Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nach der Grenzöffnung zu Tschechien 1989: Entwicklung in Ostbayern verlief besser als erwartet

10.10.2007
Der freie Warenaustausch mit der Tschechischen Republik führte in den 90er Jahren entgegen vieler Befürchtungen nicht zu einem wirtschaftlichen Abstieg der bayerischen Grenzregionen. Das zeigt eine am Mittwoch veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Auch die Beschäftigungs- und Lohnentwicklung verlief insgesamt besser als erwartet. Gemessen am westdeutschen Durchschnitt kam es bei den Löhnen zeitweise sogar zu einem Aufholprozess.

Ostbayerische Arbeitnehmer verdienen zwar immer noch weniger als der Durchschnitt in vergleichbaren westdeutschen Regionen. Anders als vielfach befürchtet hat sich der Lohnabstand durch die Grenzöffnung insgesamt aber nicht vergrößert. Aus der IAB-Studie geht hervor, dass Anfang der 90er Jahre die Geringqualifizierten in Ostbayern ihren Lohnabstand zum westdeutschen Durchschnitt sogar verringern konnten. Ab Mitte der 90er Jahre kehrte sich diese Entwicklung allerdings ins Negative um: "Der gegen Ende der 90er Jahre wieder einsetzende Negativtrend lässt darauf schließen, dass Geringqualifizierte in Ostbayern nur kurzzeitig von der Grenzöffnung profitiert haben", so der IAB-Arbeitsmarktforscher Michael Moritz.

Auch die qualifizierten Arbeitnehmer holten nur bis Mitte der 90er Jahre auf. Danach stagnierte ihr Lohnabstand zum westdeutschen Durchschnitt wieder. Bei den Hochqualifizierten ist für den gesamten Untersuchungszeitraum bis 2001 keine Verringerung des Lohnabstands feststellbar.

Trotz erleichterter Arbeitsmöglichkeiten für tschechische Pendler im Grenzgebiet ist der Anteil der westdeutschen Arbeitnehmer, die in Ostbayern beschäftigt sind, auch nach der Grenzöffnung gestiegen. Waren im Jahr 1980 etwa 2,9 Prozent aller westdeutschen Arbeitnehmer in den bayerischen Grenzregionen zu Tschechien tätig, so erhöhte sich dieser Anteil bis 2001 auf mehr als 3,2 Prozent. Lediglich Mitte der 90er Jahre kam es zu einem kurzzeitigen Rückgang. "Insgesamt kann man zwar nicht von einem substantiellen Anstieg sprechen, aber andererseits kann auch von einem wirtschaftlichen Niedergang nach der Grenzöffnung keine Rede sein", schreibt Michael Moritz in seiner Studie.

Aus diesen Erfahrungen in Ostbayern könnten zwar keine allgemeinen Aussagen getroffen werden über die Effekte der jüngsten EU-Osterweiterung und der zukünftigen Arbeitnehmerfreizügigkeit auf den deutschen Arbeitsmarkt, betont das IAB. "Aber die im Wesentlichen günstige Entwicklung der Regionen in unmittelbarer Nähe zu Tschechien deutet darauf hin, dass wohl auch die volle Integration aller europäischen Arbeitsmärkte weit weniger negative Auswirkungen für Deutschland haben dürfte als oft befürchtet", lautet das Fazit der Studie.

Der IAB-Kurzbericht "Grenzöffnung zu Tschechien: Entwicklung in Ostbayern besser als erwartet" kann im Internet kostenlos unter http://doku.iab.de/kurzber/2007/kb2007.pdf abgerufen werden.

Wolfgang Braun | idw
Weitere Informationen:
http://doku.iab.de/kurzber/2007/kb2007.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Praktisch keine Rezessionsgefahr, Wachstumsprognose wird angehoben
14.12.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Aufschwung setzt sich fort
28.11.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik