Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Familienunternehmer unterschätzen die psychologischen Auswirkungen der Nachfolge auf ihr Unternehmen...

11.08.2006
...und gefährden damit die Existenz ihrer Firma ("Forschungsoffensive", Teil 4)

Übergaben von Familienunternehmen in die nächste Generation scheitern nicht selten an Beziehungsgeflechten in den Firmen, so das zentrale Ergebnis einer Studie des Wirtschaftswissenschaftlers Nils Dreyer vom Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU) der Universität Witten/Herdecke: "Berater konzentrieren sich oft ausschließlich auf die Beilegung von Konflikten zwischen Senior und Junior. Dabei übersehen sie die Auswirkungen des Führungswechsels auf das sensible Beziehungsgeflecht in der Firma", mahnt Dreyer.

Dreyer hatte für seine Arbeit mehrere Unternehmen im Nachfolgeprozess über einen längeren Zeitraum untersucht. In einer Vielzahl von Interviews mit Senioren, Junioren und weiteren Führungskräften stellte sich heraus, dass die Art und Weise wie die Nachfolge vollzogen wird, von entscheidender Bedeutung für das ganze Unternehmen ist. Denn nicht nur die Spitze, sondern alle Mitarbeiter sehen sich einem oft drastischen Wandel ausgesetzt. Oft sogar dann, wenn der Übergang zwischen Alt und Jung harmonisch verläuft: "Es müssen auf sehr vielen Ebenen des Unternehmens die Weichen neu gestellt werden. Über Jahrzehnte hinweg gewachsene Entscheidungsroutinen sind plötzlich in Frage gestellt. So gerät die ganze Firma in einen komplexen Entwicklungsprozess, der oft nur unzureichend wahrgenommen wird" und im Extremfall sogar in die Insolvenz führen könne, so Dreyer.

Verunglückte Nachfolgeprozesse werden für zehn Prozent der Unternehmensinsolvenzen verantwortlich gemacht. "Möglicherweise sind in solchen Fällen die Irritationen, denen das ganze Unternehmen im Nachfolgeprozess ausgesetzt ist, zu stark gewesen", ergänzt Prof. Arist v. Schlippe, Psychologe und Inhaber des Lehrstuhls für Führung und Dynamik am WIFU. "Viele Unternehmer denken, mit der vertraglichen Gestaltung ihres Erbes wären die Hausaufgaben bereits erledigt. Dabei sollte der Vorbereitung ihrer Mitarbeiter mindestens genau so viel Aufmerksamkeit gelten. Die Aufgabe von Führung besteht darin, einen integrierenden Rahmen bereitzustellen, der eine größtmögliche Orientierung der Mitarbeiter in der neuen Situation sicherstellt."

... mehr zu:
»WIFU

Damit die Verunsicherungen innerhalb des Unternehmens nicht zu groß werden, schlagen Dreyer und v. Schlippe vor, neben der Klärung der sachlichen und juristischen Fragen die Perspektiven der Mitarbeiter in den Veränderungsprozess aktiv mit einzubeziehen. Dazu gehöre es, ein offenes Ohr dafür zu haben, was die Veränderung an der Unternehmensspitze für die Mitarbeiter bedeutet, sorgfältig abzuklären, wie die Rolle des Seniors nach der Übergabe aussieht und klare Formen und Rituale für den eigentlichen Übergang zu entwickeln. Auf diese Weise werde die veränderte Situation für jeden Mitarbeiter eindeutig markiert.

Familienunternehmen stellen seit Jahrzehnten das wirtschaftliche Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft dar. Über 80 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind Familienunternehmen. Das im Jahre 1998 gegründete Wittener Institut für Familienunternehmen an der Universität Witten/Herdecke (WIFU) beschäftigt sich mit den Besonderheiten dieses Unternehmenstypus. Einen Schwerpunkt der Institutsarbeit bildet dabei die Betrachtung von Nachfolgeprozessen. Bereits heute ist jeder vierte der 3,5 Millionen Firmenchefs in Deutschland älter als 55 Jahre. Nach Berechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn sind in den kommenden fünf Jahren ca. 18 Prozent aller Familienunternehmen in Deutschland "übergabereif". Allein auf das Jahr 2005 entfielen dabei 70.900 Unternehmen mit 678.000 Beschäftigten - umgerechnet sind das fast 200 Übergaben täglich!

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Arist v.Schlippe, Tel.: +49 2302 926-513, schlippe@uni-wh.de
Dipl.Oec. Nils Dreyer, Tel.: +49 160 7576843, Nils.Dreyer@uni-wh.de

Dr. Olaf Kaltenborn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de
http://wga.dmz.uni-wh.de/wiwi/html/default/difu_profil

Weitere Berichte zu: WIFU

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Der Dauerläufer: Starke Binnennachfrage macht diesen Aufschwung robuster als seine Vorgänger
17.10.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Positiv für die Volkswirtschaft: Die Zahl der Betriebsgründungen von Hauptniederlassungen steigt weiter
12.10.2017 | Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Antibiotikaresistenzen: Ein multiresistenter Escherichia coli-Stamm auf dem Vormarsch

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Sturmfeder bekämpft Orkanschäden

23.10.2017 | Maschinenbau

Vorstellung eines neuen Zellkultursystems für die Analyse von OPC-Zellen im Zebrafisch

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie