Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutschland profitiert von der EU-Osterweiterung

15.03.2007
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zieht eine positive Bilanz der EU-Osterweiterung. Der Außenhandel zwischen Deutschland und den acht im Jahr 2004 beigetretenen mittel- und osteuropäischen Ländern hat sich nach der Erweiterung dynamisch entwickelt.

Die Exporte Deutschlands in die Beitrittsländer sind von 56,2 Milliarden Euro im Jahr 2003 auf 64 Milliarden Euro im Jahr 2005 gestiegen, die Importe im gleichen Zeitraum von 55,3 auf 59 Milliarden Euro. In der Summe betrachtet könne also von einer Verlagerung der Wertschöpfung in die neuen Mitgliedsstaaten keine Rede sein, so die Autoren der Studie Timo Baas, Herbert Brücker und Elmar Hönekopp.

Die EU-Osterweiterung führe zu erheblichen Wohlfahrtsgewinnen für die deutsche Volkswirtschaft. Der Außenhandel Deutschlands mit den acht Beitrittsländern habe inzwischen das Niveau des Handels mit den USA erreicht. "Eine Abschwächung des dynamischen Wachstumstrends ist gegenwärtig nicht zu erkennen", schreiben die IAB-Wissenschaftler in ihrer Studie.

Noch ist offen, ob Deutschland die derzeit geltenden Beschränkungen der Arbeitnehmerfreizügigkeit bereits 2009 oder erst 2011 aufheben will. In der Studie wurden drei Szenarien simuliert: ab sofort volle Freizügigkeit für alle zehn mittel- und osteuropäischen Beitrittsländer einschließlich der 2007 hinzugekommen Länder Rumänien und Bulgarien, Beschränkung der Arbeitnehmerfreizügigkeit für alle zehn Beitrittsländer bis 2011 oder Beschränkungen nur für Rumänien und Bulgarien bis 2011. Die Modellrechnungen zeigen, dass durch die EU-Osterweiterung in jedem Falle das Bruttoinlandsprodukt (BIP) und die Löhne steigen, während die Arbeitslosenrate sinkt.

Mehr Wachstum, aber geringerer Rückgang der Arbeitslosigkeit bei sofortiger Freizügigkeit

Sofort die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit einzuführen, brächte für das deutsche BIP ein zusätzliches Plus. Bleibt die Zuwanderung bis 2011 beschränkt, wird das BIP laut den IAB-Simulationsrechnungen durch die EU-Osterweiterung insgesamt um 1,02 Prozent steigen. Bei dem hypothetischen Szenario der sofortigen Einführung der Freizügigkeit für alle zehn Beitrittsländer würde das Wachstum des BIP mit 1,44 Prozent dagegen um 0,42 Prozentpunkte höher ausfallen. Der erweiterungsbedingte Rückgang der Arbeitslosigkeit und das Lohnwachstum wären in diesem Fall allerdings geringer. Der Rückgang der Arbeitslosenrate reduziert sich in dem hypothetischen Szenario um 0,25 Prozentpunkte von 0,64 auf 0,39 Prozent. Auch ergeben sich in diesem Szenario aufgrund der Ausweitung des Arbeitskräfteangebotes in einzelnen Sektoren sinkende oder weniger stark steigende Löhne. Davon wären insbesondere die Bauwirtschaft, der Handel und in geringerem Umfang auch die Dienstleistungen betroffen.

Die drei Autoren der Studie sprechen sich dennoch für die frühzeitige Öffnung des Arbeitsmarktes aus. Sie betonen, dass die gesamtwirtschaftlichen Gewinne die möglichen deutschen Kosten deutlich übersteigen dürften, vor allem wenn man aus europäischer Perspektive auch die Gewinne für Migranten und die Sendeländer berücksichtige. Gegen eine unerwartet hohe Zuwanderung könnte der deutsche Arbeitsmarkt während der Übergangsfristen durch eine Quote oder Sicherungsklausel geschützt werden.

Die Internetadresse der Studie lautet: http://doku.iab.de/kurzber/2007/kb0607.pdf

Wolfgang Braun | idw
Weitere Informationen:
http://doku.iab.de/kurzber/2007/kb0607.pdf

Weitere Berichte zu: Arbeitnehmerfreizügigkeit BIP EU-Osterweiterung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Indikator: Keine Rezessionsgefahr, keine Anzeichen für konjunkturelle Überhitzung
19.02.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer auf Rekordstand
29.01.2018 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kameratechnologie in Fahrzeugen: Bilddaten latenzarm komprimiert

21.02.2018 | Messenachrichten

Mit grüner Chemie gegen Malaria

21.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro

21.02.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics