Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Umweltschutz, Innovationen und Wachstum: Wie gemacht für Deutschland?

08.03.2007
Der deutschen Umwelt- und Klimaschutzindustrie stehen auf Grund ihrer Innovationskraft und ihrer starken internationalen Ausrichtung sehr gute Wachstumsmöglichkeiten offen. Um diese ausschöpfen zu können, ist jedoch ein neuer Innovationsschub erforderlich. Der technologischen Leistungsfähigkeit der deutschen Umweltschutzindustrie sind das Niedersächsische Institut für Wirtschaftsforschung, das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung sowie das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung nachgegangen.

Alle Projektionen sehen in der Umwelttechnik einen riesigen Wachstumsmarkt. Lange Zeit fehlte es allerdings in Deutschland an umweltpolitischen Impulsen für Wachstum und Innovationen. Wenn die deutsche Umweltschutzindustrie im vergangenen Jahrzehnt überhaupt gewachsen ist, dann verdankt sie dies ausschließlich der Nachfrage aus dem Ausland, denn der inländische Markt für Umweltschutzgüter ist seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr expandiert.

Die einzige dynamische Komponente im Inland war der Klimaschutz und zwar ausschließlich bei regenerativen Energieträgern. Das Umweltschutzproduktionspotenzial beläuft sich auf gut 5 % der industriellen Kapazitäten.

Der Beitrag von Umweltschutzgütern zur ohnehin schon starken deutschen Exportleistung ist seit Anfang des Jahrtausends noch einmal bedeutender geworden: 6,2 % der Industriegüterexporte waren 2004 dem "Umweltschutzsektor" zuzurechnen, in der übrigen Welt waren es nur 4,3 %; die Ausfuhren sind fast doppelt so hoch wie die Einfuhren. Ausgerechnet auf den stark expandierenden Klimaschutzmärkten nimmt Deutschland hingegen nur eine durchschnittliche Position ein. Zwar ist die Klimaschutzgüterproduktion in Deutschland in den letzten Jahren sehr kräftig gewachsen. Der Kapazitätsaufbau im Inland blieb jedoch dem Tempo der rapiden Nachfrageausweitung zurück. Ausländische Anbieter gewannen im deutschen Klimaschutzmarkt immer mehr Marktanteile. Positiv ist: Weltmarktrelevante technologische Erfindungen im Klimaschutz haben in Deutschland besonders stark zugenommen: Das Thema Klimaschutz ist bei unternehmerischen Innovationsaktivitäten auf fruchtbaren Boden gefallen.

In der Umweltschutztechnik geht es vor allem um die problemadäquate Anwendung von FuE-Ergebnissen und um die konsequente Umsetzung von technischem Wissen in anwendungsorientierte Lösungen. Insbesondere wird die Kooperationsfähigkeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung immer wichtiger. Entsprechend ambitioniert und komplex sind die industriellen FuE- und Innovationsaktivitäten. Die Umweltschutzwirtschaft passt somit recht gut zu dem Profil, das Deutschland im internationalen Wettbewerb abverlangt wird. Insofern ist es nicht unproblematisch, wenn die Aktivitäten in der öffentlichen Wissenschaft und Forschung von einem hohen Niveau aus geschrumpft sind mit entsprechenderen Konsequenzen für die Forschungsergebnisse. Auch bei den Technologien außerhalb des Klimaschutzes hat sich Deutschlands Vorsprung in beachtlichem Tempo verringert.

Die jüngsten Entwicklungen im Klimaschutz zeigen sehr gut die Besonderheiten der Umweltschutzmärkte auf: Der Staat nimmt über die Gestaltung der Rahmenbedingungen maßgeblich Einfluss auf die Umwelttechnik. Hohes Umweltschutzbewusstsein in der Bevölkerung sowie eine entsprechend ausgerichtete Gesetzgebung hatten in den 70er und 80er Jahren starke Impulse zur Entwicklung einer dynamischen Umweltindustrie in Deutschland gegeben. Sie konnte ihre Leistungsfähigkeit frühzeitig auf einem anspruchsvollen Binnenmarkt unter Beweis stellen. Globale Probleme verlangen jedoch globale Lösungen. Die deutsche Umweltschutzindustrie könnte in Teilbereichen eine technologische Vorreiterrolle übernehmen (das BMU spricht von "grünen Leitmärkten"). Hierzu bedarf es auch der politischen Flankierung, d. h. zukunftsweisender Normen und Vollzugsstandards sowie marktwirtschaftlicher Anreize, aus denen der umwelttechnische "Pionier" Innovationsimpulse ziehen kann.

Olaf Krawczyk | idw
Weitere Informationen:
http://www.niw.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr nahe Null
18.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht WSI-Tarifarchiv: Tariflöhne und -gehälter 2016: Reale Steigerungen von 1,9 Prozent
05.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik