Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenig befriedigende Positionierung Deutschlands bei IuK-Technologien

15.03.2007
In einzelnen Nischen und bei einzelnen Technologien sind die Unternehmen der deutschen "IuK-Wirtschaft" (Hersteller und Anbieter von Informations- und Kommunikationsgütern und -dienstleistungen) im internationalen Vergleich Spitze, und ihre Forschung ist exzellent. Wirklich befriedigend ist die Positionierung Deutschlands bei IuK-Technologien im Vergleich mit anderen Ländern indessen nicht, denn die deutsche IuK-Wirtschaft ist zwar fein, aber nur klein.

So entfallen in Deutschland nur 14 Prozent der gesamten industriellen FuE-Aufwendungen auf den Bereich IuK - weniger als in fast allen anderen Industrieländern. Auch der Anteil an den Patentanmeldungen ist mit 15 Prozent sehr niedrig. Die hohen Wachstumspotenziale der IuK-Wirtschaft tragen daher in Deutschland gesamtwirtschaftlich deutlich weniger zur Wertschöpfung und Beschäftigung bei als in anderen Ländern.

Ein wesentlicher Grund für die geringe Breite der deutschen IuK-Wirtschaft ist neben dem scharfen Preiswettbewerb der eigene Heimatmarkt, auf dem sich Neuerungen in IuK oft nur sehr zögerlich durchsetzen. Unzureichende IuK-Kenntnisse der Bevölkerung tragen hierzu erheblich bei. Weitere Investitionen in die IuK-Kompetenzen der Erwerbsbevölkerung sind daher für die Zukunft unumgänglich, um die internationale Positionierung der deutschen IuK-Wirtschaft zu verbessern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) und des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung (NIW).

Die IuK-Wirtschaft als eine wirtschaftliche Schlüsselbranche ist außergewöhnlich heterogen. Zum einen ist sie geprägt durch technologische Spitzenprodukte mit hohen Anforderungen an das Innovationspotenzial wie etwa hochwertige Computer-Chips oder komplexe Software, zum anderen durch standardisierte Massenprodukte wie beispielsweise Unterhaltungselektronik oder Handys, bei denen es im internationalen Wettbewerb vor allem um Preisvorteile und rasche Modellwechsel geht. Vor allem die aufholenden asiatischen Schwellenländer machen sich diese Heterogenität zu Nutze. Sie sind als Produzenten und Weltmarktführer fest in Bereichen mit hohem Standardisierungspotenzial etabliert: So ist etwa China heute bereits der Welt größter Exporteur von IuK-Technologien.

Der scharfe Preiswettbewerb durch die Schwellenländer hat dazu geführt, dass sich in Deutschland fast nur jene Produzenten von IuK-Hardware halten konnten, die erfolgreich Innovationsnischen besetzt haben. Auch in Zukunft wird IuK-Hardware sicherlich nicht zu einem großen Betätigungsfeld für deutsche Unternehmen werden.

Anders sieht es bei Software aus. Hier haben die deutschen Informatiker und Softwareingenieure in den vergangenen Jahren aufgeholt und sich auch international eine gute Position erarbeitet. Ähnliches gilt für die so genannte "embedded"-Software, das heißt direkt mit Gütern und Produkten verbundene Steuerungsprogramme. Die erfolgreiche Entwicklung und der konsequente Einsatz solcher neuen IuK-Technologien in Industriezweigen, in denen Deutschland traditionell stark ist (insbesondere Maschinen- und Fahrzeugbau), haben maßgeblich zur Verbesserung des Güter- und Dienstleistungsangebots und der Produktionsprozesse in diesen für die deutsche Wirtschaft wichtigen Industriezweigen beigetragen.

Trotz dieser Erfolge kann die deutsche Positionierung bei IuK insgesamt nicht befriedigen, denn nach wie vor wird das Potenzial der IuK-Technologien in Deutschland bei Weitem nicht ausgeschöpft. Ein wesentlicher Hemmschuh für die deutschen Anbieter von IuK-Technologien ist der eigene Heimatmarkt, der neue IuK-Anwendungen oftmals nur zögerlich annimmt. Andere Nationen wie beispielsweise die Schweden, Finnen und Dänen oder auch die Italiener und Spanier legen eine wesentlich größere Bereitschaft zur frühzeitigen Nutzung von IuK-Technologien an den Tag. Internet und Handys sind in diesen Ländern deutlich weiter verbreitet. Das wiederum ist die Voraussetzung für zahlreiche weitere Produkte und Dienstleistungen, die über diese Medien vermittelt werden. Einer der Gründe für den Rückstand Deutschlands bei der Verbreitung von IuK-Technologien sind teilweise höhere Nutzungsentgelte sowie ein geringer Wettbewerb zwischen verschiedenen Technologien. So hat sich in Deutschland - im Gegensatz zu vielen anderen Ländern - noch immer nicht ein auf Kabelmodems basierter Internetzugang durchgesetzt. Die Zögerlichkeit des Absatzmarkts erklärt zum Teil auch, weshalb die Gründung von Unternehmen der IuK-Wirtschaft in Deutschland nur vergleichsweise schleppend vorankommt.

Um der IuK-Wirtschaft in Deutschland in Zukunft eine größere Dynamik zu verleihen, gilt es, die IuK-Potenziale umfassender zu nutzen und die Fusion der IuK mit anderen Technologiefeldern voranzutreiben. Neue IuK-Trends müssen rascher aufgegriffen werden. Intensiver Wettbewerb - auch auf der Seite der Telekommunikationsinfrastrukturanbieter (Breitbandzugang) und dadurch niedrigere Preise wären dabei hilfreich. Des Weiteren sollte auch die öffentliche Hand dem Beispiel anderer Länder folgen und beim Online-Angebot öffentlicher Dienstleistungen größere Aktivitäten entfalten als bisher.

Eine weitere wichtige Ursache sowohl für die Angebotsschwäche als auch für die zögerliche Annahme von IuK-Technologien dürfte in fehlenden IuK-Kenntnissen der Erwerbstätigen und der Bevölkerung insgesamt zu suchen sein, denen in der beruflichen und akademischen Ausbildung nicht entschieden genug begegnet wird. Auch ist nicht absehbar, dass das Berufsbildungssystem und die Hochschulen in absehbarer Zeit in ausreichender Zahl gut ausgebildete IuK-Fachkräfte hervorbringen werden. Weitere Investitionen in die IuK-Kompetenzen der Erwerbsbevölkerung sind daher erforderlich.

Ansprechpartner:
Dr. Christian Rammer, Telefon 0621/1235-184, Fax -170, E-Mail rammer@zew.de

Katrin Voss | idw
Weitere Informationen:
http://www.technologische-leistungsfaehigkeit.de/pub/sdi-19-07.pdf

Weitere Berichte zu: IuK Positionierung Preiswettbewerb

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Indikator: Konjunkturampel schaltet von „gelb“ auf „grün“
16.05.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das erste Quartal 2018
30.04.2018 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics