werde sich zu Ungunsten von Arbeitnehmerinnen vorerst jedoch nichts ändern.

"In der Tat ist das produzierende Gewerbe, in dem tendenziell mehr Männer beschäftigt sind, konjunkturempfindlicher als das Dienstleistungsgewerbe", erklärt Holger Schäfer, Arbeitsmarktexperte am Institut der deutschen Wirtschaft Köln, im Gespräch mit pressetext. Dass Frauen den Männern angesichts der Verwerfungen im Arbeitsmarkt den Rang ablaufen, könne daher auf die aktuelle Konjunkturlage zutreffen.

"Die Verschiebung hält aber nicht dauerhaft an. Mit dem nächsten Aufschwung wird das Verhältnis wieder egalisiert", meint der Experte. Dem Center for American Progress zufolge entfallen satte 82 Prozent der derzeitigen Stellenstreichungen auf Männer. Frauen seien hingegen eher in Bereichen tätig, die mehr Zeit für Kindererziehung und Hausarbeit ließen und weniger empfindlich für wirtschaftliche Hochs und Tiefs seien. Nach Informationen des auf Auslagerungen spezialisierten Unternehmens Challenger, Gray & Christmas ist die Zahl der Kündigungen im Jänner allein in den USA um 45 Prozent auf rund 242.000 explodiert.

Der Drang zur eigenständigen Erwerbstätigkeit von Frauen hat sich bereits in den vergangenen Jahren verstärkt. Durch die Rezession würden sich nicht nur Haushaltsbudgets und -gewohnheiten, sondern auch die Rollenverteilung der Geschlechter ändern. Der Prozentsatz jener Familien, deren Unterhalt von Frauen bestritten wird, befinde sich in den USA bereits im Steigen. Dem Bureau of Labor Statistics nach entfielen im November des Vorjahres bereits 49,1 Prozent der Jobs auf US-Amerikanerinnen. Im Zuge der weiteren wirtschaftlichen Eintrübung erwarten die Ökonomen gegen Ende 2009 erstmals einen höheren Arbeitsmarktanteil von Frauen. Beim Einkommen werden Mitarbeiterinnen im Vergleich zu ihren männlichen Pendants jedoch nach wie vor stark benachteiligt. Jedem von Männern verdienten Dollar sollen trotz gleicher Tätigkeit und Arbeitszeit nur 80 Cent an Einkommen für Frauen gegenüberstehen.

Die globale Wirtschaftsentwicklung hat auch am deutschen Arbeitsmarkt ihre Spuren hinterlassen, wie in den jüngsten Arbeitslosenzahlen deutlich wurde (pressetext berichtete: http://pte.at/pte.mc?pte=090202024). Dabei ist hierzulande auch auf lange Sicht eine neue Rollenverteilung zu erwarten.

"Während die ältere weibliche Generation im Vergleich zu gleichaltrigen Männern relativ schlecht ausgebildet ist, verhält sich die Situation bei jüngeren Frauen gegenüber jungen Männern genau umgekehrt", erklärt Schäfer gegenüber pressetext. Früher oder später werde daher das Ausmaß erwerbstätiger Frauen jenes der Männer übersteigen. Allerdings stehe die Entwicklung dabei nicht nur unter dem Einfluss des Faktors Qualifikation. "So wird der Anteil erwerbstätiger Frauen durch andere Faktoren wie die Rolle als Mutter automatisch gesenkt", schließt Schäfer.

Manuel Haglmüller | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.iwkoeln.de
http://www.americanprogress.org
http://www.bls.gov

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Indikator: Konjunkturampel schaltet von „gelb“ auf „grün“
16.05.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das erste Quartal 2018
30.04.2018 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics