Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Commerzbank-Börsenbericht (Wochenausblick)

06.03.2007
Weltweit kannten die Aktienmärkte in der vergangenen Woche nur eine Richtung - es ging deutlich nach unten. Der Dax verlor an den letzten fünf Handelstagen insgesamt 5,6%, nachdem am Montag noch die Marke von 7.000 Zählern überschritten wurde. Seitdem hat der Dax gut 500 Punkte eingebüßt.

Das europäische Pendant EuroStoxx50 gab rund 5,5% nach und beendete die Handelswoche nur knapp über der Marke von 4.000 Punkten. Ähnlich war die Situation in Tokio - der Nikkei 225 verlor gut 5%. Amerikanische Anleger verbuchten kumuliert Verluste von 4,2%, Technologietitel gaben sogar um 6% nach.

Auslöser für die weltweit deutlichen Kursrückgänge gibt es mehrere. Nachdem die westlichen Aktienmärkte seit vier Jahren ohne große Unterbrechung gestiegen sind, suchten Investoren nach einer Begründung, um Gewinne realisieren zu können - und fanden sie in Shanghai, wo der A-Share-Index am vergangenen Dienstag um gut 9% nachgab. Allein in den letzten 12 Monaten stieg der Index um nahezu 130% und entwickelte sich zu einem spekulativen Segment, was sich auch in einem momentanen KGV von 35 widerspiegelt. Obwohl es sich global gesehen um eine eher unbedeutende Börse handelt (im Gegensatz zur Börse in Hongkong, die "nur" gut 3% verlor), sorgte der Kurssturz für eine weltweite Kettenreaktion. Als Grund wurden Befürchtungen um staatliche Restriktionen am chinesischen Aktienmarkt genannt. Aufgrund der herausragenden Bedeutung der chinesischen Wirtschaft ist es wichtig zu konstatieren, dass die Auslöser nicht Befürchtungen einer nachlassenden Konjunktur im Reich der Mitte waren. Als weiterer Grund wurden immer wieder so genannte "Carry Trades" erwähnt. Hier werden vor allem billige Yen-Kredite aufgenommen, um dann mit diesem Geld eine höher verzinsliche Anlage (Anleihen, Aktien) zu kaufen.

Viele Anleger erinnern sich nun an die Situation aus dem Frühjahr 2006, als die Börsen weltweit innerhalb weniger Wochen über 10% an Wert verloren. Nachdem allein in der vergangenen Woche global rund 1.500 Milliarden US-Dollar an Börsenwert vernichtet wurden, ist ein Vergleich zum Vorjahr angebracht. Im Mai/Juni 2006 waren die Ängste der Börsianer fundamental begründet, denn aufgrund steigender Inflationsdaten in den USA befürchtete man, dass die Fed die Zinsen noch deutlich anziehen könnte. Kombiniert mit Angst um eine deutlich abnehmende Wirtschaftsaktivität bei hoher Inflationsrate ("Stagflation") drückten Anleger den Dax um gut 900 Punkte nach unten. Ein Jahr später sind die Befürchtungen nicht fundamental begründet. Denn Auswirkungen auf die zukünftigen Unternehmensergebnisse und andere aktienkursbestimmende Faktoren lassen sich derzeit nicht ableiten.

... mehr zu:
»Geschäftsfeld »Rentenmarkt »ZPK

Die Frage, die sich nun stellt, ist: Sehen wir gerade das lange erwartete und seit längerer Zeit prognostizierte reinigende Gewitter oder ist dies der Anfang vom Ende einer vierjährigen Aktienboomphase?

Kurzfristig dürfte die Nervosität hoch bleiben, was sich u.a. in der Entwicklung des Volatilitätsindex (VDAX) zeigt, der binnen Wochenfrist von knapp 14 auf über 22 Prozentpunkte anstieg.

Mittelfristig werden sich die Investoren wieder auf die nach wie vor günstigen Fundamentaldaten konzentrieren, dies dürfte die aktuelle Marktphase dann auch als eine gesunde Korrektur im intakten Bullenmarkt erscheinen lassen. Die Aktienbewertung und Unternehmensgewinne sind weiterhin positiv, speziell in Deutschland und Europa. Da für die Kursverluste keine Veränderungen der Rahmenbedingungen verantwortlich waren, ändert sich auch nichts am prognostizierten Jahresendziel von 7.400 Punkten für den Dax.

Die internationalen Rentenmärkte erfüllten in diesem Umfeld einmal mehr ihre sprichwörtliche Funktion als "sicherer Hafen". Nach mehreren Wochen eher getrübter Stimmung an den Bondmärkten stiegen die Rentenfutures in den USA sowie im Euroraum deutlich an und nähern sich alten Höchstständen. Mehrere Faktoren trafen bei dieser Entwicklung aufeinander: Nach dem Einbruch der Aktienmärkte wurde Kapital in sicherere Anlagen wie Anleihen umgeschichtet, was zu rückläufigen Renditen am US-amerikanischen und in der Folge auch am europäischen Rentenmarkt führte. Auch technisch war mit einer Erholung zu rechnen. Zudem sorgten die Kommentare des ehemaligen Fed-Präsidenten Alan Greenspan für Verunsicherung auf den Märkten. Die amerikanische Wirtschaft könnte laut Greenspan bis zum Ende des Jahres in eine Rezession rutschen. In den USA führten zusätzlich neben der gestiegenen Risikoaversion der Marktteilnehmer enttäuschende Konjunkturdaten zu Gewinnen an den Bondmärkten.

An den europäischen Rentenmärkten war in der vergangenen Woche wieder ein stärkerer Einfluss der US-Vorgaben festzustellen, nachdem sich die europäischen Renditen - vor allem im längeren Laufzeitenbereich - in der letzten Zeit zunehmend von den US-Renditen abkoppeln konnten.

Der Einfluss der Aktienmärkte auf den Rentenhandel dürfte in den nächsten Tagen weiterhin groß sein, gleiches gilt für die Volatilität der Märkte. Von der volkswirtschaftlichen Seite dürften die Daten der kommenden Woche die langsam abschwächende US-Konjunktur bestätigen. Im Euroraum steht die Zinsentscheidung der EZB im Mittelpunkt des Interesses - es wird allgemein eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf ein Niveau von 3,75% erwartet. Die Volkswirte der Commerzbank erwarten nach dem Zinsschritt am Donnerstag noch eine weitere Zinserhöhung auf ein Niveau von 4% Mitte des Jahres.

Eine Korrekturbewegung an den Aktienmärkten sollte nach einem vier Jahre andauernden Aufwärtstrend nicht verwundern, lediglich die Heftigkeit der Bewegung überrascht ein wenig. Wir gehen derzeit davon aus, dass die Märkte in naher Zukunft ihren mittel- bis langfristigen Aufwärtstrend wieder aufnehmen werden. Kurzfristig dürfte die Nervosität der Anleger allerdings anhalten und für weiter volatile Märkte sorgen. Anleger mit einem mittelfristigen Anlagehorizont bieten sich derzeit gute Einstiegsmöglichkeiten, um erste (Nach-) Käufe zu tätigen. Sofern die potenziellen Risikofaktoren keine Änderung der fundamentalen Rahmenbedingungen erfordern, hat unser positiver Ausblick für den Aktienmarkt weiterhin Bestand. Privatanlegern wird die Aktie von Canon empfohlen.

Disclaimer

Für die Erstellung dieser Ausarbeitung ist das Geschäftsfeld Privat- und Geschäftskunden (ZPK) der Commerzbank AG verantwortlich. Die Commerzbank AG, Frankfurt am Main, unterliegt der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Diese Ausarbeitung richtet sich ausschließlich an Personen mit Wohnsitz in Deutschland und dient ausschließlich Informationszwecken. Sie stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Die enthaltenen Informationen und Angaben wurden vom Geschäftsfeld Privat- und Geschäftskunden (ZPK) der Commerzbank AG sorgfältig recherchiert und zu eigenen Zwecken verarbeitet. Diese Ausarbeitung ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Es besteht keine Garantie, dass die aufgezeigten Zukunftsszenarien tatsächlich eintreten werden. Diese Ausarbeitung soll eine selbständige Anlageentscheidung des Kunden erleichtern und ersetzt nicht eine anleger- und anlagegerechte Beratung. Einschätzungen und Bewertungen reflektieren die Meinung des Verfassers im Zeitpunkt der Erstellung der Ausarbeitung und können sich ohne vorherige Ankündigung oder Mitteilung hierüber ändern. Ob und in welchem zeitlichen Abstand eine Aktualisierung dieser Ausarbeitung erfolgt, ist vorab nicht festgelegt worden. Die Commerzbank AG, mit dieser verbundene Unternehmen, und/oder deren Kunden können Transaktionen für eigene oder für fremde Rechnung im Hinblick auf die in dieser Ausarbeitung genannten Finanzinstrumente oder damit verbundene Anlagen tätigen oder getätigt haben, bevor der Empfänger diese Ausarbeitung erhalten hat. Die Commerzbank hat in Übereinstimmung mit den gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Regelungen interne organisatorische Vorkehrungen getroffen um Interessenkonflikte bei der Erstellung und Weitergabe von Finanzanalysen soweit wie möglich zu vermeiden. Hierzu zählen insbesondere institutsinterne Informationsschranken (Chinese Walls). Diese verwehren den Erstellern den Zugang zu Informationen, die Interessenkonflikte der Commerzbank AG in Bezug auf den analysierten Emittenten oder dessen Finanzinstrumente begründen können. Diese Informationsschranken gelten auch für nicht öffentlich bekannte Informationen aus einer etwaigen Geschäftsbeziehung der Commerzbank mit den Emittenten. Diese Informationen dürfen aus gesetzlichen oder vertraglichen Gründen nicht im Rahmen einer Finanzanalyse verwendet werden und sind daher auch nicht in dieser Ausarbeitung enthalten. Veröffentlichungen gemäß § 5 Abs. 4 Nr.3 der Finanzanalyseverordnung: Anzahl der Aktien-Empfehlungen des "Zentralen Geschäftsfelds Privat- und Geschäftskunden" der Commerzbank (ZPK) im 4. Quartal 2006 aufgeschlüsselt nach Kategorien: 23 Kaufen / 0 Halten / 2 Verkaufen.

Anzahl der Anleihe-Empfehlungen des "Zentralen Geschäftsfelds Privat- und Geschäftskunden" der Commerzbank (ZPK) im 4. Quartal 2006 aufgeschlüsselt nach Kategorien: 30 Kaufen / 6 Halten / 15 Verkaufen.

Copyright 2007; Herausgeber: Commerzbank Aktiengesellschaft, Kaiserplatz, 60261 Frankfurt am Main. Diese Ausarbeitung oder Teile von ihr dürfen ohne Erlaubnis der Commerzbank weder reproduziert noch weitergegeben werden.

| presseportal
Weitere Informationen:
http://www.commerzbank.com

Weitere Berichte zu: Geschäftsfeld Rentenmarkt ZPK

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index tritt auf der Stelle
24.11.2016 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Lemgoer Wissenschaftler wollen smarte Banknote realisieren
08.11.2016 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie