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Forscher der TU München und DSW analysieren Vorstandsgehälter

19.08.2008
Der Wirtschaftswissenschaftler Gunther Friedl vom Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre - Controlling der Technischen Universität München und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) haben wie bereits im letzten Jahr die Vorstandsvergütung der 30 DAX-Unternehmen unter die Lupe genommen.

Demnach erhielt ein durchschnittliches Mitglied eines DAX-Vorstands in 2007 eine Vergütung im Wert von 2,93 Mio. Euro. Die Gehälter der deutschen Manager sind damit im vergangenen Jahr durchschnittlich um 7,75 Prozent gestiegen.

Im Gegensatz zum letzten Jahr, in dem auch die fixen, erfolgsunabhängigen Bezüge relativ stark angestiegen sind, rührt der Anstieg in diesem Jahr vor allem von einem Anstieg der variablen Barbezüge her. Diese sind im Großen und Ganzen durch den Anstieg der Unternehmensgewinne begründet. Die Vorstandsvorsitzenden erhielten mit durchschnittlich 4,77 Mio. Euro 9,03 Prozent mehr als in 2006.

Die Vergütung besteht zum einen aus der fixen und der variablen Barvergütung. Diese machten im DAX in 2007 ca. 26 Prozent bzw. 56 Prozent der Gesamtvergütung aus. In 24 der 30 Unternehmen wurden außerdem Vergütungsbestandteile gewährt, die in irgendeiner Form vom Aktienkurs des Unternehmens abhängig sind. Die Ausgestaltung dieser aktienkursbasierten Vergütung reicht von der freiwilligen Zeichnung von Wandelanleihen über die Ausgabe von Bezugsrechten hin zur Ausgabe von echten oder virtuellen Aktien und Aktienoptionsplänen. Diese machten im Schnitt 18 Prozent der Gesamtvergütung aus mit einem durchschnittlichen Gegenwert von 531 Tsd. Euro pro Vorstandsmitglied. Dazu kommen noch Pensionszusagen und Einmalzahlungen wie bspw. Abfindungen.

Im internationalen Vergleich hat die Vergütung in Deutschland inzwischen ein sehr hohes Niveau erreicht. Der Baranteil liegt über demjenigen in vergleichbaren Unternehmen in Frankreich, der Schweiz oder den USA. Allerdings spielen in Deutschland aktienbezogene Vergütungsbestandteile eine deutlich geringere Rolle als beispielsweise in den USA oder in der Schweiz. Die DSW und Gunther Friedl sprechen sich dafür aus, dass die Unternehmen einen höheren Anteil der variablen Bezüge von längerfristigen Erfolgsschwellen abhängig machen. Dies kann etwa durch eine stärkere Vergabe von Aktien oder Stock Options erfolgen oder auch, indem die Tantiemen oder Boni nicht an einem einzelnen Jahresergebnis, sondern von Mehrjahres-Durchschnittskennzahlen abhängig gemacht werden. Einige Firmen, wie bspw. die Allianz und die Deutsche Bank, machen dies bereits vor.

Den Spitzenplatz bei der Vorstandsvergütung belegt erneut die Deutsche Bank. Ein einfaches Vorstandsmitglied verdiente dort in 2007 durchschnittlich 7,55 Mio. Euro, davon 4,94 Mio. Euro in bar zuzüglich Aktienoptionen im Wert von 2,61 Mio. Euro. Mit einem ordentlichen Abstand folgt auf Platz 2 mit 4,67 Mio. Euro die Merck KGaA, bei der sich vor allem das um über 250 Prozent gesteigerte Konzernergebnis positiv auf die variable Barvergütung ausgewirkt hat. Daimler und Siemens belegen die Folgeplätze mit ebenfalls noch durchschnittlich über 4,2 Mio. Euro. Kritisch anzumerken ist, dass die durchschnittliche Vergütung eines Vorstandsmitglieds der TUI AG um satte 85 Prozent auf 2,732 Mio. Euro gestiegen ist, nachdem die TUI nach einem Konzernverlust in 2006 im Geschäftsjahr 2007 ein gerade mal leicht positives Konzernergebnis ausweisen konnte.

Spitzenverdiener unter den Vorstandschefs war abermals Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der 9,45 Mio. Euro in bar und darüber hinaus Aktienoptionen im Wert von 4,53 Mio. Euro erhielt. Auf den Rängen zwei und drei folgen Daimler-Chef Dieter Zetsche mit insgesamt 10,01 Mio. Euro und Wolfgang Reitzle von der Linde AG mit insgesamt 8,06 Mio. Euro. Schlusslicht ist Postbank-Chef Wolfgang Klein mit 1,53 Mio. Euro.

Friedl und die DSW sprechen sich für eine stärkere Standardisierung jener Angaben aus, die das VorstOG vorschreibt. Nichtsdestotrotz ist die Transparenz der Vorstandsvergütung in den 30 DAX-Unternehmen inzwischen recht hoch. Schaut man sich dagegen die 50 Unternehmen des nächst "tieferen" Indizes MDAX an, so stellt man fest, dass - trotz einiger sehr positiver Ausnahmen - die Transparenz dort bereits deutlich nachlässt.

Die komplette Vergütungsstudie mit umfangreichen Daten und Analysen zur Höhe und Struktur der Vorstandsvergütung in den DAX-Unternehmen wie auch in den MDAX-Unternehmen sowie einem internationalem Vergleich können Sie auf der Homepage des Lehrstuhls für Controlling herunterladen.

Dr. Ulrich Marsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.controlling.wi.tum.de/forschung
http://portal.mytum.de/welcome

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