Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie schaffen wir die Rente mit 67? Gesund altern im Betrieb

18.04.2007
Alternde Belegschaften werden zum wachsenden Problem für die Personalchefs, weil immer mehr junge Fachkräfte fehlen. Schon heute verursachen die über 45-jährigen mehr als die Hälfte aller Arbeitsunfähigkeitstage, obwohl sie insgesamt nur ein Drittel der Beschäftigten ausmachen.

"Der Erhalt und die Weiterentwicklung der Arbeitsfähigkeit von Mitarbeitern wird zentraler Erfolgsfaktor für Zukunftsfähigkeit von Unternehmen.", stellt die Arbeitsforscherin Dr. Anja Gerlmaier vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen fest.

Im Jahr 2020 werden bereits über 13 Prozent der Mitarbeiter in deutschen Betrieben zwischen 50 und 65 Jahre alt sein, vor sieben Jahren waren es noch 9,4 Prozent. Wegen Krankheit oder Behinderung geht jeder Fünfte vorzeitig in Rente. "Schonarbeitsplätze" für Ältere sind dabei keineswegs die Lösung. Notwendig ist vielmehr eine generationenübergreifende Personalpolitik, die sich am Bedarf und den besonderen Problemsituationen der Mitarbeiter in verschiedenen Lebensphasen orientiert. "Wir brauchen eine alterns- statt altersgerechte Arbeitsgestaltung, denn Gefährdungsschwerpunkte können sich schon in den mittleren Altersgruppen häufen.", warnt Gerlmaier.

Wichtig sei, dass betriebliche Personalpolitik vorbeugend ansetzt, etwa mit geeigneter Personaleinsatzplanung wie Rotation, Positionswechsel oder altersgemischten Teams sowie betrieblicher Gesundheitsförderung: angefangen beim Gesundheitszirkel bis hin zum Stressmanagement, altersgerechter Technikgestaltung am Arbeitsplatz, Vorsorge und Gefährdungsanalyse. 30 bis 40 Prozent der Erkrankungen wären durch Vorbeugung verhinderbar, stellt Anja Gerlmaier fest.

... mehr zu:
»Personalpolitik

Zu den Gefährdungsschwerpunkten zählen zum Beispiel: psychische Belastungen bei der Arbeit, insbesondere Arbeitstempo, Termindruck und Komplexität der Tätigkeiten, die in den letzten Jahren enorm zugenommen haben. So haben sich etwa innerhalb von 15 Jahren die psychischen Erkrankungen bei den berufstätigen Frauen vervierfacht (von acht auf 32 Prozent) und nehmen damit inzwischen Spitzenpositionen unter den Erkrankungen ein, die zu einer Frühverrentung führen. Stark rückläufig in diesem Bereich sind hingegen die Herz- und Kreislauferkrankungen.

Verschiedene Tätigkeiten stufen die IAQ-Arbeitsforscher als besonders alterskritisch ein: etwa körperlich belastende, monotone Arbeit im Verkauf, Tätigkeiten mit hoher Kundenabhängigkeit, Flexibilitätsanforderungen und Arbeitsintensität in verschiedenen Handwerksberufen, sozio-emotionale Belastungen bei Kranken- und Pflegekräften oder Lehrern, wissensintensive Tätigkeiten mit hoher Konzentration, Arbeitsintensität und unzureichender Erholung in der Software-Entwicklung, in Marketing- und Medienberufen.

Wie Untersuchungen des IAQ in einem stahlverarbeitenden Unternehmen zeigen, müssen die über 50-Jährigen nicht mehr körperliche Beschwerden als jüngere Kollegen haben. Ältere unterlagen dort weniger Belastungen und wiesen ein deutlich besseres Gesundheitsverhalten als Jüngere auf. Verantwortlich dafür ist häufig eine Arbeitspolitik in den Unternehmen, die Belastungen nicht vermindert, sondern auf Jüngere abwälzt. So werden körperlicher Verschleiß und Einschränkungen bei Älteren zu 80 Prozent im Erwerbsleben durch Übungsverluste verursacht, nicht durch biologische Alterungsprozesse. "Eine rein kurative Personalpolitik mit Schonarbeitsplätzen für Ältere greift zu kurz", meint Anja Gerlmaier.

Redaktion: Beate H. Kostka, Tel. 0203/379-2430, Claudia Braczko, Tel. 0209/1707-176, Mobil: 0170-8761608, claudia.braczko@uni-due.de

Weitere Informationen: Dr. Anja Gerlmaier, Tel. 0209/1707-286, anja.gerlmaier@uni-due.de

Beate Kostka | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-duisburg-essen.de/

Weitere Berichte zu: Personalpolitik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Rezessionsgefahr nahe null - IMK-Indikator: Deutsche Wirtschaft auf dem Weg in die Hochkonjunktur
16.01.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Mit Schwung ins neue Jahr
28.12.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie