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Rentenmarkt: (Aus-)gebremste Euphorie

17.10.2006
Das dritte Quartal war insgesamt Balsam für die Seele der Bondanleger. Zehnjährige US-Renditen sanken in diesem Zeitraum knapp einen halben Rendite-Prozentpunkt, die deutsche Benchmark-Anleihe gab im Fahrwasser der US-Vorgaben rund 20 Renditestellen nach.

Den Anstoß zur Rally lieferten beruhigende Signale von der Inflationsfront, zunehmende konjunkturelle Bedenken angesichts höherer Abwärtsdynamik am US-Häusermarkt sowie nicht zuletzt auch die Einschätzung, dass der ausstehende geldpolitische Straffungsbedarf beidseits des Atlantiks überschaubar sei und im Falle der USA sogar erste Zinssenkungen ins Auge zu fassen wären.

Seit den letzten Septembertagen sind es allerdings wiederum die Notenbanken, die allzu großer Euphorie einen Dämpfer versetzen. Sowohl die EZB als auch Vertreter der Fed sind bemüht, sich bezüglich des weiteren Kurses alle Optionen offen zu halten. Aktuell verzinsen sich zehnjährige US-Treasuries zu 4,75 Prozent, ihre deutschen Pendants zu 3,8 Prozent. Beide haben sich damit von den jüngsten Tiefs bereits wieder spürbar abgesetzt.

Insbesondere durch das starke Wachstumstempo in Asien setzt das globale Umfeld weiterhin einen expansiven Grundakzent. Der IWF hat seine Projektionen für die Weltwirtschaft 2006 und 2007 auf die 5 Prozent Marke angehoben und spricht von der stärksten Vierjahresperiode seit den siebziger Jahren. Der Aufschwung erhält seine Prägung nach wie vor durch die chinesische Dynamik, deren künftigen Nachfrageeffekte eine US-Konsumabflachung kompensieren helfen sollten. Zunächst erhalten aber aggressive Slow-Down-Szenarien für die USA auch dadurch weniger Wahrscheinlichkeit, dass die seit Anfang August um ein Viertel gefallenen US-Benzinpreise neben dem niedrigeren Zinsniveau eine deutliche Konsumentlastung bewirken dürften. Die Sorgenfalten hinsichtlich der längerfristigen Preisentwicklung (September-Teuerung 3,8 nach 4,2 Prozent, Kernrate 2,8 nach 2,7 Prozent) dürften sich im Unterschied zu den 90er Jahren allerdings nicht so schnell legen, da angesichts der stark wachsenden globalen Wirtschaft die internationalen Kapazitätspuffer diesmal in geringerem Ausmaß zur Verfügung stehen. Die Euro-Inflationsrate hat sich durch die spürbare Entlastung der Energiepreise inzwischen zurückgebildet (vorläufige September-Inflation 1,8 nach 2,3 Prozent), wird allerdings von einem immer noch kräftigen Geldmengenwachstum (M3 im August +8,2 nach 7,8 Prozent) oberhalb der EZB-Toleranzmarke von 4,5 Prozent sowie starker Kreditexpansion (11,3 nach 11,1) begleitet. Zudem steht mit der Mehrwertsteuer-Erhöhung in Deutschland ein erneuter Auftrieb bei der Inflation an.

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Unter dem Strich sprechen günstige Umfeldfaktoren, vor allem eine reichliche Verfügbarkeit von Sparmitteln und Risikoszenarien aus diversen geopolitischen Krisenherden, weiterhin für die Anlage in Festverzinslichen. Um sich jedoch im Falle einer möglichen erneuten Verschlechterung des Inflationsbildes inklusive entsprechender Reaktionen der Notenbanken größtmöglichen Handlungsspielraum zu bewahren, bieten sich bei der Laufzeitwahl unverändert vor allem kurze bis mittlere Fristigkeiten an.

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